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TV-Kolumne PZ-zapp

Die "Tatort"-Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) gehen über den roten "Berlinale"-Teppich, denn die Spur bei ihrem siebten Fall „Meta“ führt ins Filmgeschäft.
Die "Tatort"-Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) gehen über den roten "Berlinale"-Teppich, denn die Spur bei ihrem siebten Fall „Meta“ führt ins Filmgeschäft. © dpa
16.02.2018

Berliner "Tatort"-Experiment von Regisseur aus Königsbach-Stein

Wenn der „Tatort“ an diesem Sonntag im Fernsehen läuft, ist die Berlinale voll im Gange. Passend dazu zog der Rundfunk Berlin-Brandenburg erstmals mit seinen Dreharbeiten auf das Filmfestival. Die Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) gehen über den roten Teppich, denn die Spur bei ihrem siebten Fall führt ins Filmgeschäft. Regie führte der aus Königsbach-Stein stammende Sebastian Marka.

Es gibt einen Film im Film im Film - ein bisschen so, als ob man bei einem Spiegelschrank im Bad die Türen aufklappt und sich das Bild unendlich spiegelt. Der letzte Berliner Fall („Dein Name sei Harbinger“) handelte von einem Psychopathen im Untergrund und war düster. Der Nachfolger „Meta“ spielt mit verschiedenen Ebenen. Ein „Zwiebeltatort“ sei das, sagt Meret Becker. „Das ist immer noch eine Schicht und das nimmt kein Ende.“

Zu Beginn landet ein Päckchen mit einem abgeschnittenen Finger im Präsidium. In einem Miet-Lager finden Rubin und Karow die Leiche einer jungen Prostituierten. Das Paket führt sie schließlich zu einer Filmproduktion und dem Film „Meta“, der auf der Berlinale Premiere feiert. Die Fahnder holen den Regisseur (Isaak Dentler) aus dem Publikum. In seinem Film wird der Mord an einer Prostituierten geschildert, es gibt auch darin Polizisten (Ole Puppe und Fabian Busch).

Steckt der Drehbuchautor Peter Kotheas (Simon Schwarz) hinter dem echten Mord? Und was hat der Geheimdienst damit zutun? „Es ist nur ein Film“, heißt es. Wirklich? Robert Karow schüttet in einer Szene Energy-Drinks in sich hinein und scheint fast durchzudrehen, weil sein Fall und der Kinofilm so verschwimmen.

Ein netter Einfall: Im „Tatort“-Vorspann sind ein Kinosaal und die Silhouetten von Zuschauern zu sehen. Zwischenmenschlich knarrt es weiter zwischen Robert Karow und Nina Rubin: Sie hätte ihn gerne nicht nur als Kollegen, sondern als Kumpel. Er sträubt sich noch. Außerdem muss die Kommissarin verkraften, dass ihr Sohn zum Vater ziehen will. Viel mehr Privatleben ist diesmal nicht beim „Tatort“ - als schauspielerisches Duo haben sich Meret Becker und Mark Waschke warm gespielt.

Eigentlich soll es nicht mehr so viele Experimente in der Krimireihe geben, hatte die ARD im Herbst erklärt. „Meta“ ist eines. Für Drehbuchautor Erol Yeşilkaya und Regisseur Sebastian Marka ist es bereits ihr fünfter „Tatort“, darunter war auch „Das Haus am Ende der Straße“ mit Joachim Król und Armin Rohde. In diesem Film hat Marka dem Schauspieler Joachim Król einen der stärksten Abschiede beschert, die „Tatort“-Kommissare zuletzt erhalten haben.

Die Leidenschaft für den Film hatte Marka schon erwischt, als er noch Schüler am Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach war. Und er war nicht alleine. In der Oberstufe tüftelte er mit Tobias Lindörfer, Marc Teuscher und Andreas Fieser den Gangster-Kurzfilm „Da Capo“ aus. Kurz nach dem Abitur 1998 lief der Streifen im Kommunalen Kino in Pforzheim. Das nächste Werk der vier, „Die Amateure“, wurde dort ein Jahr später gezeigt – und erzählte mit viel Witz vom steinigen Weg ins Filmgeschäft. Die beste Pointe daran: Alle vier haben diesen Weg geschafft. Auf der Liste früherer Filme des Regisseurs aus dem Enzkreis, der heute in Berlin lebt, stehen auch einige Episoden der Serie „Notruf Hafenkante“.

Wird das „Meta“-Experiment auf die Quote gehen? Ob das etwas gewollte Spiel von «Meta» - inklusive Anspielungen auf «Taxi Driver» - bei den Zuschauern gut ankommt, wird sich zeigen. Dabei ist sich Marka bewusst, dass der „Tatort“-Sonntag im deutschen Fernsehen eine Tradition ist. „Fast wie der Pfarrer auf der Kanzel“, sagt Sebastian Marka. Ein Lieblings-Ermittlerteam aus dieser Zeit hat er noch in Erinnerung: Frankfurt, Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf. In deren Fällen sei immer wieder erzählerisch etwas gewagt worden. Und noch früher war es Schimanski. „Schimanski mochte ich“, sagt Sebastian Marka, „bei dem wusste man wirklich nie, was als nächstes kommt.“

Der Wiesbadener «Tatort»-Fahnder Ulrich Tukur hat in der «Bild am Sonntag» die vielen Experimente bei dem Format allgemein moniert. Er sagt aber auch: «Wer den Zuschauern ständig Brei vorsetzt, riskiert, dass sie ihre Zähne verlieren. Man muss auch mal kauen! Sonst verreckt das Format an sich selbst.»

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