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Über 100.000 Euro Schaden löste ein "Abschiedssaufen" in der Münchner S-Bahn aus.
Über 100.000 Euro Schaden löste ein "Abschiedssaufen" in der Münchner S-Bahn aus © dpa
11.12.2011

"Abschiedssaufen" in S-Bahn: Hoher Schaden

München. Heruntergerissene Leuchtstoffröhren, verbogene Abdeckgitter, kaputte Fensterscheiben und insgesamt rund 100 Stunden Verspätung bei den S-Bahnen - das ist die Bilanz einer Alkoholparty von rund 2000 jungen Leuten in der Münchner S-Bahn am Samstagabend. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen mehr als 100 000 Euro.

Vertreter von Bundespolizei und der Deutschen Bahn (DB) zeigten sich am Sonntag schockiert angesichts der Zerstörungswut der Jugendlichen. Die Feiernden hatten sich unter dem Stichwort «Abschiedstrinken» in den S-Bahn-Zügen der bayerischen Landeshauptstadt versammelt, um die letzten Minuten vor dem am Sonntag in Kraft getretenen Alkoholverbot in den S-Bahnen auszukosten und sich in den Zügen zu betrinken.

Dabei skandierten sie Sprüche wie «Wir sind hier, wir sind blau, wir fahren mit dem MVV» (Münchner Verkehrs-und Tarifverbund) und «Wir hassen MVV». «Wer bis gestern Abend gezweifelt hat, ob ein Alkoholkonsumverbot nötig ist, hat nun die Bestätigung», sagte der Geschäftsführer der S-Bahn München, Bernhard Weisser. Die Jugendlichen hätten einen Schaden im unteren sechsstelligen Bereich angerichtet. Rund 40 Züge mussten ausfallen, weitere 200 kamen verspätet, weil die Feiernden mehrmals die Notbremsen gezogen und die Türen blockiert hatten.

Die Polizei will nun die Haupttäter und Rädelsführer ermitteln, darunter auch diejenigen, die über das Internet-Netzwerk Facebook zum «Abschiedstrinken» aufgerufen hatten. Die Videoaufzeichnungen der Bahn sollen dabei helfen. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, darüber nachzudenken, wie man mit dem Alkoholkonsum junger Menschen umgehe: «Es ist eine hohe Not, den Alkoholkonsum einzudämmen - insbesondere dann, wenn er gesellschaftsschädlich wird», sagte Polizei-Einsatzleiter Jürgen Vanselow.

Die Zerstörungen hätten nach Polizeiangaben auch mit einem höheren Aufgebot von Sicherheitskräften nicht verhindert werden können: «Das war keine Frage der eingesetzten Kräfte», sagte Polizeisprecher Berti Habelt der Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt seien etwa 160 Beamte im Einsatz gewesen. Zusätzlich hatte auch die Bahn Sicherheitskräfte zur Überwachung der Alkoholparty geschickt.

Eine S-Bahn mit einer Mischung von betrunkenen Jugendlichen und normalen Fahrgästen zu räumen, stünde in keinem Verhältnis, erklärten die Polizisten. Weil rechtlich noch ungeklärt ist, ob Verabredungen über soziale Netzwerke genehmigungspflichtige Veranstaltungen sind, habe man die Veranstaltung auch nicht vorher unterbinden können. dpa

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