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Heute schon geknutscht? Der 6. Juli ist der Internationale Tag des Kusses.  © dpa
06.07.2014

Bussi, Bussi oder Zungenspiel - heute sollten Sie mal wieder küssen

In welchem Land ist Küssen verboten? Wo schlendern Paare durch die «Kuss-Gasse»? Wer flötet ein «Bussi» durch das Telefon? Und wo stirbt der Handkuss aus? Im Ausland gibt es beim Lippenkontakt viele unterschiedliche Gepflogenheiten und Kuriositäten. Ein Überblick zum Internationalen Tag des Kusses am 6. Juli, von Burundi bis Brasilien.

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Umfrage

Küssen Sie gern?

Ja 63%
Gelegentlich 17%
Nein 20%
Stimmen gesamt 402

DEUTSCHLAND: Knutschen in der U-Bahn oder im Kino, das dürfen junge Paare und Verliebte nach Herzenslust, wobei das nicht alle Augenzeugen gerne sehen. Bei Begrüßungsbussis ist Deutschland eher zaghaft. Wangenküsse sind zwar üblich, man ist ja südländisch locker. Aber es gibt kaum Etiketten. Wie oft? Wohin genau? Die Folge: Der Küsser bleibt in der Luft hängen, wenn der Empfänger bereits mit der Begrüßung oder dem Abschied abgeschlossen hat. Ausgestorben ist der «Tantenkuss». Dem Befehl «Gib' der Tante mal ein Küsschen!» muss heute wohl kein Kind mehr folgen.

RUSSLAND: Vom ausdauernden Liebeskuss auf der Straße bis zum slawischen oder sozialistischen Bruderkuss, der auch nach dem Tod von DDR-Staatschef Erich Honecker und Kremlchef Leonid Breschnew nicht ausgestorben ist, gibt es die ganze Bandbreite. Unter Freunden beliebt sind zur Begrüßung dreifache Wangenküsse. Viele russische Männer hauchen Frauen auch einen Kuss auf den Handrücken. In besonders ausgelassenen Runden nach Wodkagelagen sind zum Abschied auch Schmatzer auf den Mund üblich.

SPANIEN: Der Wangenkuss zur Begrüßung im Freundes- und Kollegenkreis ist selbstverständlich - selbst wenn man sich zum ersten Mal begegnet. Junge Paare haben keine Hemmungen, gegenseitige Zuneigung zu zeigen. Der Kuss auf der Parkbank galt in den Jahren nach dem Ende der Diktatur Francisco Francos als Symbol einer liberalen und demokratischen Gesellschaft. Unter Franco waren öffentliche Zärtlichkeiten bin in die 70er Jahre hinein tabu.

FRANKREICH: Berühmt als Land der Küsse, es hat sogar dem Zungenkuss als «French Kiss» den Namen gegeben. Zur Begrüßung und zur Verabschiedung gibt es je nach Region oder Stadt zwischen zwei bis vier Wangenküsse. Wie viele es nach den Regeln der Höflichkeit genau in welcher Stadt zu vergeben gilt, ist umstritten. In der Hauptstadt Paris küsst man zweimal, in Montpellier im Süden dreimal und in der Region Turballe im Westen Frankreichs viermal.

POLEN: Beim Wangenkuss gibt es in Polen das Triple. Allerdings selten zwischen Männern, während sich Freundinnen untereinander häufig küssen. Der traditionelle Handkuss, der auch während der kommunistischen Zeit gebräuchlich war, verschwindet dagegen.

TÜRKEI: Nicht umsonst die Brücke zwischen Orient und Okzident. Vor allem in der Mega-Metropole Istanbul stoßen westliche Gepflogenheiten oft auf muslimische Traditionen. Besonders krass zeigt sich das im jährlichen «Marsch des Stolzes» der Schwulenszene, an dem sich am vergangenen Sonntag wieder Zehntausende Menschen beteiligten - und bei dem mitten im Stadtzentrum fleißig zwischen allen Geschlechtern geküsst wurde. Auch in Touristenzentren an der Küste wird oft ein Auge zugedrückt. In konservativen ländlichen Gegenden des mehrheitlich muslimischen Landes ist das Zurschaustellen von Liebesbeweisen dagegen verpönt.

GRIECHENLAND: Trifft man einen Freund oder Kollegen, den man mag, darf unabhängig des Geschlechts geküsst werden. Allerdings auf die Wangen und einmal rechts, einmal links und ohne zu viel Berührung mit den Lippen. Am besten erwischt man nur die Luft. In der Familie wird ständig geküsst - begleitet von endlosem Anfassen und manchmal Wangen-Kneiferei.

RUMÄNIEN: Begrüßungsküsse auf die Wangen sind üblich. Damen und Kirchenmänner bekommen gerne einen Handkuss, sei es aus Respekt, sei es im Fall der Frauen als Zeichen einer beginnenden Anmache, die im Fall einer Ablehnung für den Initiator ohne Gesichtsverlust bleibt, gerade weil der Handkuss mehrdeutig ist. Der an Frauen und Geistliche gerichtete Gruß «Küss die Hand» wird oft als Synonym für «Danke» benutzt. Verbreitet ist die Grußformel auch am Telefon oder im Schriftverkehr als «Ich küsse dich». Es gibt sogar die Abwandlung «Ich küsse Sie» zwischen wildfremden Frauen, was für Ausländer verwirrend ist.

SLOWAKEI: Ältere Herren begrüßen Damen noch häufig mit einer verstümmelten Form des altösterreichischen «Küss die Hand». Ausgesprochen wird dabei nur der Satzanfang «Ich küsse» (Slowakisch: «bozkavam»). Die gedachte Fortsetzung «Ihre Hand» wird ebenso weggelassen wie die Aktion selbst - man spricht nur vom Handkuss.

TSCHECHIEN: Der 1. Mai gilt als Feiertag der Liebenden. Paare küssen sich dann traditionell unter einem blühenden Kirschbaum. Besonders am Prager Denkmal des Romantik-Dichters Karel Hynek Mácha soll das Gesundheit und Fruchtbarkeit bringen. Der böhmische Komponist Bedřich Smetana setzte dem Schmatzer sogar ein musikalisches Denkmal: Der Zweiakter «Der Kuss» wurde 1876 uraufgeführt.

BULGARIEN liegt auch mit seinen Kuss-Traditionen an der Schwelle zum Orient. Während Pärchen im Stadtpark von Sofia ungestört knutschen, können Teenager in den Grenzgebieten zur Türkei davon nur träumen. Der aus Österreich übernommene Handkuss für Damen wird nur in vornehmen Stadtfamilien gepflegt. Der aus kommunistischer Zeit bekannte politische Kuss zwischen Parteifunktionären lebt offensichtlich weiter: Zwei inzwischen wieder zerstrittene Spitzenpolitiker sorgten mit einem Versöhnungskuss während einer Großkundgebung im vergangenen Jahr für Schlagzeilen.

SKANDINAVIEN: Küsschen auf die Wange zur Begrüßung verteilen die Nordeuropäer zögerlich - sie wissen nicht so richtig, wie sie es anstellen sollen. Das Wangenküsschen wird aber zumindest in Schweden gerade üblicher. Die Dänen halten es da eher mit ihrem Philosophen Søren Kierkegaard: «Der Kuss ist eine symbolische Handlung, die nichts zu bedeuten hat, wenn das Gefühl, das sie bezeichnen soll, nicht vorhanden ist.»

NIEDERLANDE: Der gute alte Händedruck stirbt langsam aus. Der Holländer küsst. Bekannte, Freunde und Verwandte begrüßen sich mit einem Dreier auf die Wange. Ein Gräuel ist für viele allerdings das Bussi-Ritual am ersten Arbeitstag im neuen Jahr. In Frauenzeitschriften und im Internet werden Ratschläge, wie man Büro-Grabschern entgehen kann, fast wie goldene Börsentipps gehandelt. Öffentliches Knutschen finden viele Niederländer eher peinlich, mit Ausnahme der Hauptstadt Amsterdam.

