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Wirtschaftsförderer Jens Mohrmann hat für die Region Nordschwarzwald einen Fünf-Punkte-Plan erstellt.
Wirtschaftsförderer Jens Mohrmann hat für die Region Nordschwarzwald einen Fünf-Punkte-Plan erstellt.
14.12.2011

Beste Lage mitten im Zentrum des Landes

VON GERD LACHE

 

Mitten im Herzen von Baden-Württemberg, das ist die Lage der Region Nordschwarzwald. Die grünen Lungen der Tannenwälder auf insgesamt 131.000 Hektar Fläche sind ebenso schnell erreichbar, wie die wirtschaftlich bedeutenden Metropolen außerhalb der Region. „Unsere Wirtschaftsregion Nordschwarzwald bietet Unternehmen ideale Standortvoraussetzung mit guter Anbindung an die Ballungszentren. Investoren und Projektentwickler finden hier beste Bedingungen vor, um Visionen und Projekte zu verwirklichen“, sagt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG), einem Zusammenschluss mehrerer Kommunen und Landkreise und regionaler Institutionen. Entsprechend attraktiv seien auch die hier angesiedelten Firmen aus den Bereichen wie Kunststofftechnik, Medizin- und Dentaltechnik, Oberflächentechnik, Sondermaschinenbau und Stanz- und Präzisionstechnik. Insgesamt sind bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald rund 38.000 Mitgliedsunternehmen eingetragen.

Der Nordschwarzwald setzt sich aus den Landkreisen Calw (rund 160.000 Einwohner), Enzkreis (190.000 Einwohner), Freudenstadt (rund 120.000 Einwohner) und dem Stadtkreis Pforzheim (rund 120.000 Einwohner) zusammen. Damit leben fast 600 000 Menschen in der Region, die sich von Freudenstadt, Horb und Nagold über Calw, Pforzheim und Mühlacker bis nach Sternenfels erstreckt. Die Vermarktungsexperten der Schwarzwald-Tourismus GmbH (STG) mit Sitz in Pforzheim und Hauptsitz in Freiburg ziehen indes die Grenzen etwas weiter. Bei ihnen reicht der Nordschwarzwald sogar bis nach Baden-Baden.

Durch die hohe Fokussierung der Unternehmen auf den Export sind die Menschen im Nordschwarzwald auch draußen in der Welt zuhause. Mobilität ist für sie kein Problem. Im Gegenteil: Man nutzt die vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten einerseits, schätzt die bezahlbaren Gewerbegrundstücks­preise andererseits und profitiert – durch die Infrastruktureinrichtungen begünstigt – von den wirtschaftlichen Ballungszentren, sei es als Arbeitnehmer oder als Zulieferer und Auftraggeber.

Und so sehen die Anbindungen aus: Die Region ist umrahmt durch mehrere Bundesautobahnen. Da ist zum einen die Achse Stuttgart–Pforzheim–Karlsruhe, dann die Strecke Stuttgart–Bodensee–Zürich. Die Nähe zum Dreiländereck Frankreich, Schweiz und Österreich schafft beste Standortvoraussetzungen für Unternehmen: Sechs Anschlüsse zur Autobahn A 8 (Karlsruhe – Stuttgart) und drei Anschlüsse zur A 81 (Heilbronn–Bodensee). Auch zur A 5 (Freiburg–Frankfurt) sind es nur wenige Auto-Minuten. Zum Erreichen der internationalen Flughäfen Stuttgart, Baden-Baden, München, Frankfurt und Straßburg braucht es zwischen einer bis zu zweieinhalb Stunden. Das Schienen- und Busnetz verbindet die Kommunen der Region und bietet zudem Anschluss an den überregionalen Schienenfernverkehr.

Neben der Hochschule Pforzheim und den anderen Bildungsstätten der Region stehen auch Hochschul- und Forschungseinrichtungen in Stuttgart und Karlsruhe sowie in Heidelberg, Tübingen und Freiburg schon seit vielen Jahren in engem Kontakt mit den hier ansässigen Unternehmen – und dies in vielfältiger Weise. Beispiel: Die Firma Acandis, Pforzheimer Medizinspezialist, lässt ihre hochwertigen Produktinnovationen in Laboren der Freiburger Universität prüfen. Umgekehrt sitzt ein Professor aus der Breisgaumetropole im Beirat des Unternehmens.

Oder: Die Traditionsfirma Uniserv entwickelt unter anderem StandardSoftware für Großunternehmen in aller Welt. Mit ihr können Dubletten in der digitalen Kundenkartei von Firmen beseitigt werden – um nur eine der Anwendungen zu nennen. Das Pforzheimer Unternehmen unterstützt Doktoranten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit einem Förderpreis. Die Devise von Uniserv-Chef Roland Pfeiffer: „Wir wollen nur die besten im Unternehmen haben.“ Also nutzt er die kurze Distanz zwischen der Fächerstadt und der Goldstadt, um entsprechende Absolventen von den Karlsruher Hochschulen nach Pforzheim zu holen. Die Beispiele könnten noch lange weitergeführt und insbesondere auf den mittleren und südlichen Teil der Region mit Calw, Horb, Freudenstadt, Nagold und Alpirsbach ausgedehnt werden.

Auch die sogenannten weichen Standortfaktoren der Region geben bei einem Standortcheck locker eine beachtliche Zahl an Pluspunkten für die Bewertung. Zahlreiche Einrichtungen für Kultur, Sport und Tourismus in direkter oder naher Umgebung bieten ausreichend Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung. Die großen Kultur-Häuser in Stuttgart, Karlsruhe oder Baden-Baden sind ebenso bequem zu erreichen, wie verschiedene Ausgangspunkte für sportliche Betätigungen in der Region. Etwa diese: Ein Radwegenetz von annähernd 1600 Kilometer Länge und Weiterführung auf die angrenzenden Radwege. Mit Schwarzwald-Crossing liegt die beste deutsche Mountain-Bike-Strecke im Nordschwarzwald. Wer lieber hart am Wind segelt, kommt in erträglicher Reisezeit bequem zum Wochenend-Törn an den Bodensee. Oder doch in die Luft gehen? Segelflieger finden in der Region passende Reviere, Motor-Piloten haben in Stuttgart und am Baden-Airport Karlsruhe/Baden-Baden geeignete Möglichkeiten. Freunde des Gleitschirm- oder Drachen-Sports finden gleichermaßen geeignete Steilhänge für ihre Starts.

Vielleicht lieber Entspannung im heilenden Nass? Bitteschön: Mineral- oder Thermalbäder in Bad Herrenalb, Bad Liebenzell, Bad Rippoldsau-Schapbach, Bad Teinach-Zavelstein und Bad Wildbad verwöhnen ihre Gäste. Ein Gourmet-Abend gefällig? Auch das ist möglich, sogar in großer Fülle. Nicht nur die 48 Restaurants mit insgesamt sieben Sternen, 20 Hauben, 31 Feinschmeckern, 75 Diamanten, 56 Pfannen und 73 Kochlöffeln verwöhnen den Gaumen. Auch die Traditionsgasthäuser mit ihren regionalen Produkten laden zur Einkehr.

 

Mit Fünf-Punkte-Plan die Wirtschaft fördern

Wirtschaftsförderer Jens Mohrmann ist Mitte 2011 mit einem ehrgeizigen Fünf-Punkte-Plan angetreten. Im Einzelnen sind das folgende Inhalte:

1. Das Marketing für die Wirtschaftsregion muss weiter voran- getrieben werden. Es muss eine Dachmarke Wirtschaftsregion Nordschwarzwald geschaffen werden.

2. Die Unternehmensnetzwerke in der Region sollen weiter ausgebaut, neue aufgebaut werden. Vorbild könnte das „Innonet Kunststoff“ in Horb sein. Um die Zusammenarbeit der Unternehmen und Forschungseinrichtungen so effektiv wie möglich zu gestalten, besitzt das Innonet ein zentrales Netzwerk-Management.

3. Das Halten und Gewinnen von Fachkräften ist ein weiterer Bestandteil der strategischen Ausrichtung. Mohrmann: „Bei unseren Aktivitä-ten möchten wir den Wirtschafts-

standort Nordschwarzwald mit seinen zahlreichen attraktiven Unternehmen in den Vordergrund rücken und die Region als attraktiven Lebensraum bekannt machen.“

4. Das Thema Europäische Union steht laut Mohrmann im Hinblick auf Fördermittel ebenfalls in der Prioritätenliste. Hier wolle die WFG beispielsweise Unternehmen und Kommunen unterstützen, um in Brüssel Gelder für Projekte zu bekommen.

5. Die regionale Vermarktung von Gewerbeimmobilien durch die WFG soll verstärkt werden. Mohrmans Ziel: Die gesamte Bandbreite an medialen Möglichkeiten ausbauen, um auf die Angebote im Nordschwarzwald hinweisen zu können und damit die Kommunen bei der Vermarktung ihrer Flächen zu unterstützen.

Nicht weniger wichtig, so der Geschäftsführer, „ist neben der Unterstützung der Kommunen die Bestandspflege der bereits hier ansässigen Unternehmen“.

Der Tourismus ist ebenfalls ein bedeutender und starker Wirtschaftsfaktor in der Region Nordschwarzwald und wird nicht von der WFG, sondern von der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie den Kommunen und der Schwarzwald Tourismus GmbH abgedeckt.

www.nordschwarzwald.de

Kompetenzbranchen
in der Region Nordschwarzwald

Kunststofftechnik

Die kunststoffverarbeitende Industrie mit ihren vielfältigen Anwendungsgebieten ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Baden-Württemberg. In der Region Nordschwarzwald sind mehr als 500 Unternehmen in diesem Bereich tätig.

Medizin- und Dentaltechnik

Die Kompetenzen für die Medizin- und Dentaltechnik sowie die Spezialisierung in der Präzisionstechnik sind aus der traditionellen Schmuck- und Feinwerkindustrie heraus entstanden. Die Kompetenzen reichen von Endoskopie, Implantologie und Zahntechnik bis hin zur Herstellung von medizinischen Geräten.

Oberflächentechnik

Spezialisierte Unternehmen leisten qualitativ hochwertige Veredelung und Beschichtung von Werkstoffen und bieten ein umfangreiches Beschichtungsangebot bei höchster Technikvielfalt.

Sondermaschinenbau

Bedingt durch den Waldreichtum der Region gibt es hier eine hohe Konzentration und Spezialisierung von Unternehmen im Bereich Forst- und Holzwirtschaft. Insbesondere der Sondermaschinenbau ist im Nordschwarzwald ausgeprägt und hat neben einer Vielzahl kleiner und spezialisierter Unternehmen auch Weltmarktführer hervorgebracht.

Stanz- und Präzisionstechnik

Die Wertschöpfungskette im Bereich der metallverarbeitenden Industrie ist in der Region Nordschwarzwald nahezu vollständig vertreten. Vor- und nachgelagerte Zulieferbereiche mit Segmenten wie beispielsweise Werkzeugbau, Stanztechnik oder Fertigungstechnik-Peripherien geben der Region den Ruf von Branchenkompetenz.