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Burkhard Thost
Burkhard Thost
Martin Keppler
Martin Keppler
14.12.2011

Burkhard Thost und Martin Keppler: „Eine Innovationsregion mit Entwicklergeist“

Mit dem neuen Magazin „WirtschaftsKraft“ möchten PZ und IHK Nordschwarzwald Einblicke in den Innovationsstandort Nordschwarzwald gewähren.

Was macht für Sie persönlich den Standort aus?

Burkhard Thost: Die Region Nordschwarzwald ist mit ihren vielfältigen Unternehmen unterschiedlicher Branchen von Hightech bis zu traditionsreichen Freizeitangeboten wirklich eine Innovationsregion, getrieben durch die Entwicklungsstärke der Unternehmen, Weltmarktführer mit ihren Spezialgebieten und durch die enge Verzahnung der Hochschulen mit der Wirtschaft. Für mich persönlich bietet die Lage zwischen den Metropolregionen Stuttgart im Automotive-Sektor und Karlsruhe als Technologieregion einzigartiges Potenzial, was heute in vielfältiger Zusammenarbeit der Wirtschaft genutzt und ausgebaut wird. Die mittelständischen Unternehmen prägen die Arbeitswelt mit zukunftsweisenden Produkten der Werkstofftechnologie, Präzisions- und Prozesstechnik, Kreativ- und Gesundheitswirtschaft – dem Pluspunkt für höchste Lebensqualität im Nordschwarzwald.Die stark wachsende Bedeutung von Hochschulen und Wirtschaft rundet für mich das Bild der Region Nordschwarzwald ab – ich fühle mich hier persönlich, beruflich und mit meinem Unternehmen wohl und gut aufgehoben mit sehr guten Verkehrsanbindungen in alle Welt.

„WirtschaftsKraft“ befasst sich bewusst nicht allzu intensiv mit der Geschichte der Region, sondern richtet den Blick in Gegenwart und Zukunft. Werfen Sie für uns doch mal einen Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie die Region langfristig?

Martin Keppler: In den kommenden fünf Jahren werden in der Region entscheidende Weichen gestellt. Der Entwicklungsstand, den wir in zehn bis fünfzehn Jahren haben werden, wird von dieser Weichenstellung geprägt sein. Wenn es uns nicht gelingt, die wichtigen Verkehrs-infrastrukturprojekte, wie etwa die Brücke in Horb oder die Westtangente in Pforzheim und auch die Entwicklung neuer Gewerbeflächen umzusetzen, werden wir gegenüber dem heutigen Stand zurückfallen. Wenn wir in der Region aber alle an einem Strang ziehen und uns die Politik unterstützt, dann werden wir mit unserer Nähe zu den Ballungszentren im Verkehrsdreieck A5, A8, A81, flankiert von den Flughäfen und Messestandorten Karlsruhe und Stuttgart, eine der interessantesten Regionen in Süddeutschland sein, weil hier Lebensqualität, Wirtschafts- und Innovationskraft sowie Zentralität in Europa aufeinandertreffen.

Wenn Sie an Innovationen der jüngeren Vergangenheit aus der Region denken, welche haben es Ihnen besonders angetan und worin steckt für Sie unübersehbar Zukunftsmusik?

Burkhard Thost: Innovationen der Vergangenheit wurden aktuell zu Recht mit 125 Jahren Automobil gefeiert, schließlich endet die erste Autofahrt von Bertha Benz in Pforzheim und zeigt, dass hier innovativer Geist schon lange zu Hause ist. Ganz konkret ist die Entwicklung einer führenden Stanz- und Präzisionstechnik – hervorgegangen aus der früheren Schmuckindustrie – eine Innovation und Weiterentwicklung, die zu einer beeindruckenden Führungsposition auf diesem Sektor der Weltmärkte geführt hat. Hiervon profitieren Elektronik, Automotive und Medizintechnik heute in gleicher Weise.

Ebenso beeindruckend sind die führenden Entwicklungen der Unternehmen in der Energieeffizienz. Anwendungen, die auf der Höhe der Zeit Lösungen für den neuen Umgang mit Energie von morgen bieten.

Auch sind Innovationen der Werk­stofftechnologie mit den besonde­ren Beispielen des Innovationsnetzwerkes Kunststoff und Hybrid-baustoffen ein unübersehbares Zukunftsfeld und in der Region zu Hause. Schließlich führt die hohe Fähigkeit in Oberflächen- und Werkstoffbearbeitung heute zu Innovationen im Leichtbau, die zukünftig bis zur Energieeinsparung in der Luftfahrtindustrie führen.

„WirtschaftsKraft“ befasst sich nicht nur mit Innovationen, sondern wirft unter anderem auch einen Blick auf die Themen Bildung, Tourismus und Tagungen. Warum sind diese Themen mindestens ebenso wichtig für den Nordschwarzwald wie ein hohes Innovationspotenzial?