BELGIEN: Der hingehauchte Wangenkuss gehört in Belgien zu fast jeder Begrüßung und jedem Abschied. Grundsätzlich gilt: Wo ein Handschlag angebracht ist, kann der «Bise» nicht ganz verkehrt sein - etwa unter Gegnern am Ende eines halbwegs fairen sportlichen Wettkampfs. Auch schon beobachtet: Professionell streng blickendes Sicherheitspersonal in öffentlichen Institutionen gerät zum Schichtwechsel in eine wahre Kussorgie.

ÖSTERREICH: Ist berühmt für den formvollendeten Handkuss. «Ursprünglich wurde er von den Habsburgern aus Spanien nach Österreich gebracht», sagt Benimmexperte Thomas Schäfer-Elmayer. «Dort war er Teil des Hofzeremoniells.» Noch heute ist er gebräuchlich, besonders während der Wiener Ballsaison. Bei der korrekten Ausführung hebt der Herr die Hand der Dame leicht an, beugt sich darüber und berührt den Handrücken vorsichtig mit den Lippen, sagt Schäfer-Elmayer. «Die Berührung sollte trocken sein, nicht so, dass sich die Dame hinterher die Hand abwischen muss.» Bei «Der Kuss» denken Österreicher an das Jugendstil-Gemälde von Gustav Klimt - es ist eines der bedeutendsten Werke der Kunstgeschichte. Reproduktionen hängen tausendfach in den Wohnzimmern.

USA: Der Wangenkuss zur Begrüßung ist Amerikanern ein Graus. Allein die Vorstellung, die Lippen von Freunden, Bekannten oder gar Fremden auf der eigenen Haut zu spüren, löst ein entschlossenes Ausweichmanöver aus. «Awkward» heißt das Wort für alles, was peinlich berührt. Der Liebeskuss dagegen ist nicht nur das Markenzeichen von Hollywood-Filmen, sondern gang und gäbe: Schon bei der ersten Verabredung ist ein dicker Schmatzer erlaubt.

BRASILIEN: Im WM-Land sind die Bräuche unterschiedlich. In Rio de Janeiro werden die Damen zur Begrüßung gleich zweimal (linke Wange, rechte Wange) geküsst. In São Paulo dagegen nur einmal. Zur Verabschiedung am Telefon sagt man gerne «Beijo» oder «Beijinho» (Küsschen), was der Gesprächspartner dann mit «Dois» (also: zwei zurück) verdoppelt. Frischverliebte werden auf Parkbänken, am Strand oder vor dem Haus der Angebeteten leidenschaftlich knutschend angetroffen, was Passanten gerne mit dem wohlwollenden Kommentar begleiten: «Lasst noch was übrig für morgen!»

CHINA: Küssen in der Öffentlichkeit konnte Paaren noch in den 70er und 80er Jahren Probleme mit der Polizei einbringen. Wer erwischt wurde, konnte für «unmoralisches Verhalten» zu Erziehungskursen verdonnert oder sogar zu Haftstrafen verurteilt werden. Erst 1997 schaffte China das entsprechende Gesetz ab. Mit dem rasanten Wirtschaftswachstum ändert sich viel: In Metropolen wie Peking und Shanghai sind küssende Paare heute normal. In der südwestchinesischen Stadt Chengdu veranstalteten schwule Männer im Juni sogar einen Küss-Wettbewerb.

THAILAND: In dem Urlaubsland mit seinen Vollmond-Strandpartys und Lady-Boy-Shows geht alles, meinen Besucher oft. Aber die Gesellschaft ist in Wirklichkeit konservativ. Bei der Begrüßung ist Anfassen tabu, erst recht ein Wangenküsschen. Stattdessen verneigen sich Thailänder mit einem «Wai». Das ist der buddhistische Gruß, mit den Händen vor der Brust, den immer mehr Hollywood-Größen als Geste schätzen. Leidenschaftliches Knutschen vor aller Augen? Das müssen «farangs» - Ausländer - sein oder junge Leute, die so etwas für westlich cool halten.

