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Francesco Schettino, Kapitän der "Costa Concordia", hat erstmals vor gericht ausgesagt. Geschäftsinteressen und Gefälligkeit - aus diesen Motiven heraus hat er den Kurs des Schiffs geändert, weshalb 32 Menschen sterben mussten. © dpa
02.12.2014

"Costa Concordia"-Kapitän sagt aus: Gefälligkeit kostet 32 Menschenleben

Francesco Schettino war nie um eigenwillige Erklärungen verlegen. Dass die Costa Concordia mit mehr als 4200 Menschen an Bord havarierte: Schuld der Offiziere. Dass er so früh von Bord ging und die Evakuierung im Chaos endete: Schuld war die Neigung des Kreuzfahrtschiffes, durch die er in ein Rettungsboot «gerutscht» sei.

Auch am Dienstag, als er knapp drei Jahre nach der Katastrophe erstmals vor Gericht aussagte, wählte der damalige Costa-Kapitän bemerkenswerte Worte: Dass die Costa in jener kalten Januarnacht so gefährlich nahe an die italienische Insel Giglio fuhr, habe mehrere Gründe gehabt. «Ich wollte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen.» Erstens habe das Manöver, bei dem das Schiff die Insel «grüßt» und die Passagiere Land sehen können, kommerzielle Gründe gehabt. Zweitens habe er einem Schiffskellner, der von Giglio stammt, einen Gefallen tun wollen und drittens habe er einem befreundeten Kapitän von Giglio die Ehre erweisen können. Das Manöver endete für 32 Menschen tödlich, als die Costa einen Felsen rammte und kenterte.

Mit Spannung war der Auftritt des stets sonnengebräunten Kapitäns erwartet worden, der seit Juli 2013 wegen fahrlässiger Tötung vor dem Gericht im toskanischen Grosseto steht. Im grauen Anzug und mit Sonnenbrille fuhr der Süditaliener im Teatro Moderno vor, das extra für den Prozess hergerichtet wurde. Im Saal wollte Schettino allerdings nicht gefilmt werden.

Kein Wunder, ist er doch das Gesicht der Katastrophe, bei der auch zwölf Deutsche starben. Außer ihm steht niemand vor Gericht. Der 54-Jährige sieht sich als alleinigen Sündenbock für das Desaster am 13. Januar 2012, bei dem nicht nur dutzende Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, sondern auch ein riesiger Schaden für die Insel Giglio und das fragile Ökosystem entstand. Das Wrack konnte erst vor wenigen Monaten nach Genua geschleppt werden, wo es verschrottet wird. Die Kosten der Bergung beliefen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro. Wen also verantwortlich machen in dem Mammut-Verfahren? Schettino drohen bei einer Verurteilung mehr als 20 Jahre Haft.

Bei der Live-Übertragung im Fernsehen ist nur Schettinos Stimme zu hören. Die Reederei Costa Crociere habe nichts von dem Manöver gewusst, als Kapitän habe er die Reederei nicht informieren müssen, sagte Schettino. Auch wies er zurück, dass die Costa technische Probleme gehabt habe - obwohl seine Anwälte dies zuvor nahegelegt hatten.

Er räumte ein, dass jemand die Verantwortung von dem indonesischen Rudergänger übernehmen hätte sollen. Er habe das Problem nicht realisiert, weil ihm nicht klar gewesen sei, wie nahe die Costa an der Insel sei, zitierte die Nachrichtenagentur ANSA Schettino. Im Allgemeinen habe ihn das Schweigen an Deck in die Irre geführt.

Eine weitere Frage bezog sich auf die Rolle der Moldauerin Domnica Cemortan, die mit Schettino ein Verhältnis hatte und mit ihm in der Unglücksnacht beim Essen war. Sie sei nicht der Grund für das Manöver vor Giglio gewesen, so Schettino. Alles in allem habe «eine Dummheit» zu der Katastrophe geführt. Man solle nicht glauben, dass ihn das Unglück nicht quäle. Ein Urteil könnte nach italienischen Medienberichten bereits im Januar fallen.