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Kein Grund so grimmig zu schauen: Trainer Alexander Günther konnte sich über einen 6:1-Auftaktsieg seiner Singener Elf freuen.
günther
24.08.2010

Auf Ballhöhe: Kreisliga-Titelkandidaten starten gut

Der Ball rollt wieder in den Ligen des Fußballkreises Pforzheim. Und die Saison wird spannend: Wird Germania Brötzingen seiner Favoritenrolle in der Kreisliga gerecht? Die „Ballhöhe“ beschäftigt sich heute mit den Titelkandidaten der Kreisliga und A-Klassen und wie diese in die Runde gestartet sind.

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Der Weg zur Meisterschaft führt in der Kreisliga Pforzheim ganz klar über den selbsternannten Titelkandidaten Germania Brötzingen. Zum Auftakt haben die Germanen ohne Trainer Jürgen Geigle (Urlaub an der Nordsee) beim 4:3-Heimsieg aber kräftig zittern müssen. „Es war ein typisches Eröffnungsspiel und kein gutes von uns. Wir hatten Angst vor der eigenen Courage, aber Langenalb ist auch keine schlechte Mannschaft“, sagt Brötzingens Spielleiter Andreas Wittenauer.

Hinzu kam, dass Toptorjäger Manuel Georgopoulos (Knorpelschaden, fehlt noch zwei Wochen aus) ausfiel, ebenso Julian Sprengel (mit bakteriellem Infekt im Krankenhaus) und Lillo Manna (Urlaub). „Es war deshalb noch sehr viel Sand im Getriebe“, blickt Wittenauer auf einen Stotterstart zurück. Dass es trotzdem noch für einen ersten Dreier reichte, dafür waren die beiden Neuzugänge Kastreot Kovani (vom Oberligisten VfL Kirchheim/Teck) und Cem Tatar (FC Nöttingen) verantwortlich. Beide Stürmer schnürten zum Einstand jeweils einen Doppelpack.

Wie der Sieg schließlich zustande kam, ist Wittenauer dann auch egal. „Schlecht spielen und trotzdem gewinnen, das ist doch was. Trotzdem müssen wir uns noch erheblich steigern.“

Vorne mitspielen will in der Kreisliga auch der FC Germania Singen. Und die Mannschaft von Trainer Alexander Günther setzte beim 6:1 gegen die Sportfreunde Feldrennach gleich ein Ausrufezeichen. „Man of the match“ war Neuzugang Felix Walter vom 1. FC Birkenfeld, der mit einem Hattrick in der ersten Halbzeit die Weichen auf Sieg stellte. „Er hat super trainiert in der Vorbereitung. Die Tore waren die Belohnung dafür“, freut sich Alexander Günther.

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Schwer enttäuscht war dagegen Feldrennachs Trainer Marcus Wörner. Sein Team zählt bei Insidern zu den Geheimfavoriten. Das sieht Wörner allerdings nicht so. „Neben Brötzingen werden Singen, Ersingen, Langenalb und die CfR-Reserve oben mitmischen“, glaubt der 34-jährige Coach.
„Wir dagegen sind noch nicht so weit.“ Warum? „Der Kader ist zu dünn, Ausfälle können wir nicht kompensieren.“

Gegen Brötzingen musste Wörner auf Marcel Farr (Innenband-
anriss) verzichten, außerdem auf zwei seiner drei neuen Brasilianer, die noch nicht spielberechtigt waren. Ex-Spieler Delano hat seine Kontakte nach Brasilien wieder spielen lassen und die Offensivspieler zu den Sportfreunden gelotst. Zur Erleichterung hat Wörner sich nur mal die Vornamen gemerkt. Sie heißen Eric, Miranda und Tardelli. Erstgenannter hat einen deutschen Pass, die anderen beiden sind Brasilianer. Im Training wird aber weiterhin deutsch gesprochen – im Notfall übersetzt Delano.

Brasilianische Ballkünstler in Feldrennach – das ist nichts Neues. In dieser Saison werden sie jedoch aufgrund des EU-Passes eine ganze Runde durchspielen.nicht gleich wieder nach drei Monaten in die Heimat zurückkehren. „Sie haben einen EU-Pass und bleiben bis zum Saisonende“, freut sich Wörner. Und wer weiß, vielleicht schießt der ein oder andere die Sportfreunden am Ende der Runde doch noch in die Landesliga.

