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Laut Bürgerumfrage 2007 fühlen sich 74 Prozent der Pforzheimer in ihrer Stadt wohl. Am Waisenhausplatz kann man in Ruhe die Sonne genießen.
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Die Arbeit des Gemeinderats wird von den Bürgern mit Interesse beobachtet.
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Im Blickpunkt der Bürger: Pforzheims sanierungsbedürftige Schulen.
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Die Pforzheimer lieben ihre neuen Schmuckwelten.
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Noch fehlt der Hochschule Pforzheim die Verankerung im Bewusstsein der Bürger.
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Herzenswunsch der Bürger: eine saubere Stadt.
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Die Flussufsollen noch attraktiver ins Stadtbild integriert werden.
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Wenig beliebt bei den Bürgern: die Privatisierung städtischer Betriebe.
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10.01.2008

Bürgerumfrage: zufriedene Bruddler

Pforzheim, so sagen es nicht wenige Pforzheimer, ist die Stadt der Bruddler. Und wer bruddelt, ist unzufrieden. Doch die Bürgerumfrage 2007 der Stadtverwaltung hat ergeben: 74 Prozent der Befragten fühlen sich wohl in der Goldstadt.

Das liegt vielleicht auch daran, dass das Bruddeln der Pforzheimer nichts mit dem gewöhnlichen Meckern und Motzen zu tun hat. Zuweilen kann man es sogar fast schon wie eine versteckte Liebeserklärung deuten. Auf jeden Fall scheinen die Bruddler ihre Stadt zu mögen, wie es die Bürgerumfrage dokumentiert. PZ-Redakteur Marek Klimanski hatte sich 2007 damit beschäftigt.

Bürgerumfrage Teil 1:

Interesse am Gemeinderat und am Schulwesen

{ImageR}Die ersten Ergebnisse der Bürgerumfrage 2007 liegen vor. Tendenz: Der Pforzheimer ist ungewöhnlich interessiert an der Arbeit des Gemeinderats. Wichtig findet er die Schulen, das Sozialwesen und die Wirtschaft.

Am 16. Juli 2007 stellte Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (FDP) vor, was die Mitarbeiter der Kommunalen Statistikstelle um Manfred Mischke und Jürgen Maser aus den genau 1767 zurückgesandten Fragebögen herausgelesen haben. Zuallererst dieses: Die Beteiligung ging zurück. Hatten bei den Umfragen 1996 und 1999 noch über 40 Prozent der angeschriebenen Bürger sich die Mühe gemacht und den Fragebogen beantwortet, so waren es jetzt 38 Prozent.

Und das, wo die Entwicklungen in der Stadt durchaus aufs Interesse der Bürger stoßen. Mit der Note 2,6 bewertet der Durchschnittspforzheimer seine Aufmerksamkeit für die Arbeit des Gemeinderats. Ein bundesweit unübertroffener Wert. Vielleicht, so mutmaßt Mischke, bestehe ein Zusammenhang zwischen diesem genauen Hinsehen und der „etwas kritischen Grundeinstellung unserer Bürgerschaft“, auf gut Pforzheimerisch: Bruddeln.

{ImageL}Dabei sind die Pforzheimer gar nicht so nörglerisch. Zumindest nicht mit ihrer Stadtverwaltung. Im Durchschnitt erhält sie die Note 2,6 – das bislang beste Ergebnis, seit es diese Frage an die Bürgerschaft gibt. Allerdings haben die Statistiker von den Bürgern auch wissen wollen, wie die öffentliche Meinung übers Rathaus urteilt. Das Ergebnis ist weniger gut: 2,9 im Schnitt. Es sei, vermuten Mischke wie Augenstein, von generellen Vorbehalten Beamten gegenüber geprägt. Auch einzelne Äußerungen auf den Fragebögen ließen die Vermutung aufkommen, so Mischke, „dass der eine oder andere Kontakt zwischen Bürger und Stadtverwaltung nicht gut gelaufen ist.“

Mit Interesse registrierten Augenstein und die Statistiker die Antworten auf die Frage, wo die Stadt Geld ausgeben sollte. Die Wichtigkeit von Schulen und Berufsschulen stieg von 36 auf 64 Prozent an, die Förderung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen von 49 auf 63 Prozent. An Investitionen in die Integration von Ausländern wollen noch 30 Prozent der Befragten sparen – das waren Ende der 90er-Jahre noch 54 Prozent. „Man ist mit sozialen Themen deutlich sensibler geworden“, so Manfred Mischke.

Bürgerumfrage Teil 2:

Wohlfühleffekt trotz roter Ampeln

{ImageR}In einem zweiten Teil der Bürgerumfrage bescheinigen die Teilnehmer ihrer Stadt eine gute bis zufriedenstellende Lebensqualität. Aber Hochqualifizierte fühlen sich hier weniger wohl als der Durchschnitt. Und die Verkehrsprobleme stören. Gefragt wurde im zweiten Umfrageteil nach dem Sich-Wohlfühlen in Pforzheim, nach den Eigenschaften der Goldstadt, nach den Meinungen zum Pforzheimer Stadtbild, nach der Beurteilung von Lebensbereichen, nach den derzeit größten Problemen in Pforzheim und nach der Situation in den Pforzheimer Stadtteilen.

