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Neymar (M) verlässt die Umkleidekabine der Brasilianer an Krücken, nachdem er sich während des Spiels gegen Katar verlet
Neymar (M) verlässt die Umkleidekabine der Brasilianer an Krücken, nachdem er sich während des Spiels gegen Katar verletzt hat. Foto: Andre Penner/AP
06.06.2019

Bitteres Copa-Aus - Neymars Krise nimmt kein Ende

Brasilia (dpa) - Fußball-Star Neymar muss wegen einer Knöchelverletzung auf seine Teilnahme an der Copa América verzichten.Der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler habe sich im Testspiel gegen Katar einen Bänderriss zugezogen und werde nicht rechtzeitig fit für die Südamerika-Meisterschaft, teilte Brasiliens Fußballverband mit. «Aufgrund der Schwere der Verletzung» werde Neymar nicht an dem Turnier im eigenen Land teilnehmen können, hieß es in der Mitteilung der CBF.

2019 ist bislang überhaupt nicht Neymars Jahr. Geplagt von einer Fußverletzung hatte der teuerste Spieler der Welt im Frühjahr lange aussetzen müssen und verpasste so die entscheidenden Spiele der Champions League. Nach der Rückkehr folgten ein mit einer Sperre geahndeter Ausraster im Pokalfinale, die entzogene Kapitänsbinde im Nationalteam und nun Vergewaltigungsvorwürfe sowie der geplatzte Traum von der Copa América im eigenen Land. Wie bei der WM 2014, als sich Neymar im Viertelfinale gegen Kolumbien schwer verletzte, wird der Fußball-Held des Landes zusehen müssen, wie seine Kollegen ohne ihn um den so sehr ersehnten Titel kämpfen.

Sportlich steht Mitfavorit Brasilien nun vor einer ganz großen Aufgabe. Der Druck vor dem Heimturnier ist - analog zur WM 2014 - ohnehin riesig und muss nun auch noch ohne den Schlüsselspieler bewältigt werden. Als «technisch gesehen unverzichtbar» hatte Trainer Tite vor Tagen noch seinen besten Spieler Neymar bezeichnet. Nun muss die Titelmission ohne ihn gelingen.

Die Copa América beginnt am 14. Juni mit dem Eröffnungsspiel des Gastgebers gegen Bolivien. Das Fehlen Neymars ist ein schwerer Rückschlag für den Rekord-Weltmeister. Nach der enttäuschenden WM in Russland steht die Seleção besonders unter Druck. Vor der Weltmeisterschaft 2018 war Neymar bereits monatelang wegen eines Mittelfußbruchs ausgefallen. Er kehrte erst kurz vor der WM zurück, bei der Brasilien im Viertelfinale gegen Belgien ausschied.

Der Stürmer war beim 2:0 gegen Asienmeister Katar in Brasilia nach 20 Minuten ausgewechselt worden, nachdem er in einem Zweikampf einen Tritt gegen das rechte Bein erhalten hatte. Mit Tränen in den Augen ging Neymar vom Platz, er verließ noch vor Spielende an Krücken das Mane Garrincha Stadion. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP sei er am frühen Donnerstagmorgen in das Mannschaftshotel zurückgekehrt, nachdem ihm der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro einen Besuch abgestattet habe. Dieser verteidigte ihn auch gegen die Vorwürfe. «Er ist in einer schwierigen Phase, aber ich glaube ihm», sagte der wegen frauenfeindlicher und rassistischer Kommentare umstrittene Staatschef.

Das Testspiel war der erste öffentliche Auftritt Neymars seit Bekanntwerden der Vorwürfe, die zuletzt eine junge Brasilianerin gegen Neymar erhob. Die Frau wirft dem Stürmer vor, sie Mitte Mai in einem Hotel in Paris in angetrunkenem Zustand und «mit Anwendung von Gewalt» zum Sex gezwungen zu haben. Neymar räumt den Kontakt zu der Frau ein, weist den Vergewaltigungsvorwurf allerdings zurück.

Auf die Frage, wie beunruhigt die Mannschaft sei angesichts der Probleme Neymars, antwortete Nationaltrainer Tite: «Wir sind nicht unsensibel. Ich hoffe nur, dass die Situation gelöst wird.»

Sein Verein PSG hat sich bislang nicht offiziell geäußert. Das tat dafür Julian Draxler, als er im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft im niederländischen Venlo auf seinen PSG-Kollegen angesprochen wurde. «Ich glaube, dass er im Moment eine schwierige Phase durchmacht», sagte Draxler. Zum Verletzungspech käme dann auch noch die Geschichte mit den Vorwürfen, die sicherlich «nicht spurlos» an Neymar vorbeigingen. «Ich bin mir sehr sicher, dass da rauskommen wird, dass er unschuldig ist. Von unserer Seite als Teamkollegen hat er die volle Unterstützung», ergänzte Draxler: