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17.07.2016

Bäuerin Wilma ringt um Gnade für alte Milchkuh Erika

Wegberg (dpa) - Wenn Milchkuh "Erika" auf die Weide läuft, macht sie manchmal kleine Luftsprünge. Vielleicht ist es ja so wie es aussieht und sie freut sich dann wirklich. Ein bisschen eigenwillig ist sie: Immer mal wieder hat "Erika" es geschafft auszubüxen. Sie ist dorfbekannt. Nun droht ihr der Schlachter - ihr und den anderen 44 Milchkühen auf dem Michiels-Hof in Wegberg bei Aachen. Die Bäuerin will das verhindern.

Heinz und Wilma Michiels geben die Milchproduktion auf. Der Metzger ist dann für ältere Milchkühe der übliche Lauf der Dinge, wie der Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb, deutlich macht. Aber dagegen lehnt sich Wilma Michiels auf. Sie will "Erika" und ihre Artgenossinnen vor dem Metzger retten. Wenn sie ihrem Mann und dem Schwiegervater beweist, dass ihr Plan aufgeht, sollen die Tiere bleiben dürfen.

Mit Milchkuh "Erika" als eine Art Frontvieh hat die Bäuerin den Verein "Erika & Friends" gegründet. "Friends", das sind die 44 anderen Kühe - wie "Erika" überwiegend auch schon recht betagt. Die 52-Jährige möchte erreichen, dass die Tiere bis zum Lebensende auf dem Hof versorgt werden können. Sie sucht Mitglieder, Sponsoren, Spender und Paten. Wenn es richtig gut läuft, soll der Verein noch Kühe von anderen Höfen kaufen.

Gnadenbrot für Pferde oder Esel ist ja durchaus bekannt - aber für Kühe? "Kühe sind doch Lebewesen", sagt Wilma Michiels. Sechs Kälber habe die "Erika" dem Betrieb geschenkt, Milch gegeben. Nun sei sie 13 Jahre alt, da könne man doch so ein Tier nicht einfach wegtun. "Das haben die Tiere nicht verdient." Grundsätzlich ist sie sowieso der Meinung, dass man jeden Liter Milch und jedes Stück Fleisch mehr wertschätzen sollte.

Wilma Michiels weiß, dass sie von manchen Bauern in der Umgebung belächelt wird, vielleicht gar für "bekloppt" gehalten. Es soll sogar Wetten geben, ob sie es schafft oder nicht. Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer kennt seine Klientel: Die Beziehung zwischen Bauer und Kuh sei schon etwas Besonderes, sagt er. "Bauern haben ein persönliches Verhältnis zu Kühen." Aber die Kuh sei letztlich ein "Betriebsmittel" und müsse betriebswirtschaftlich bewertet werden.

Dieses Betriebsmittel kostet die Michiels bei den niedrigen Milchpreisen derzeit richtig Geld. Bisher hat ihr Verein "Erika & Friends" 20 Mitglieder. Es gibt auch schon Paten: für den kleinen Bullen "Bärli", für die Kühe "Sara" und "Sally". Und "Erika"? Die ist noch zu haben.