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02.02.2008

Bestandspflege für lokale Wirtschaft

Mit 18 von 40 Sitzen ist die CDU im Pforzheimer Gemeinderat das kommunalpolitische Schwergewicht schlechthin. Ohne CDU sind nur schwerlich Entscheidungen zu treffen. Fraktionssprecher Florentin Goldmann erklärt, wie sich Pforzheim in Zukunft entwickeln muss.

Wo liegen die Stärken von Pforzheim?

Florentin Goldmann: Pforzheim liegt am Rande des Schwarzwaldes zwischen der Metropolregion Stuttgart im Osten und der Technologieregion Karlsruhe im Westen in landschaftlich schönster Lage. Verkehrsmäßig über Autobahn und Eisenbahn bestens angeschlossen und in kurzer Entfernung zu den Flughäfen Stuttgartt und Baden Airport.

Als Oberzentrum der Region Nordschwarzwald verfügen wir über ein breites Angebot im schulischen und kulturellen Bereich. Auf wirtschaftlichem Gebiet haben wir neben der Trdaitionsindustrie bedeutende Unternehmen in der Feinwerks-, Stanz- und Medizintechnik.

Wo liegen die Schwächen von Pforzheim?

Florentin Goldmann: Wir Pforzheimer neigen dazu, unsere Stadt schlechtzureden. Auf Grund der völligen Zerstörung am 23. Februar 1945 und dem Neuaufbau der Stadt, der nicht die alten Strukturen wieder aufnahm, fällt uns die Identifizierung mit dem neuzeitlichen Stadtbild schwer. Wir müssen über unsere Heimatstadt positiver denken und sie als etwas Besonderes annehmen.

Eine große Schwäche ist sicher der nicht geglückte Strukturwandel von der hochindustrialisierten Schmuck- und Uhrenindustrie hin zu Feinwerks- und Microtechnik mit dem Ergebnis der höchsten Arbeitslosigkeit nach Mannheim in Baden-Württemberg. Es ist uns auch nicht gelungen, im Bereich von Dienstleistungsgewerken nennenswerte Erfolge bei Neuansiedlungen zu verzeichnen, trotz einer hoch angesehenen Hochschule im Bereich Wirtschaft und Design.

Ein weiterer Schwachpunkt sind die schwierigen verkehrstechnischen Verhältnisse, die immer noch nicht im Bau befindliche Westtangente und der damit verbundene unerträgliche Durchgangsverkehr aus den Schwarzwaldtälern Richtung Autobahn mitten durch die Stadt. Diese Tatsache macht eine innerstädtische Verkehrsberuhigung so schwierig und, damit verbunden, natürlich auch die ganze innerstädtische Entwicklung.

In welche Richtung sollte sich Pforzheim entwickeln?

Florentin Goldmann: Pforzheim muss sich auf seine Stärken besinnen, wie die Betreuung der vorhandenen Unternehmen der Fein- und Mikrotechnik durch die neu gegründete Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft. Bestandspflege ist hier das Stichwort. Die Stadt muss Industrie- und Gewerbeflächen für expansionswillige Unternehmen entwickeln und vorhalten.

Es muss uns gelingen, von den an der Hochschule ausgebildeten Studenten möglichst viele bei uns in Pforzheim zu halten, indem wir Möglichkeiten schaffen, innovative Firmen bei Neugründung zu unterstützen, wie beim Innotec.

Weiterhin müssen wir die Stadtentwicklung voranbringen. Es muss uns gelingen, Menschen, die in den Ballungsgebieten Stuttgart oder Karlsruhe arbeiten, dazu zu bringen, dass sie ihren Wohnsitz bei uns in Pforzheim nehmen, nicht in den Ballungsgebieten und auch nicht in den Speckgürteln um die Städte, sondern innerhalb unserer städtischen Gemarkung. Dafür ist es notwendig, zu investieren, indem wir als kleine Großstadt Einrichtungen für die Daseinsvorsorge sowie Schulen, kulturelle Einrichtungen und eine innerstädtische Aufenthaltsqualität bieten können, die es überflüssig machen, nach Stuttgart oder Karlsruhe zu fahren.