nach oben
Der Zorn vieler Inder richtet sich gegen die Vergewaltiger einer jungen Frau, die an ihren Verletzungen gestorben ist. Trotz der Proteste gab es wieder brutale und tödlich endende Vergewaltigungen in Indien. Auch Polizisten sollen unter den Tätern gewesen sein. © dpa
07.01.2013

Brutale Vergewaltigungen in Indien gehen weiter

Vor dem Mordprozess gegen fünf mutmaßliche Peiniger des indischen Vergewaltigungsopfers sollen die Beschuldigten an diesem Donnerstag zur nächsten Anhörung vor Gericht erscheinen. Bis dahin hätten sie Zeit, sich Anwälte zu suchen, sagte Richterin Namrita Aggarwal am Montag in Neu Delhi. Unterdessen melden indische Medien weitere Gewalt gegen Frauen. Demnach wurde in Noida, einem Vorort Neu Delhis, die Leiche einer vermutlich vergewaltigten und ermordeten Frau gefunden.

Bildergalerie: Indien will harte Strafe für Vergewaltiger

Die «Times of India» berichtete, zwei Verdächtige seien festgenommen worden, ein Dritter sei auf der Flucht. Fünf Polizisten seien suspendiert worden, nachdem sich ihre Wache zunächst geweigert habe, eine Anzeige aufzunehmen.

Die Nachrichtenagentur IANS meldete die Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Neu Delhi durch einen Mann und einen Jugendlichen. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh seien ein Lehrer und ein Wachmann unter dem Vorwurf festgenommen worden, vier Schülerinnen vergewaltigt zu haben. Im ostindischen Bundesstaat West-Bengalen sei ein 40-Jähriger festgenommen worden, der verdächtigt werde, vier Mädchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren vergewaltigt zu haben.

Indien erlebt nicht die ersten großen Proteste gegen Vergewaltigung. In den 80er-Jahren haben Polizisten eine damals 16-Jährige in Polizeihaft vergewaltigt. Den Beamten ist nichts passiert, das Mädchen wurde als Lügnerin diffamiert. 2004 kam eine Gruppe von Soldaten zunächst ungeschoren davon, obwohl eine 32-jährige Frau nahe eines Militärstützpunkts vergewaltigt und ermordet haben.

Im Prozess gegen die mörderische Vergewaltigergruppe würden den Angeklagten Pflichtverteidiger gestellt, wenn diese nicht selbst einen Anwalt wählen würden. Danach soll der Fall an ein neues Schnellgericht in Neu Delhi übergeben werden.

Am Montag wurden den Beschuldigten Kopien der Anklageschrift überreicht. Aggarwal hatte die Öffentlichkeit von der Vorführung der Verdächtigen ausgeschlossen. Sie ließ den überfüllten Gerichtssaal räumen, weil sie die Sicherheit der mutmaßlichen Vergewaltiger in der chaotischen Menge gefährdet sah. Im Saal war es zuvor zu tumultartigen Szenen gekommen.

Anwälte stritten untereinander, nachdem zwei von ihnen angeboten hatten, die Beschuldigten zu vertreten. Sie wollten damit einen Boykott der Anwaltskammer in dem Distrikt brechen, die beschlossen hatte, eine Verteidigung der Männer «aus moralischen Gründen» zu verweigern.

Ein konkretes Datum für den Beginn des Mordprozesses vor dem Schnellgericht gibt es noch nicht. Den fünf erwachsenen Beschuldigten droht der Galgen. Beim sechsten Verdächtigen wird mit Hilfe von Knochentests geprüft, ob er - wie von ihm selbst behauptet - minderjährig ist. Das 23-jährige Opfer war am 16. Dezember in einem fahrenden Bus in Neu Delhi vergewaltigt und gefoltert worden. Vor anderthalb Wochen starb die junge Frau an ihren Verletzungen. Ein Begleiter der 23-Jährigen überlebte verletzt. Die Familie der Toten fordert die Hinrichtung aller sechs Beschuldigten.

Leserkommentare (0)