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Bus kracht bei Schnee in Haus - zwei Menschen sterben © dpa
16.12.2010

Bus kracht bei Schnee in Haus - zwei Menschen sterben

MILTENBERG/WÜRZBURG. Es müssen fürchterliche Sekunden gewesen sein: Hunderte Meter ist ein Linienbus im unterfränkischen Miltenberg unkontrolliert eine abschüssige Straße heruntergerutscht, bevor er in ein Wohnhaus krachte und zwei Menschen in den Tod riss. «Der Busfahrer hätte 200 Meter weiter oben abbiegen müssen, hat das aber schon nicht mehr geschafft», sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Würzburg.

Bildergalerie: Bus kracht in Wohnhaus - Zwei Menschen sterben

Auf der schneeglatten Straße habe der 50- Jährige aus dem nahen Wertheim (Main-Tauber-Kreis) sein tonnenschweres Fahrzeug am späten Mittwochnachmittag nicht mehr unter Kontrolle bringen können. In einer leichten Linkskurve kam der Linienbus von der Straße ab, streifte ein Wohnhaus und donnerte in das danebenstehende Mehrfamilienhaus. Ein 16 Jahre alter Schüler - der einzige Fahrgast - starb noch an der Unfallstelle. Er hatte erst einen Tag vor dem Unglück seinen Geburtstag gefeiert. Der Busfahrer erlag wenige Stunden später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen.

Neun Menschen, darunter acht Bewohner aus den beiden demolierten Häusern und eine Autofahrerin, erlitten einen Schock. Der Sachschaden beträgt mindestens 400000 Euro. Statikern zufolge ist das Wohnhaus nicht einsturzgefährdet. Das über zwei Etagen klaffende Loch in der Wand wurde provisorisch mit Holzplatten verschlossen.

Die betroffenen Familien sollen inFerienwohnungen unterkommen, sagte der Bürgermeister der Kleinstadt, Joachim Bieber. Die anderen Hausbewohner konnten am Donnerstag in ihr Heim zurück. «Die Renovierungsarbeiten können beginnen», ergänzte Bieber, der mit Vertretern von Landratsamt und Bauaufsicht am Unglücksort war.

Auf dem Anwesen sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Der Bus war frontal in eine Terrassentür im Erdgeschoss gerast und etwa acht Meter tief in das Gebäude eingedrungen. «Das hat richtig geknallt», berichtete Erich Schneider, der auf der anderen Straßenseite wohnt. Danach sei es totenstill gewesen.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Busdach abgetrennt und in die Wohnung im zweiten Stock geschoben. Herumgeschleuderter Hausrat verteilte sich im Vorgarten. «Meine Küche ist nicht mehr da», schluchzte die 43-jährige Ute Moll, die am Donnerstag aufgelöst vor ihrer zerstörten Wohnung stand. Sie kam bei ihrer Schwester unter.

Mit einem großenKran bargen Helfer den Bus noch in der Nacht; sie befürchteten weitere Tote unter den Trümmern.Das bestätigte sich allerdings nicht. Vier von fünf Familien, die in dem Haus lebten, wurden in Notunterkünften oder bei Verwandten untergebracht.

Am Donnerstag zündeten Freunde des verunglückten 16-Jährigen Kerzen an der Unfallstelle an. «Die Mutter des Jungen steht noch unter Schock», sagte Bürgermeister Bieber, der ebenfalls sichtlich betroffen war: «Das hat mich alles sehr mitgenommen.»