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Eine harte Nuss zu knacken hatte Landesliga-Absteiger Alemannia Wilferdingen beim Kreisliga-Aufsteiger FSV Eisingen. Erst kurz vor Schluss gelang der Mannschaft von Alexander Schwenk der Siegtreffer durch Philipp Ocker. Volker Müller war deshalb bedient. „Es war ein Spiel auf Augenhöhe“, ärgert sich der Eisinger Trainer über den missglückten Auftakt, zu dem aus Sicht des Aufsteigers auch der Schiedsrichter sein Teil dazu beigetragen hatte: Eisingen beklagt einen zweifelhafter Handelfmeter für Wilferdingen, die Rote Karte für FSV-Kapitän Patrick Rygiel und „als Krönung“ (Müller) eine Abwehraktion, die vom Schiri als Rückpass gewertet wurde. Der daraus resultierende Freistoß führte zum 2:1-Siegtreffer der Gäste. Abhaken, weitermachen – Volker Müller nimmt das Positive mit aus dem Spiel. „Wir konnten in der Klasse mithalten“, blickt er zuversichtlich den nächsten Spielen entgegen.

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Dem TSV Wimsheim (1:10 gegen 1. CfR Pforzheim) steht eine knallharte Saison bevor. Das weiß auch TSV-Trainer Markus Mutz. Denn nach dem Zwist mit Spielleiter Bernhard Jentner (die PZ berichtete) geht Wimsheim neue Wege. „Wir wollen keine Spieler mehr bezahlen und setzen auf junge Kräfte“, sagt Mutz. Der 39-Jährige ist schon seit sechs Jahren beim TSV und fungierte zuletzt als Torwart- und Co-Trainer. Für den Umbruch sind ihm gerade einmal vier Spieler (Ümit Epcimoglu, Fatih Belli, Rouven Held und Jörg Holm) aus der letzten Runde geblieben. Der Rest hat kurz vor Wechselfrist (30. Juni) das Boot des verschuldeten Vereins verlassen. Das Durchschnittsalter seiner Truppe beträgt 22 Jahre.

Wie schwer wird die Runde? „Mehr als schwer“, antwortet Mutz. „Die Klasse zu halten, wäre ein Riesenerfolg.“ Wichtig wird sein, dass sich alle Spieler voll ins Zeug legen. Vor dem Spiel gegen die CfR-Reserve kamen drei Akteure wenige Stunden zuvor aus dem Urlaub zurück – und mussten völlig übernächtigt ran. Auf dem Platz gaben sie ihr Bestes.

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Der 1. FC Eutingen, Titelkandidat in der Kreisklasse A1, hat sich beim 3:2-Sieg zum Auftakt gegen Germania Singen II nicht gerade mit Ruhm bekleckert. „Es war ein mühsamer Sieg“, sagt Eutingens Spielleiter Ronny Walter, der zugibt, dass sein Team den Gegner auch etwas unterschätzt habe. Außerdem sei die Vorbereitung „schleppend“ verlaufen – bedingt durch Verletzungen und Urlauber. Auf Trainer Hakan Göktürk, der diese Woche aus der Türkei zurückkommt, wartet bis zum nächsten Spiel (10. September gegen TuS Bilfingen) noch einiges an Arbeit.

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Hoch gehandelt wird in der Kreisklasse A2 der SV Büchenbronn. Beim 2:2 gegen den FV Wildbad lief für das Team von Trainer Maurizio Sapuppo aber noch nicht alles rund. „Das war schon ein Dämpfer“, ärgert sich der Coach über das Remis. Woran lag's? „Nervosität, verschossener Elfer beim Stand von 1:1, Flatterball zum 2:2 in der Nachspielzeit und neues System“, antwortet Sapuppo. Mit seinem Amtsantritt im Sommer hat der Ex-Wilferdinger die Viererkette eingeführt. Die soll in den nächsten Spielen dicht halten. Und Sapuppo ist sich des Erfolges sicher: „Wir sind hingefallen, jetzt stehen wir wieder auf“, meint der Trainer völlig entspannt.