74 Prozent der Befragten sagen dabei: „Ich fühle mich wohl in Pforzheim“. Die Lebensqualität in der Stadt hat bei den Befragten von der Note 2,81 (im Jahr 1996) bis heute auf 2,64 zugenommen. Allerdings wird die Lebensqualität in anderen Städten im direkten Städtevergleich durchaus höher bewertet.

{ImageL}Stolz sind die Pforzheimer auf Kultur und Veranstaltungen, besonders an erster Stelle auf die Schmuckwelten, das Schmuckmuseum und das Stadttheater. Die Schmuckwelten bringen es bei den 1767 Befragten auf fast doppelt so viele Nennungen wie das Schmuckmuseum und auf mehr als dreimal so viele wie die Hochschule. „Ich bin schon froh, dass sie überhaupt drinsteht“, sagte Oberbürgermeisterin Christel Augenstein. „Die Wahrnehmung der Hochschule in dieser Stadt ist unterentwickelt. Dass Pforzheim noch ein Stück auf dem Weg zur echten Hochschulstadt zurückzulegen hat, zeigt sich auch in einem weiteren Punkt: Die Befragten mit Hochschulabschluss sahen ihre Stadt fast durchgängig kritischer als der Durchschnitt. Hier formulierten die Autoren der Umfrage, Jürgen Maser und Manfred Mischke von der Kommunalen Statistikstelle, ein klares Handlungsfeld für die Kommunalpolitiker: „Pforzheim droht, den qualifizierten Nachwuchs durch Abwanderung zu verlieren.“

Die schöne Lage der Stadt, die Landschaft und die Natur sind ein weiterer Hauptpunkt in Pforzheim. Auch das Image als Gold- und Schmuckstadt ist den Befragten äußerst wichtig. Das Bild, das sich die Pforzheimer von ihrer Stadt machen, hat sich seit der letzten Bürgerumfrage gebessert. Bei den meisten Eigenschaften fällt der Wert im Jahr 2007 positiver als vor acht Jahren aus. Mit großem Abstand werden nach wie vor die Überschaubarkeit und ein fehlender großstädtischer Charakter als herausragendes Merkmal Pforzheims erwähnt. An zweiter Stelle folgt die Traditionsverbundenheit, an dritter die Eigenschaft „Gastlichkeit“.

{ImageL}In einem weiteren Kapitel der Umfrage wurden insgesamt 31 Lebensbereiche beurteilt. Die drei am besten beurteilten Bereiche sind dabei die Abfallbeseitigung, Straßenbeleuchtung und öffentliche Verkehrsmittel. Nach wie vor bemängeln die Pforzheimer die Regelung des Autoverkehrs, Parkmöglichkeiten in der Innenstadt, die Sauberkeit der Stadt und fehlende Kinderbetreuung.

Die Wohnqualität wurde wie bereits in den letzten Bürgerumfragen auf einer fünfstufigen Skala bewertet. Die Durchschnittsnote über alle Stadtteile hinweg hat sich leicht verbessert. Spitzenwerte werden wiederum im Arlinger (1,68), Würm (1,9), Büchenbronn (1,8) und Sonnenberg (1,9) erreicht. Der dritte Teil der Umfrage wird sich mit den „Zukunftsperspektiven der Stadt“ beschäftigen und im Herbst vorliegen.

Bürgerumfrage Teil 3:

Hoffen auf eine attraktivere City

{ImageR}Der Pforzheimer wünscht sich eine attraktive City als Treffpunkt in einer sicheren Stadt. Das ist ein Ergebnis des dritten Teils der Bürgerumfrage 2007 zum Thema „Zukunftsperspektiven der Stadt“. Außerdem soll in Pforzheim die schöne Landschaft bewahrt werden.

„Der Pforzheimer neigt zur Vernunft.“ Das ist das Urteil von Kämmerin Susanne Weishaar über den Durchschnittspforzheimer. Dieser wünscht sich nämlich als erstes, dass in den nächsten Jahren ein großes Angebot an vielfältigen und sicheren Arbeitsplätzen geschaffen wird. Auch seien die Folgen einer mangelhaften Finanzkraft der Kommune bei den Bürgern bekannt.

Oberbürgermeisterin Christel Augenstein sieht die Ergebnisse als Anreize für den Gemeinderat und die Stadtverwaltung. Gleichzeitig fühlte sich die Rathaus-Chefin in einigen Aktivitäten bestärkt: beispielsweise im strikten Konsolidierungskurs der Stadtverwaltung. „Die Pforzheimer sehen, dass sich ihre Stadt noch in der Phase des Strukturwandels befindet“, sagte Augenstein. Der Durchschnittsbürger sieht Pforzheim künftig zwar als ein „attraktives Handelszentrum für die Region“, aber das Oberzentrum soll die Region nicht dominieren, sondern ein bewusst „partnerschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbargemeinden pflegen“.

