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«Brigitte»: Nach drei Jahren zurück zu den Mager-Models © PZ
06.09.2012

«Brigitte»: Nach drei Jahren zurück zu den Mager-Models

Hamburg/Berlin. Alle haben sie damals gejubelt, außer Karl Lagerfeld. Als die Macher der Zeitschrift «Brigitte» vor drei Jahren ankündigten, im Heft nur noch normale Frauen zu zeigen, «die mitten im Leben stehen», war ihnen im In- und Ausland viel Lob sicher. Kühle Models und Size-Zero-Maße sollten nicht mehr vorkommen.

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Deutschlands bekannteste Frauenzeitschrift hatte die Stimmung gegen Magermodels geschickt aufgegriffen. Nur Lagerfeld lästerte über den allgemeinen Trend zu mehr Natürlichkeit. «Da sitzen dicke Muttis mit der Chips-Tüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich.» Die Debatte dürfte in nächster Zeit wieder aufflammen. Die «Brigitte» bricht ihr Experiment ab. Fortan finden neben Studentinnen und Lehrerinnen auch wieder Profimodels Platz.

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Waren die Fotoshootings mit den normalen Frauen zu teuer, zu langwierig? Oder war es wirklich ein Wunsch der Leserinnen, wieder richtige Models anzugucken, wie die «Brigitte» beteuert?

Fest steht: Vor wenigen Wochen löste Stephan Schäfer den bisherigen Chefredakteur Andreas Lebert in der Hamburger Redaktion ab. Da musste vermutlich auch eine neue Duftmarke hinterlassen werden. «Nun ist es Zeit, mal wieder Bilanz zu ziehen», heißt es im Editorial zum neuen Heft vom 19. September. Viele der Leserinnen hätten gemeint: «Ich fühle mich manchmal von der Mode abgelenkt, wenn eine ganz normale Frau gezeigt wird. Und, ja, auch unter Druck gesetzt: Wenn die Frau von der Straße auf den Fotos in "Brigitte" schon so schön aussieht, das macht einem ja Minderwertigkeitskomplexe.» Vom kommenden Heft an werde man immer dann mit professionellen Models arbeiten, «wenn wir glauben, dass es für ein Thema oder auch das Titelbild besser passt», hieß es weiter.

Seit Tagen sind in der Medienwelt Gerüchte im Umlauf, dass es so kommt. Manche Branchenkenner mutmaßen, dass zu wenig neue Mode in alltagstauglichen Kleidergrößen wie 42 auf den Markt kommt. Andere Erklärversuche, die kursieren: Hübsche Menschen mit anderen Jobs haben häufig nur am Wochenende Zeit und brauchen länger für den perfekten Look. Die Aufnahmen seien daher zu teuer. Doch all das habe überhaupt keine Rolle gespielt, beteuert eine Gruner + Jahr-Sprecherin und verweist auf das Editorial.

Dass da draußen sehr viele hübsche Frauen ohne Lizenz zum Laufsteg herumlaufen, wusste die Redaktion immer wieder unter Beweis zu stellen. Wer dachte, fortan nur noch pummelige, graue Mäuschen im Heft zu sehen, irrte. Im aktuellen Heft ist zum Beispiel Alexia von Wismar (30) zu sehen, eine Schauspielerin, die «in einer WG in Berlin» lebt. Sie führt in der «Brigitte» ein schickes Kleid vor und hat Lachfältchen. Kein Hungerhaken, sondern eine schöne Frau mit hübschem Gesicht und weiblichen Formen.

Die «Brigitte» verspricht hoch und heilig: «Size-Zero-Figuren werden Sie weiterhin nicht zu sehen bekommen.» Offensichtlich hat sich doch Manches getan in den vergangenen drei Jahren. Die Modezeitschrift «Vogue», die weltweit den Ton angibt, verkündete im Mai, künftig auf Magermodels zu verzichten. Alle internationalen Ausgaben der Modezeitschrift haben sich mit einer «Gesundheitsinitiative» einen Sechs-Punkte-Kodex verordnet, demzufolge sie nicht mit essgestörten Models und Mädchen unter 16 Jahren zusammenarbeiten wollen - zumindest «nicht wissentlich». Derartige Selbstverpflichtungen - die ja auch bei Modeschauen immer wieder aufkommen - blieben bisher allerdings eher Lippenbekenntnisse.

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