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Vernichtender könnte das Urteil für die CIA nicht sein: Ein Senatsbericht über die Verhörmethoden des Geheimdienstes nach den Anschlägen vom 11. September enthüllt ein menschenverachtendes Vorgehen und massive Täuschungsmanöver.
CIA © dpa
10.12.2014

CIA-Verhörmethoden grausamer als gedacht - und unwirksam

Die CIA-Verhörmethoden nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren brutaler als bisher bekannt - und sie waren unwirksam. Das sind die Kernaussagen eines Untersuchungsberichts, den der Geheimdienstausschuss des US-Senats am Dienstag nach langen Kontroversen veröffentlicht hat.

In seiner Gesamtheit ist der Report ein vernichtendes Urteil über die CIA. Demnach wurden manche Gefangene bis zur Bewusstlosigkeit gequält, bis zu 180 Stunden lang wach gehalten und beim Waterboarding beinahe ertränkt. Auch der damalige Präsident George W. Bush wurde über das wahre Ausmaß des Verhörprogrammes getäuscht.

US-Präsident Barack Obama sagte, das Vorgehen der CIA habe dem Ansehen der USA in der Welt geschadet und nicht der nationalen Sicherheit gedient. Er werde als Präsident alles tun, «dass wir nie mehr auf diese Methoden zurückgreifen». Bereits in der Vergangenheit hatte Obama eingeräumt, dass die USA Gefangene gefoltert hätten. Die demokratische Vorsitzende des Ausschusses, Dianne Feinstein, sprach von Folter und einer «Beschmutzung unserer Werte».

Aus Furcht vor Ausschreitungen und Terror-Anschlägen nach der Veröffentlichung hatte die US-Regierung den Schutz vieler Botschaften und Militäreinrichtungen im Ausland verstärkt. Vor allem im Nahen Osten herrschte erhöhte Alarmbereitschaft.

Zahlreiche Republikaner hatten gewarnt, den Report publik zu machen. Namhafte Parteivertreter, darunter der damalige Vizepräsident Dick Cheney, verteidigten die von ihnen als «harsche Verhörmethoden» bezeichneten Praktiken als notwendig für den Schutz des Landes. Der prominente republikanische Senator John McCain distanzierte sich dagegen in einer leidenschaftlichen Rede im Senat von den Methoden und sprach offen von Folter.

Die CIA betonte, das eigene Vorgehen habe sehr wohl Anschlagspläne vereitelt, die Festnahme von Terrorverdächtigen ermöglicht und «Leben gerettet». Der Bericht sei zudem voller Fehler.

Dem Report zufolge wurden in geheimen CIA-Gefängnissen mehr Terrorverdächtige festgehalten als bislang publik wurde. Mindestens 119 seien sogenannten «harschen» Verhörmethoden ausgesetzt und teilweise rund um die Uhr gequält worden. Die CIA habe sowohl die damalige Bush-Regierung als auch den Kongress über das Ausmaß der Methoden und die mangelnde Effektivität im Dunkeln gelassen.

Im einzelnen wird beispielsweise in dem Report geschildert, wie der erste Gefangene im CIA-Gewahrsam, Abu Subaida, schwer misshandelt wurde. Er sei rund um die Uhr Attacken ausgesetzt gewesen, an Wände geschleudert, in eine sargartige Kiste gesteckt und dann dem Waterboarding ausgesetzt worden - dem simulierten Ertränken. Das habe solange gedauert, bis er gehustet und sich übergeben habe und «Krämpfe am Leib und seinen Extremitäten hatte». Schaum sei aus seinem Mund gekommen, und er habe das Bewusstsein verloren.

In anderen Fällen seien Gefangene bis zu eine Woche lang vom Schlafen abgehalten worden, manchmal mit über ihren Köpfen gefesselten Händen. Dabei habe man sie ohne medizinische Notwendigkeit «rektal gefüttert oder dehydriert». In einem CIA-Gefängnis seien Männer in dunklen Räumen isoliert und mit lauter Musik beschallt worden. 2002 sei ein Gefangener an Unterkühlung gestorben, nachdem man ihn über lange Zeit halbnackt auf einem Zementboden festgekettet hatte.