Martin Keppler: Alle drei genannten Themen sind das „Salz im Standortmix“. Standortqualität wird durch die Menschen, die hier leben, bestimmt. Ihre Motivation, ihr Bildungsstand, ihre Bindung an die Region sind entscheidende Qualitätsfaktoren, die sich auf die Qualität der Produktion in den Unternehmen auswirkt. Auch der Tourismus und das Tagungsangebot bestimmen – übrigens ebenso wie die Gesundheitsinfrastruktur – die Lebensqualität in der Region.

Die Region ist auf Zuzug angewiesen, da insbesondere das produzierende Gewerbe im Nordschwarzwald einen hohen Bedarf an Fachkräften hat. Worauf sollte die Region setzen, um sich entsprechend attraktiv zu präsentieren?

Burkhard Thost: Fachkräfte mit guter gewerblicher Ausbildung aus unserem bewährten dualen System und ebenso mit Hochschulausbildungen sind hier in über 35.000 Unternehmen willkommen und finden zukunftssichere Arbeitsplätze. Es gilt, die Talente der Region nach Ausbildung und Außenerfahrung wieder an ihre Heimat zu binden und Menschen aus anderen Regionen für den Nordschwarzwald zu gewinnen. Neben den besonderen beruflichen Chancen ist die Attraktivität des Lebensraumes mit hohem Freizeitwert ein wichtiges Plus gegenüber vielen Wettbewerbern. Die überdurchschnittlichen Bildungsangebote in Mittel- und Oberzentren und ein breites Kulturangebot ermöglichen auch Familien mit Kindern eine Balance, wie sie kaum eine andere Region bieten kann.

Auch der Blick über den Tellerrand hinaus kann sich lohnen und eine ganze Region gleich nochmal so attraktiv machen. Welches „große Bild“ würden Sie von der Region Nordschwarzwald zeichnen?

Martin Keppler: Wenn Sie die Region „von außen“ betrachten, werden wir zunächst einmal über den „Schwarzwald“ definiert. Dabei ist es in den vergangenen Jahren gelungen, dem Schwarzwald ein deutlich progressiveres und auch innovativeres Image zu verleihen. Das bezieht sich nicht nur auf den Tourismus, sondern auch auf die innovativen Unternehmen, die sich mit Themen wie „Automobil“, „erneuerbare Energien“, Maschinenbau und Design profiliert haben. Künftig werden wir uns im Norden des Schwarzwaldes noch sehr viel stärker über die Metropolregionen mittlerer Oberrhein und Stuttgart definieren müssen, die ja immerhin im Herzen Europas und an den wichtigsten Transversalen liegen. Auch deshalb ist Stuttgart 21 für uns so wichtig.

Sie sind als Unternehmer weltweit unterwegs. Was haben Sie für die Region von Ihren vielen Reisen mitgebracht?

Burkhard Thost: Meine eigene unternehmerische Tätigkeit im internationalen Projektmanagement führt mich in viele Industrie- und Ballungszentren, vornehmlich in Europa, Asien und Mittelost. Immer wieder kann ich die Zuversicht mitbringen, dass die dortigen Entwicklungen auf Lösungen für Infrastruktur, Mobilität, Energie und Gesundheitswirtschaft warten – und wir können mit unseren Produkten und Dienstleistungen hierauf Antworten geben. Das fordert uns heraus, spornt an, bietet Chancen und lässt uns zuversichtlich auf die Potenziale unserer Region blicken. Ebenso verstärkt jede Reise die Überzeugung, dass wir nur mit großer Offenheit Partner in aller Welt finden können. Sprachen, ein gewisses Kulturverständnis und die Bereitschaft, Unternehmensniederlassungen zu gründen oder Geschäftspartnerschaften einzugehen, all das eröffnet uns lebendige Märkte. Denn die Verlässlichkeit am „Made in Germany“ findet hohe Anerkennung. Diese Chance und Verpflichtung als Erfahrung vieler Reisen zu bewahren, ist auch in Zukunft ein Erfolgsrezept.

Sie kommen von Haus aus aus einer Traditionsindustrie, der Holz­industrie. Welche Rolle spielen Traditionen in Ihren Augen für die Entwicklung des Nordschwarzwaldes?

Martin Keppler: Traditionen im Sinne von „Werten“ werden in den kommenden Jahren eine Renaissance erleben. Wir können uns in Deutschland nur über Qualität profilieren. Zuverlässigkeit, Erfindergeist, Präzision, Fleiß, Liefertreue und ähnliche Werte sind hier in der Region verwurzelt. Wenn wir uns darauf besinnen und sie im internationalen Wettbewerbsumfeld entsprechend positionieren, werden sie die Basis für unseren Erfolg in der Zukunft sein.