nach oben
Die Autoren Matthias Weik, Götz Werner und Marc Friedrich mit PZ-Redakteur Gerd Lache (von links) bei der Veranstaltung im PZ-Forum. Foto: Meyer
30.06.2017

Das Bekenntnis des dm-Markt-Gründers zum radikalen Systemwechsel

Pforzheim. Schluss mit dem Raubtierkapitalismus – sonst knallt’s: Die Botschaft des Abends ist gleich klar. Götz W. Werner, Marc Friedrich und Matthias Weik ernten im vollbesetzten PZ-Autorenforum viel Beifall für ihre radikalen Thesen, die auch in Buchform vorliegen. Es sind absolute Publikumsmagneten wie das bedingungslose Grundeinkommen oder eine revolutionäre Steuerreform.

Bildergalerie: PZ Forum zum bedingungslosen Grundeinkommen

Zunächst werden Ängste geschürt: „Wer hat das Gefühl, dass etwas falsch läuft in Europa?“, fragt Friedrich, Mitbegründer der Honorarberatung Friedrich&Weik Vermögenssicherung. „Die Digitalisierung kostet massenweise Jobs. Der Euro ist zum Scheitern verurteilt und die Politik hat die Sache längst nicht mehr im Griff – zum Glück sind bald Bundestagswahlen.“

Den wahren Schuldigen für die Misere haben Friedrich und Weik auch schnell gefunden: EZB-Präsident Mario Draghi, der 1,74 Billionen Euro für die unsinnige Rettung der europäischen Gemeinschaftswährung verpulvert hat. „68 Millionen VW-Golf hätte man damit kaufen können“, rechnen die Buchautoren vor. Das Publikum im PZ-Forum klatscht. „Gelddrucken war noch nie eine Lösung“, sagt Friedrich im Blick auf die Währungsgeschichte. Er spricht von der größten Insolvenzverschleppung aller Zeiten. Gleichzeitig werde in Italien eine Flatrate von 100 000 Euro als pauschale Steuerabgeltung für Reiche eingeführt.

„Wir müssen auf der Welle surfen, statt von ihr überrollt zu werden“, fordert Mitautor Weik. Beifall – obwohl nicht allzu viele Surfer im Saal sitzen. Denn wir alle sind Opfer des ruinösen Finanz-Monopoly auf Kosten der Sparer und Steuerzahler, macht Friedrich deutlich und attackiert die Politik. Nur ein radikales Umdenken könne die Katastrophe noch abwenden. „Der Euro ist nicht koscher.“ Man müsse ihn endlich abschaffen und in Deutschland durch eine neue Währung ersetzen.

Warum gerade die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) erforderlich ist, das machte Götz Werner deutlich. Seit Jahren propagiert er das BGE als Ausweg aus dem Dilemma. Immer einen passenden Goethe-Vers auf den Lippen bekennt sich der dm-Markt-Gründer seit Jahren zu diesem Prinzip, das tatsächlich einen gewissen Charme besitzt. 1000 Euro für jeden, lautet die Vorgabe. Gleichzeitig müssten alle Steuern abgeschafft werden – bis auf die Konsumsteuer auf alle gekauften Produkte.

Im besten Fall werden nur die Steuerberater arbeitslos, denn unsere Steuererklärung geben wir künftig beim Einkaufen an der Ladenkasse ab. Auch in der staatlichen Bürokratie fallen Jobs weg, weil die komplizierte Verwaltung und Umverteilung von Steuern als Transferleistungen an Bedürftige wegfällt. Hartz IV, Arbeitslosengeld oder Kindergeld werden ersetzt. Nur zwei Prozent der Erwerbsfähigen würden sich mit den 1000 Euro in die Hängematte legen, glaubt Werner. Die große Mehrheit würde weiter arbeiten – nur eben anders. Die Befreiung vom Arbeitszwang werde ungeahnte Kräfte freisetzen. Ehrenamtliches und soziales Engagement in der Gesellschaft würden wachsen.

Werner sieht in der Zahlung die einzige Möglichkeit für ein Leben in Würde für alle Menschen. Ehrenamtler bekämen endlich eine angemessene Entschädigung. Es sei ein Unding, dass Menschen die ein Auto reparieren, besser bezahlt werden als Kindergärtnerinnen und Altenpfleger. Der Drogeriemarkt-König glaubt nicht, dass der drohende Finanz-Crash das Vermögen der Deutschen komplett vernichten würde. Was sich auf den Finanzmärkten abspiele, erinnert ihn an den Zauberlehrling in Goethes Faust. Offenkundig habe der Teufel seine Finger im Spiel. „Doch jeden Morgen geht die Sonne auf, allerdings sind irgendwann einmal 50 Prozent weniger auf dem Bankkonto.“ Damit wollen sich viele der Zuhörer im PZ-Forum nicht abfinden und die Initiative der drei Autoren aktiv unterstützen.