INDIEN: Im Land des Kamasutra werden öffentlich keine Küsse ausgetauscht. Sogar in der Bollywood-Filmwelt waren sie bis vor wenigen Jahren so ungewöhnlich, dass Schauspieler wegen eines Leinwandkusses wochenlang in den Schlagzeilen blieben. Oft wurden die Liebenden ganz kurz, ehe sich die Lippen berührten, durch einen Schirm verdeckt. Oder die Kamera drehte ab und filmte zwei sich zuneigende Blumen. Wenn sich junge Menschen küssen wollen, fehlt ihnen oft der Platz dazu: Sie leben normalerweise bis zur Heirat bei der Familie. Hotels fordern oft einen Heiratsnachweis. Bleiben nur die Parks für ein Date.

NEUSEELAND: Die Maoris, die Ureinwohner, pressen zur Begrüßung Stirn und Nase zusammen. «Hongi» heißt der Gruß und ist recht intim: Die Idee ist, den Atem auszutauschen, damit sich die Seelen treffen. Tipp für Unbedarfte: Zähneputzen und Mundwasser, «für sympathischen Atem».

ARGENTINIEN: In Buenos Aires und anderen Großstädten zeigt sich niemand gestört von einem leidenschaftlichen Kuss auf einer Parkbank oder in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Zur Begrüßung ist der Wangenkuss die Regel, seit etwa zwanzig Jahren auch unter Männern. Telefongespräche und Mails können auch bei Menschen, die sich nie zu Gesicht bekommen haben, mit «un beso» enden. Im ländlichen Nordwesten Argentiniens ist der Kuss vor Dritten dagegen selten - und auch die Begrüßung bleibt distanziert.

MEXIKO: In der Stadt Guanajuato in Zentralmexiko gibt es die «Kuss-Gasse». Der Legende nach verliebte sich das Mädchen Carmen in den jungen Mann Luis. Carmens Vater war gegen die Beziehung und drohte, Carmen in ein Kloster zu schicken oder in Spanien mit einem reichen Mann zu verheiraten. Luis kaufte ein Haus, das von Carmens Haus nur durch eine schmale Gasse getrennt war. Auf ihren Balkonen traf sich das Paar fortan. Bei einem dieser Treffen kam der Vater in Carmens Zimmer und rammte seiner Tochter einen Dolch in die Brust. Luis küsste Carmen noch die Hand und hielt sie fest, bis seine Geliebte starb. Die Gasse ist heute ein beliebtes Ziel von Touristen.

ÄTHIOPIEN: Anders als in den meisten afrikanischen Ländern küssen sich die Äthiopier zur Begrüßung mindestens dreimal auf die Wangen. Je nachdem, wie innig die Beziehung ist, kann diese Zeremonie auch ausarten in zehn oder mehr Küsschen. Die Beteiligten finden kaum noch ein Ende. Küsse auf den Mund bei Paaren sind in der Öffentlichkeit eher verpönt. Jedoch haben die Äthiopier bei Ausländern kein Problem damit.

Ähnliches gilt für KENIA, GHANA oder UGANDA, wo Zärtlichkeitsbeweise sonst nicht gern gesehen werden. Wangenküsse werden in vielen ehemaligen Kolonien vermieden. Lediglich unter den Reichen und Gebildeten kommt diese Art von Begrüßung vor. So ist es heute auch in BURUNDI, wo bis in die 80er Jahre ein spezielles Ritual herrschte: Die Begrüßung zwischen einem Mann und einer Frau sah drei Küsse vor, einen auf jede Wange und den dritten auf den Mund.

AFGHANISTAN UND PAKISTAN: In den streng islamischen Staaten ist öffentliches Küssen völlig ausgeschlossen. Männer umarmen sich häufig gegenseitig zur Begrüßung und Verabschiedung, Männer und Frauen schütteln sich dagegen meist nicht einmal die Hand, von Küssen ganz zu schweigen. Nicht nur Anfassen, auch Anschauen ist oft tabu. Besonders in Afghanistan tragen viele Frauen eine Burka, also einen Vollschleier.

IRAN: Küssen ist nach islamischen Vorschriften in der Öffentlichkeit verboten. Das gilt für Ehepaare und unverheiratete Paare. Seit der Präsidentschaft von Hassan Ruhani im August 2013 halten Paare wieder Händchen auf den Straßen. Intimeres ist aber immer noch absolut tabu.