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Zugunglück in Sachsen-Anhalt: Ungebremst aufeinander gestoßen.
28.11.2012

Bewährungsstrafe für Lokführer nach Zugunglück mit zehn Toten

Magdeburg. Es war dunkel und neblig, als in der Magdeburger Börde in Sachsen- Anhalt zwei Züge aufeinanderprallten. Knapp zwei Jahre nach dem schweren Zugunglück von Hordorf in Sachsen-Anhalt mit zehn Toten ist der Lokführer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Bildergalerie: Prozessbilder zum Zugunglück von Hordorf

Bildergalerie: Zugunglück in Sachsen-Anhalt

Die Richter hatten keinen Zweifel daran, dass menschliches Versagen zu dem Unglück vom 29. Januar 2011 geführt hatte. Das Landgericht Magdeburg befand den 41-Jährigen am Mittwoch der fahrlässigen Tötung in 10 Fällen, der fahrlässigen Körperverletzung in 22 Fällen sowie der fahrlässigen Gefährdung des Bahnverkehrs für schuldig.

«Dieser Zusammenstoß hätte von dem Angeklagten bei ständiger Beobachtung der Strecke verhindert werden können», sagte die Vorsitzende Richterin Claudia Methling in ihrer Urteilsbegründung. Der Lokführer hatte mit einem Güterzug auf eingleisiger Strecke zwei Haltesignale überfahren und so den Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Personenzug ausgelöst. Nebel hatte die Sicht laut Zeugenaussagen damals stark behindert.

Das Gericht schloss in der Urteilsbegründung aus, dass sich der Mann in der zweiten der beiden Loks des Güterzugs aufgehalten hatte. Das war nach dem Unfall vermutet worden. Auch gebe es keine Hinweise, dass der Lokführer wegen Telefonaten mit einem Handy abgelenkt gewesen sei. Der Mann sei zudem ausreichend ausgebildet gewesen und habe auch nicht unter Drogeneinfluss gestanden.

Der Verteidiger des Angeklagten, Dietmar Weitzel, hatte in seinem Plädoyer neben menschlichem Versagen auch einen «desaströsen Zustand der Gleisanlagen» für das Unglück verantwortlich gemacht. Die Deutsche Bahn habe es versäumt, die Strecke mit einem automatischen Bremssystem auszustatten, das es auf den meisten deutschen Strecken gibt. Inzwischen existiert ein solches System auch in Hordorf.

Das Gericht folgte mit dem Strafmaß den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die beide eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gefordert hatten. Der Angeklagte hatte vor Gericht nicht auf Fragen geantwortet. Zum Prozessauftakt hatte er nur in einer schriftlichen Erklärung mitgeteilt, er wisse nicht, warum er die Signale damals nicht wahrgenommen habe. Bei den Familien der Opfer und den Verletzten entschuldigte er sich.