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Mutmaßlicher Autobahnschütze ist selbst Lastwagenfahrer © dpa
25.06.2013

BKA: Autobahnschütze hat gestanden

Wiesbaden/Würzburg (dpa) - Fünf Jahre verbreitete ein unbekannter Schütze Angst auf deutschen Autobahnen. Hundertfach feuerte er mit Gewehren auf fahrende Lastwagen. Nun hat ein 57 Jahre alter Lastwagen-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen die Tat gestanden.

Der mutmaßliche Autobahnschütze hat seine Taten wenige Stunden nach der Festnahme gestanden. Als Motiv habe der 57 Jahre alte Lastwagen-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen «Ärger und Frust im Straßenverkehr» genannt, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Dienstag in Wiesbaden. Seit 2008 hatte der Mann mindestens 762 Mal aus seinem Lastwagen auf andere Lastzüge geschossen, vor allem auf Autotransporter. Er war am Sonntagmorgen in seinem Wohnort in der Eifel festgenommen worden. Mehrer Waffen seien sichergestellt worden, sagte Ziercke. Man habe bei dem Verdächtigen auch noch 1300 Schuss Munition gefunden. Ziercke nannte den Fall «bislang einzigartig in der Kriminalgeschichte».

Die beispiellose Serie von mehr als 700 Anschlägen auf Lastwagen auf deutschen Autobahnen ist vermutlich aufgeklärt. Ein 57 Jahre alter Lastwagen-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen soll seit 2008 vor allem auf Autotransporter geschossen haben.

Bildergalerie: Autobahnschütze ist selbst Lkw-Fahrer

Der Mann wurde am Sonntag festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Wiesbaden mitteilte. Den genauen Tatvorwurf nannte die Behörde zunächst nicht. 2009 war eine Autofahrerin auf der A3 bei Würzburg am Hals getroffen und schwer verletzt worden.

Der am Montag nach Würzburg überstellte Verdächtige ist nach Angaben der Ermittler als Berufskraftfahrer bei einer Spedition angestellt. Er werde weiter vernommen, bestätigte der Würzburger Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder. Nach Medienberichten stammt der Mann aus der Eifel-Gemeinde Kall. Bei seiner Festnahme dort seien Waffen gefunden worden, teilte das BKA mit.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von einem wichtigen Fahndungserfolg. Es sei gelungen, «einen hochgefährlichen Täter dingfest zu machen». Die Speditionsbranche reagierte erleichtert. «Es ist auch ein Gefühl der Hilflosigkeit gewesen über all die Jahre», sagte der Sprecher des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV), Ingo Hodea. «Wir hoffen, dass es jetzt vorbei ist.»

Die Schüsse hatten die Ermittler seit 2008 vor ein Rätsel gestellt. Da die Einschusslöcher meist erst nach Ankunft der Lastwagen bemerkt wurden, waren genaue Tatorte kaum zu ermitteln. Auf die Spur soll die Fahnder letztlich der Einsatz von verdeckten Lesegeräten für Kennzeichen an Autobahnen gebracht haben, wie der Südwestrundfunk berichtete. Nach einem neuen Anschlag seien jeweils die Daten entlang der Route abgeglichen worden. Auch Verbindungsdaten von Mobilfunkmasten entlang der Autobahn seien ausgewertet worden. Das Bundeskriminalamt will erst am Dienstag weitere Details nennen.

Schon früh hatten die Ermittler auf einen Lkw-Fahrer als möglichen Täter getippt, weil die Höhe der Einschusslöcher auf einen Schützen im Führerhaus eines Lastwagens schließen ließ. Noch im vergangenen November hatte BKA-Präsident Jörg Ziercke aber eingeräumt, darüber hinaus gebe es keine konkreten Hinweise auf den Täter. Seit Herbst 2012 ermittelten 90 Beamte in der «Besonderen Aufbauorganisation Transporter». Neben dem BKA waren Polizisten aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beteiligt. Zudem war eine Belohnung von 100 000 Euro ausgesetzt.

Besonders betroffen waren von den Anschlägen mit Waffen verschiedener Kaliber nach früheren BKA-Angaben die A3 von Köln bis Nürnberg, die A4 zwischen Aachen und Köln, die A5 zwischen Karlsruhe und Kirchheim, die A6 von Walldorf bis Nürnberg und die A61 von Walldorf bis Kerpen.