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Vier Bauern aus Nigeria haben den Ölkonzern Shell wegen der Ölpest in ihrem Land vor den Kadi in Den Haag gezerrt.
Vier Bauern aus Nigeria haben den Ölkonzern Shell wegen der Ölpest in ihrem Land vor den Kadi in Den Haag gezerrt. © dpa
11.10.2012

Bauern aus Nigeria verklagen Shell wegen Öl-Katastrophe

Den Haag. Es scheint wie ein Kampf von David gegen Goliath: Vier Bauern aus Nigeria haben den Ölkonzern Shell wegen der Ölpest in ihrem Land vor den Kadi in Den Haag gezerrt. Der bisher einzigartige Prozess könnte weltweit weitere Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.

Vier Bauern aus Nigeria haben den Ölkonzern Shell vor einem Gericht in Den Haag wegen der Ölpest in ihrem Land verklagt und Schadenersatz gefordert. Das britisch-niederländische Unternehmen sei verantwortlich für die Verseuchung von Boden und Grundwasser in dem westafrikanischen Land und müsse für den Schaden aufkommen, erklärte die Anwältin der Bauern, Channa Samkalden, am Donnerstag vor dem Zivilgericht. Shell wies die Vorwürfe zurück und machte Sabotage für die Probleme verantwortlich.

Es ist das erste Mal, das sich ein niederländisches Unternehmen in der Heimat vor Gericht für Umweltvergehen im Ausland verantworten muss. Ein Verurteilung des Konzerns könnte nach Ansicht von Juristen zu weiteren internationalen Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe führen.

Seit 2005 würden Grundwasser und Boden im Nigerdelta durch Öllecks verseucht, erklärte die Anwältin Samkalden. «Shell hat die Leitungen nicht gut gewartet und die Schäden nicht beseitigt.» Millionen Barrels Öl seien ausgeströmt. Bauern und Fischer hätten daher ihre Existenzgrundlage verloren.

«Unser Trinkwasser ist verseucht, unser Fisch ist verseucht, und unsere Luft ist verseucht,» sagte einer der Bauern, Eric Dooh, am Rande des Prozesses. «Ich erwarte Gerechtigkeit.» Die Bauern forderten auch, dass der Ölkonzern die Umweltschäden in ihren drei Dörfern beseitigt.

Die Kläger legten dem Gericht Fotos, Videos und Studien vor. «Shell gibt selbst in einer eigenen Studie zu, dass die Leitungen nicht gut gewartet waren,» sagte der Sprecher der Umweltschutzorganisation Milieudefensie, Geert Ritsema. «Die sind total verrottet.» Die Organisation hatte die Zivilklage gemeinsam mit den Bauern angestrengt.

Der Jurist des Ölkonzerns gab an, dass Schäden nach den ersten Lecks beseitigt wurden. Für weitere Umweltschäden seien lokale Saboteure verantwortlich. Außerdem würden kriminelle Gruppen Löcher in die Rohre schlagen, um Öl zu stehlen. Täglich werden nach Angaben von Shell mindestens 150 000 Barrels gestohlen. Das Unternehmen hatte bisher vergeblich angeführt, dass die niederländische Justiz nicht zuständig sei.

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