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Brennstoffzellenauto von Daimler. Foto: Ketterl
Brennstoffzellenauto von Daimler. Foto: Ketterl
Dr.Gert Hinsenkamp Foto: Ketterl
Dr.Gert Hinsenkamp Foto: Ketterl
15.12.2011

Auf der Tüftler-Route der Autopioniere Carl & Bertha Benz

Daimler-Ingenieur Gert Hinsenkamp wandelt auf den Spuren von „Carl & Bertha“, wie der Titel eines ARD-Films über das Autopionier-Paar Benz heißt. Bekanntlich hat die gebürtige Pforzheimerin Bertha Benz im August 1888 die erste Fernfahrt der Welt auf dem dreirädrigen Motorwagen ihres Gatten von Mannheim in die Goldstadt unternommen und demonstrierte damit die Alltagstauglichkeit der Erfindung. Und Hinsenkamp? Der ebenfalls aus Pforzheim stammende Tüftler arbeitet heutzutage am emissionsfreien Elektroantrieb, der mit Energie aus der Brennstoffzelle gespeist wird.

Derzeit ist Hinsenkamp mit einem Testwagen der B-Klasse vom Typ F-Cell unterwegs – unter anderem auch im Nordschwarzwald.

„Mit einem Prototyp hat das Fahrzeug längst nichts mehr zu tun. Das ist ein vollwertiges Auto“, sagt der Ingenieur. Immerhin habe die F-Cell-Flotte im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Straßenkilometer zurückgelegt. Zähle man die Brennstoffzellen-Busse hinzu, so kämen gut fünf Millionen Erfahrungskilometer mit der neuen Technologie zusammen. Und: Die Weltumrundung der drei leuchtgrün lackierten Brennstoffzellen-Mercedes endete vor einigen Monaten in Stuttgart.

Daimler hat die diesjährigen Jubiläumsfeiern zum 125. Geburtstag des Automobils genutzt, um die „World Drive“-Tour der F-Celler entsprechend in Szene zu setzen und um zu beweisen, dass der Elektroantrieb durchaus alltagstauglich ist.

In der Tat, eine Probefahrt zeigt, dass beim F-Cell die Kindertage längst vorüber sind. Die Vorzüge einer traditionellen Stern-Karosse treten deutlich hervor. Die 136 Pferdestärken sorgen für einen flotten Start aus dem Stand. 290 Newtonmeter Drehmoment schickt der Motor auf den Antriebsstrang und lässt das Fahrzeug damit in knapp elf Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen. Die Schaltautomatik arbeitet ruckelfrei. Bestens auch die Straßen- und Kurvenlage.

Spitzengeschwindigkeit: 170 Stundenkilometer. Nur eines ist anders: Entspannende Ruhe. Kein lästiges Röhren beim Beschleunigen, kein aufbrausendes Motorbrüllen.

Etwa ein Kilogramm Wasserstoff verbraucht die F-Cell-B-Klasse auf 100 Kilometern. Umgerechnet auf ein Diesel-Aggregat sind das gerade mal knapp drei Liter. Allerdings liegen die Emissionswerte am Brennstoffzellen-Fahrzeug bei null. Hinsenkamp: „Wenn nun noch der Wasserstoff zum Betanken mit Wind- oder Sonnenkraft erzeugt wird, dann haben wir auch in der Vorstufe keinerlei CO2-Ausstoß“. Laut dem Zusammenschluss Clean Energy Partnership (CEP), dem auch Daimler angehört, muss derzeit noch von einem Preis zwischen sieben und acht Euro je Kilogramm Wasserstoff ausgegangen werden. Für die Zeit ab 2015 sind fünf Euro im Gespräch. Eine Tankfüllung reicht für knapp 400 Kilometer, sagt Hinsenkamp. Zum Vergleich: Batterie gespeiste Elektromotoren kommen aktuell auf Reichweiten zwischen 100 und 150 Kilometern. Danach müssen sie für mehrere Stunden an die Steckdose. Anders beim F-Cell-Stromaggregat, es bezieht seine Energie aus dem eigenen Brennstoffzellen-Kraftwerk, das platzsparend unter dem Kofferraum und unter der Fahrerkabine im sogenannten Sandwichboden untergebracht ist. Ist der Tank leergefahren, wird wie beim herkömmlichen Verbrennungsmotor in kurzer Zeit aufgetankt.

Eine „tägliche Herausforderung“ für den Ingenieur ist es, die Kosten so zu reduzieren, „dass wir beim Preis auf das Niveau eines Hybrid-Fahrzeugs kommen“. Noch liegt alleine die monatliche Leasinggebühr für eine B-Klasse bei knapp 1000 Euro. Dieser Preis ist von Daimler subventioniert. Hinsenkamp und sein Team arbeiten fieberhaft an der Aufgabe, ein Jedermann-Auto auf die Straße zu bringen.

 

www.daimler.com