Justiz und Steuerbehörden beschuldigen acht Privatleute, über eine frühere Tochtergesellschaft der Deutschen Bank Briefk
Justiz und Steuerbehörden beschuldigen acht Privatleute, über eine frühere Tochtergesellschaft der Deutschen Bank Briefkastenfirmen in Steueroasen gegründet und so Geld am deutschen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Foto: Patrick Seeger/Illustration

Bundesweite Steuer-Razzia nach "Panama Papers"-Auswertung - Adressen aus der Region in Datensammlung

Razzia gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher von Sylt bis München: Ermittler haben am Mittwoch Wohn- und Geschäftsräume an bundesweit 15 Orten durchsucht.

Justiz und Steuerbehörden beschuldigen acht Privatleute, über eine frühere Tochtergesellschaft der Deutschen Bank Briefkastenfirmen in Steueroasen gegründet und so Geld am deutschen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Um welche Summe es geht, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt zunächst nicht mit. Auf die Spur der mutmaßlichen Steuerhinterzieher kamen die Fahnder über die vor drei Jahren ans Licht gebrachten «Panama Papers».

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft filzten Strafermittler und Steuerfahnder private Wohnräume der acht Beschuldigten in Bad Tölz, Erkrath, Hamburg, Konz, Simmerath und auf Sylt. Durchsucht wurden auch Geschäftsräume von sechs Vermögensverwaltungsgesellschaften in Hamburg. «Von der Durchsuchung der Geschäftsräume von 14 Banken und Sparkassen in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt am Main, Köln und Trier, sowie von vier Steuerberatern in Aachen, Hamburg, Hürth und München konnte abgesehen werden, nachdem diese die geforderten Beweismittel freiwillig herausgegeben haben», teilte die Staatsanwaltschaft am Abend nach Abschluss der Aktion mit.

An der Aktion waren außer der Frankfurter Staatsanwaltschaft Beamte des Bundeskriminalamts (BKA), des Landeskriminalamtes Hamburg, der Oberfinanzdirektion Frankfurt und mehrerer Finanzämter beteiligt. Insgesamt waren rund 110 Beamte Im Einsatz.

Die Namen der betroffenen Institute nannten die Ermittler nicht. Die Deutsche Bank teilte mit, die Ermittlungen richteten sich nicht gegen Deutschlands größtes Geldhaus, sondern gegen Privatpersonen. «Die Deutsche Bank kooperiert mit der Staatsanwaltschaft und gibt alle angeforderten Unterlagen freiwillig heraus», erklärte ein Sprecher des Dax-Konzerns in Frankfurt: «Eine Durchsuchung der Geschäftsräume der Bank hat deshalb nicht stattgefunden.»

Allerdings standen die aktuellen Durchsuchungen nach Angaben der Ermittler im Zusammenhang mit einer öffentlichkeitswirksamen Razzia bei der Deutschen Bank wegen Geldwäsche-Vorwürfen Ende November: 170 Beamte der Staatsanwaltschaft Frankfurt, des BKA, der Steuerfahndung und der Bundespolizei hatten vor knapp einem halben Jahr unter anderem die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt bis in die Vorstandsetage durchsucht.

Die Fahnder hatten nach damaligen Angaben zwei Mitarbeiter der Bank im Visier. Diese sollen Kunden geholfen haben, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu gründen und so Gelder aus Straftaten zu waschen. Der Verdacht gegen die Mitarbeiter hatte sich nach einer Auswertung der Daten der sogenannten Offshore-Leaks und Panama Papers durch das BKA ergeben. Die Ermittlungen gegen die beiden Deutsche-Bank-Mitarbeiter laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt unabhängig von dem aktuellen Fall weiter.

Die «Panama Papers» waren Journalisten zugespielt und im Frühjahr 2016 von einem internationalen Medien-Netzwerk veröffentlicht worden. Die umfangreichen Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca enthüllten Finanzströme in die mittelamerikanische Steueroase mit ihren Tausenden Briefkastenfirmen. Die Veröffentlichung der Unterlagen brachte weltweit Politiker, Geschäftsleute und Prominente unter Druck und rief Strafverfolger auf den Plan.

Bundesweit rund 150 Steuerstrafverfahren eingeleitet

Das Aufspüren möglicher Steuerhinterzieher gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Die Behörden durchforsten nach Enthüllung der «Panama Papers» derzeit rund 49 Millionen Dateien. Inzwischen sind bundesweit in rund 150 Fällen Steuerstrafverfahren eingeleitet oder laufende Verfahren unterstützt worden. 

Etwa drei Jahre nach den Enthüllungen der «Panama Papers» über Tausende Briefkastenfirmen und Steuertricksereien haben Behörden nach Medienberichten weltweit umgerechnet 1,07 Milliarden Euro an Strafen und Steuer-Nachzahlungen verhängt.

Drei Adressen aus Pforzheim und drei aus dem Enzkeis aufgelistet

Berichte über Hunderttausende Briefkastenfirmen hatten im Mai 2016 die Finanzwelt erschüttert, die Politik aufgeschreckt und Steuerfahnder hellhörig gemacht. Als die Basisdaten der „Panama Papers“ und der „Offshore Leaks“ im Internet abrufbar waren, wurde auch schnell deutlich: In der Datensammlung sind auch drei Adressen aus Pforzheim und drei aus dem Enzkreis aufgelistet. „Der Besitz einer Briefkastenfirma heißt aber noch nicht, dass eine Straftat begangen wurde“, sagt damals Tobias Wagner, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Solche Konstrukte können jedoch dazu dienen, die Herkunft von Geld zu verschleiern. 

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