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Die Sänger Alexander James (AJ) McLean, Howie Dorough, Nick Carter und Brian Littrell treten am Samstag in der Schleyerhalle in Stuttgart auf. Als NKOTBSB haben die ehemaligen Boybands Backstreet Boys und New Kids on the Block am Samstag in Stuttgart ihre Deutschlandtournee gestartet. © dpa
06.05.2012

Boyband-Nostalgie: NKOTBSB auf Deutschland-Tour

Einmal wieder ein Teenager sein. Wenn es am Samstagabend in der Stuttgarter Schleyerhalle ein Motto gab, war es sicher das. Die Boygroup-Idole der New Kids on the Block und der Backstreet Boys starteten ihre gemeinsame Deutschland-Tournee - als NKOTBSB, eine Kombination ihrer Bandnamen-Kürzel. Und 10.000 vor allem weibliche Fans waren gekommen, um ihre Helden von einst zu feiern und vor allem die eigene Jugend wieder aufleben zu lassen.

Bildergalerie: New Kids on the Block und die Backstreet Boys gemeinsam auf Tour

Die Mädchen von früher sind Frauen geworden. Wer früher noch Band-Shirts trug und den Namen seines Lieblings mit wasserfestem Marker im Gesicht, trägt heute Pumps und zur Feier des Tages das kleine Schwarze. Dazu fließen viel Sekt und Prosecco, Lachshäppchen werden gereicht. Als aber um Punkt halb neun die neun Männer der beiden Bands auf einer Plattform einschweben und ihr Konzert mit einem Feuerwerk eröffnen, ist es vorbei mit dem Erwachsen-Sein. Es wird gekreischt wie in den 80ern und 90ern - und tatsächlich fliegt doch das ein oder andere Kuscheltier auf die Bühne.

Sicher grenzt es manchmal an unfreiwillige Komik, wenn inzwischen in die Jahre gekommene Männer um die 40 in Glitzer-Outfits synchron tanzen - etwas weniger synchron und auch ein bisschen langsamer als früher - und die Familienväter, die sie inzwischen fast alle sind, lasziv das Shirt lupfen. Sie geben den Mädels damit aber genau das, was sie erwarten. Begeistert singen Tausende mit bei Hits wie «Step by Step», «Cover Girl» (NKOTB), «Get down» oder «Quit Playing Games» (BSB) - die Backstreet-Boys-Fans scheinen denen der New Kids dabei zumindest zahlenmäßig überlegen.

Die New Kids um Donnie Wahlberg feierten in den 80ern ihre größten Erfolge, die Kollegen von den Backstreet Boys traten dann in den 90ern in ihre Fußstapfen und lösten vor allem in Deutschland eine Welle der Hysterie aus, wie sie der jüngeren Generation nur noch von Tokio-Hotel-Konzerten bekannt sein dürfte.

Mit neuen Songs oder gar einem neuen Image wollen die Bands ihre Fans an diesem Abend nicht belästigen - einmal Boygroup, immer Boygroup. Und beide Seiten scheinen diese Reise in die Vergangenheit sichtlich zu genießen. Das gilt vor allem für vier glückliche Auserwählte, die von den Backstreet Boys Nick, Howie, Brian und A.J. zu «I'll Never Break Your Heart» auf die Bühne geholt werden und sich Luft zufächeln müssen, als ihre großen Jugendlieben schmachtend vor ihnen auf die Knie gehen.

Beide Bands gehen ohnehin gerne auf Tuchfühlung an diesem Abend, wagen sich mit Bodyguards in die Menge, schütteln Hände, verteilen großzügig Kusshände und sehen ihren Fans tief in die Augen. «Für viele in dieser Halle fühlt es sich heute wieder genau so an wie 1989. Und für viele fühlt es sich wieder genau so an wie 1999», sagt der frühere New-Kids-Mädchenschwarm Joey McIntyre, spricht von einer «magischen Zeitreise» und bringt damit auf den Punkt, worum es an diesem Abend geht. Nach zwei Stunden 80er- und 90er-Party ist alles vorbei - und wir schreiben wieder das Jahr 2012. dpa