Im Bereich der Freizeit wünschen sich die Pforzheimer vor allem, dass die Innenstadt als attraktiver Treffpunkt für alle entwickelt wird. Hierfür gab es in einem Notenspektrum von 1 bis 5 die Bewertung 1,99.

Ebenfalls große Zustimmung erhielt das Ziel, die Flüsse als durchgehenden städtischen Erholungsbereich zu gestalten. Dies deckt sich auch mit dem Wunsch, dass „die schöne Landschaft“ bewahrt werden soll und Pforzheim eine „kleine Großstadt“ mit einem „kompakten Stadtbild“ bleiben soll. Oberster Zukunftswunsch der Pforzheimer ist es, künftig in einer sauberen Stadt zu leben. Insgesamt stimmten 90 Prozent der Befragten für diesen Punkt.

{ImageL}Bei den bereits umgesetzten Projekten ist laut den Statistikern das „Lieblingskind“ die Wiedereröffnung des Schmuckmuseums im Reuchlinhaus. Immerhin 91,9 Prozent erfreuten sich daran, wie auch an der Eröffnung der „Schmuckwelten“ im Industriehaus. „In den Antworten steckt auch die Identität der Pforzheimer“, bemerkte der städtische Wirtschaftsförderer Christoph Dickmanns. Nicht positiv gesehen wird von den Pforzheimern allerdings die Umwandlung von städtischen Betrieben in Eigenbetriebe.

Außerdem musste Oberbürgermeisterin Christel Augenstein bemerken, dass die Pforzheimer bei Projekten in der Umsetzungsphase sich nur wenig informiert zeigten. Als vorteilhaft sehen die Pforzheimer die Lage zwischen Karlsruhe und Stuttgart an. Und auch Oberbürgermeisterin Christel Augenstein betonte, dass man die Lage Pforzheims auf der „Achse zwischen Karlsruhe und Stuttgart als Chance“ betrachten müsste.

Bürgerumfrage Teil 4:

Mehr Einsame und weniger Kinder

{ImageR}Viele ältere Menschen sind einsam und kommen schlecht aus dem Haus. Das ist eines der Ergebnisse, die eine Umfrage unter Pforzheimer Bürgern ab 65 Jahren ans Tageslicht gebracht hat.

Fühlt sich die ältere Generation bei uns gut aufgehoben? Eine Frage, die laut Oberbürgermeisterin Christel Augenstein für die künftige Stadtentwicklung sehr wichtig sein werde. Auskunft darüber gibt der vierte Teil der Bürgerinnen- und Bürgerumfrage 2007, der von der Kommunalen Statistikstelle entworfen wurde. Über 500 Menschen zwischen 65 und 80 beziehungsweise ab 80 Jahren aufwärts gaben darin Auskunft über die Themen „Gesundheit und Fitness“, „Wer kümmert sich um ältere Menschen?“ sowie „Nachfrage an Hilfeeinrichtungen“.

In Sachen Fitness fällt auf, dass sich Männer häufiger und sogar uneingeschränkt als rüstig bezeichneten. Zudem möchten sie sich häufiger ehrenamtlich engagieren. „Oft steht hinter jedem Mann eine starke Frau. Aber nicht hinter jeder Frau steht ein Mann“, gab Augenstein zu bedenken. So schätzen sich Frauen körperlich nicht so gut ein, da sie viel mehr Hausarbeiten verrichten müssen. Für altengerecht hält ihre Wohnung über die Hälfte der Befragten. Rund 20 Prozent jedoch halten ihr Zuhause für problematisch. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass viele Senioren in höheren Stockwerken wohnen, die nur über Treppenstufen erreichbar sind. Bis zu neun Prozent leben deshalb in völliger Abgeschiedenheit. „Dieses Ergebnis sollte ein Appell an die Öffentlichkeit sein, mehr auf die Nachbarn zu achten“, sagte die Oberbürgermeisterin. „Es darf nicht sein, dass Menschen in ihren Wohnungen verwahrlosen.“

Zwei Drittel der betagten Frauen haben laut der Umfragestatistik keinen Lebenspartner mehr, und Mehrgenerationenhaushalte sind eine echte Rarität geworden. Als erfreulich ging aus der Umfrage hervor, dass rund 85 Prozent der Älteren Kinder haben, mit denen sie Zeit verbringen können „Aufgrund des demografischen Wandels wird sich diese Situation in den nächsten Jahren noch dramatisch ändern“, merkte Bürgermeister Gert Hager an.

Die Befragung machte deutlich, dass die älteren Menschen so lange wie möglich zu Hause wohnen möchten und Betreutes Wohnen einem Pflegeheim vorziehen.

Besonders positiv fiel bei den Ergebnissen auf, dass sich die älteren Menschen in Sachen Altenhilfe in Pforzheim überdurchschnittlich gut versorgt sehen.

Alle Ergebnisse der Bürgerumfrage 2007

zum Herunterladen:

 Umfrage Teil 1 (0,3 MB)

 Umfrage Teil 2 (0,4 MB)

 Umfrage Teil 3 (0,3 MB)