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Der Bürgermeister des Ortes Lederhose, Andreas Weber, posiert neben dem Ortsschild von Lederhose. Wenn sich zum Oktoberfest wieder Tausende in die Lederhose schmeißen, bleibt es im Dorf Lederhose in Thüringen beschaulich.
Der Bürgermeister des Ortes Lederhose, Andreas Weber, posiert neben dem Ortsschild von Lederhose. Wenn sich zum Oktoberfest wieder Tausende in die Lederhose schmeißen, bleibt es im Dorf Lederhose in Thüringen beschaulich. © dpa
20.09.2012

Bürgermeister von Lederhose ist Oktoberfest-Muffel

Wenn sich zum Oktoberfest wieder Tausende in die Lederhose schmeißen, bleibt es im Dorf Lederhose in Thüringen beschaulich. Dort ist Andreas Weber (44) Bürgermeister. Zum Auftakt der Wiesn diesen Samstag spricht er über Bier, Bayern und lustige Autobahnabfahrten.

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PZ-news: Herr Weber, sind sie schon in Oktoberfeststimmung?

Andreas Weber: «Eigentlich sind wir hier davon eher unberührt, auch wenn der Nachbarort öfter mal ein Oktoberfest hat. Der heißt Münchenbernsdorf, das passt ja. Aber dieses Jahr gibt es da kein Oktoberfest, weil es schon ein Stadtfest gab. Die wechseln immer: Einmal Stadtfest, einmal Oktoberfest.»

PZ-news: Und fahren Sie gern zur Wiesn?

Weber: «Naja, man kriegt hier schon mit, dass das Oktoberfest ist, ich war auch schon mal da - man muss es ja mal gesehen haben. Aber es ist nicht so, dass ich jedes Jahr nach München fahre und mich ins Getümmel stürze. Den Anstich schaue ich mir auch nicht im Fernsehen an. Aber wir trinken hier auch gerne Bier, auch bayerisches, Paulaner.»

PZ-news: Haben Sie selbst eine Lederhose?

Weber: «Ja, ich trag die auch, zuletzt zu unserer 725-Jahrfeier oder in Vereinen, unserem Faschingsverein zum Beispiel. Die Hose habe ich im Versand bestellt, ein lange, keine Krachlederne. Ich trag die gern, mir ist sie bequem. Ich habe aber nur eine Hose, nicht so eine Mütze, also so einen Gamsbart meine ich. Das ist ja dann eher Oberbayern.»

PZ-news: Und die Frauen in Lederhose tragen Dirndl?

Weber: «Die Männer hier haben Lederhosen. Aber die Frauen tragen bei uns kein Dirndl.»

PZ-news: Kommen eigentlich viele Touristen zu Ihnen ins Dorf, seit es auf der Autobahn 9 das Abfahrtsschild «Lederhose» gibt?

Weber: «Seit wir das Schild haben, kommen schon mehr Leute. Die fahren dann runter und lassen sich vor dem Ortsschild fotografieren. Manche gucken sich auch den Ort an, oder gehen Mittagessen in unserem Gasthof Lederhose. Auch aus dem Ausland kommen Leute. Japaner habe ich zwar noch nicht gesehen, aber Österreicher.»

PZ-news: Die Autobahnausfahrt ist sicher gute Werbung für Lederhose?

Weber: «Die gibt es seit 2009. Das war ein harter Kampf, dass die Abfahrt Lederhose heißt. Denn wir sind ja nur eine kleiner Ort mit 274 Einwohnern. Es gab viele andere Varianten, aber letztlich hat sich dann auch unsere Landrätin für Lederhose eingesetzt, weil das ja auch eine Marketingname ist. Jeder schmunzelt, wenn er vorbeifährt. Heute war wieder zwölf Kilometer Stau zwischen Lederhose und Triptis - das ist dann gut für uns, wenn das im Radio kommt, aber schlecht für die Autofahrer.»

PZ-news: Woher kommt der Name?

Weber: «Das war hier früher ein sorbisches Dorf, auf alten Karten steht Lidoraz oder Ledoraz. Man geht davon aus, dass das ein sorbischer Fürst war. Und das Symbol für die Gerichtsbarkeit war ein dreibeiniger Hase, umgangssprachlich ist Hase hier "Hos". So kann es sein, dass aus Ledoraz "Leder" wurde und aus dem "Hasen" "Hose" wurde und dann zusammen Lederhose.»

PZ-news: Und wohnen in Lederhose echte Bayern, die Grenze ist ja nur 80 Kilometer weit weg?

Weber: «Nein. Aber ein paar Leute sind aus Lederhose nach Bayern gezogen.»