nach oben
In den Niederlanden prügeln jugendliche Amateurfußballer einen Linienrichter tot. Die Tat schockiert über die Landesgrenzen hinweg. Wieder einmal wird der Ruf nach einem härteren Durchgreifen laut.
Nach Linienrichter-Attacke: Ruf nach Konsequenzen © dpa
05.12.2012

Badische Fußballer entsetzt über Linienrichter-Attacke

Karlsruhe/Amsterdam. Diese Gewalttat erschüttert die ganze Fußball-Welt: In Amsterdam haben jugendliche Amateurfußballer einen Linienrichter zu Tode geprügelt. Nicht nur in den Niederlanden, sondern auch beim Badischen Fußballverband (BFV) werden jetzt Konsequenzen gefordert.

Umfrage

Nimmt die Gewalt auch auf den deutschen Fußballplätzen zu?

Ja 86%
Nein 9%
Weiß nicht 5%
Stimmen gesamt 430

„Nach einem solch gravierenden Zwischenfall können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagt BFV-Präsident Ronny Zimmermann. In einer Pressemitteilung machte er am Mittwoch Morgen mit Nachdruck deutlich, dass es so nicht weitergehen kann: „Es handelt sich bei aller Rivalität untereinander noch immer nur um ein Fußballspiel, das müssen sich alle Beteiligten ständig vor Augen führen, und zwar gleichgültig in welcher Eigenschaft sie am Fußballgeschehen teilnehmen.“

Auch in der Niederlande forderten Bürger, Sport und Politik ein hartes Durchgreifen und deutliche Zeichen gegen die Gewalt. Ajax-Coach Frank de Boer sagte stellvertretend: „Wie können die Sicherungen bei Jungs von 15 und 16 so durchknallen? Wir müssen etwas tun.“ Nach einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft in Amsterdam wird gegen die drei mutmaßlichen jugendlichen Täter wegen Totschlags ermittelt. Ihr Verein, der Amsterdamer Amateurclub SV Nieuw Sloten, hat seine Jugendmannschaft vorerst aus der Liga genommen.

Die 15- und 16 Jahre alten Jugendspieler hatten am Sonntag in Almere bei Amsterdam den 41 Jahre alten Richard Nieuwenhuizen vor den Augen seines mitspielenden Sohnes so schwer misshandelt, dass er einen Tag später starb. Der Verband sagte alle Amateurspiele am kommenden Wochenende ab. Zu Beginn der Profispiele soll es eine Schweigeminute geben, Spieler und Schiedsrichter sollen Trauerflor tragen. Außerdem will der KNVB Sanktionen gegen die drei Spieler ergreifen. In den Niederlanden können Jugendspieler maximal für drei Jahre gesperrt werden.

Erinnerungen an Steinegg, Mühlacker und Neuenbürg

In Pforzheim und dem Enzkreis weckte die tödliche Attacke Erinnerungen an die jüngsten gewalttätigen Auseinandersetzungen auf Fußballplätzen in der Region – auch wenn diese deutlich glimpflicher abliefen. So hatte Ende August ein Spieler des Türkischen SV Mühlacker beim Punktspiel gegen den FV Niefern II Brille und Pfeife aus dem Gesicht geschlagen. Laut einem Nieferner Augenzeugen hatte der Unparteiische auch Blut im Gesicht. Erst als Mitspieler und Betreuer den gewalttätigen Spieler zur Seite gezerrt und etwas beruhigt hatten, verließ dieser kopfschüttelnd den Platz. Bereits im März dieses Jahres hatte ein anderes B-Klassen-Spiel für unschöne Schlagzeilen gesorgt: Damals war das Duell FC Steinegg gegen FV Neuenbürg nach zwei Platzverweisen und einer Schlägerei abgebrochen worden.

Bereits Anfang des Jahres hatte ein 32 Jahre alter Spieler eines inzwischen aufgelösten Vereins einen 77 Jahre alten Zuschauer durch einen Karatetritt getötet. Gewalt und Aggressionen sind auf niederländischen Fußballplätzen einer Studie zufolge oft Alltag. Der Niederländische Fußballverband KNVB registrierte im vergangenen Jahr 873 Vorfälle - und das sollen nur die schlimmsten Attacken sein. 105 Mannschaften wurden aus den Ligen genommen, 74 Spieler lebenslang gesperrt. Vor allem Schieds- und Linienrichter sind zunehmend Opfer von Gewalt, ergab die Studie des KNVB.