nach oben
Fahndungsfotos des Tunesiers Anis Amri. Foto: Arne Dedert
Fahndungsfotos des Tunesiers Anis Amri. Foto: Arne Dedert
28.03.2017

Der Fall Amri: Vor und nach dem Weihnachtsmarkt-Attentat

Berlin (dpa) - Der islamistische Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin hat Deutschland erschüttert. Den Tunesier Anis Amri hatten die Behörden bereits zuvor als Gefährder eingestuft. Ein Rückblick:Juli 2015: Amri kommt nach Deutschland. Er hält sich in NRW und Berlin auf. Später wird er trotz Ablehnung seines Asylantrags nicht nach Tunesien abgeschoben, da nötige Papiere von dort fehlen.

19. November: Ein nicht näher identifizierter «Anis» wird erstmals aktenkundig. Er habe «hier» (gemeint ist wohl Deutschland) etwas machen wollen. Das geht aus einer Chronologie der Bundesministerien des Innern und der Justiz vom Februar 2017 hervor.

11. Januar 2016: Jener «Anis» wird per Foto-Abgleich «mit einiger Sicherheit» einer Person mit dem Namen Anis Amri zugeordnet. Ab diesem Zeitpunkt soll der Tunesier laut Ministerien-Chronologie nahezu wöchentlich Thema bei deutschen Behörden gewesen sein.

17. Februar: Die Behörden stufen Amri als Gefährder ein. Er wird observiert und ist unter mindestens 14 Identitäten bekannt.

Juni: Die Videoüberwachung wird eingestellt. Das berichtet der rbb. Zuvor wird Amri mehrmals beim Betreten oder Verlassen der islamistischen Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit gefilmt.

29. Juli: Amri wird nach einem Fahndungshinweis in Friedrichshafen in einem Fernbus in Gewahrsam genommen. Er will in die Schweiz ausreisen und hat zwei gefälschte italienische Identitätskarten dabei. Ein Haftantrag zur Vorbereitung der Abschiebung wird bis zum 1. August befristet. Wegen fehlender Dokumente wird Amri allerdings entlassen.

21. September: Wohl wegen seines Drogenkonsums erlischt das Interesse der Behörden an Amri. Die Telefonüberwachung wird abgeschaltet.

September/Oktober: Der marokkanische Geheimdienst warnt vor Anschlagsplänen Amris.

17. Dezember: Nach Informationen der «Bild am Sonntag» treffen die Pass-Ersatzdokumente für Amri im tunesischen Generalkonsulat in Bonn ein. Sie erreichen vier Tage später die Ausländerbehörde in Köln.

19. Dezember: Nach einem Besuch der Berliner Fussilet-Moschee stiehlt Amri einen Lkw und erschießt den Fahrer. Danach steuert er den Laster in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche. 12 Menschen sterben, mehr als 50 werden verletzt.

21.-23. Dezember: Auf seiner Flucht wird der 24-Jährige an Bahnhöfen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Italien gefilmt.

23. Dezember: Amri wird vor dem Bahnhof von Sesto San Giovanni nahe Mailand bei einer Routine-Ausweiskontrolle von Polizisten erschossen.

14. Januar 2017: Das NRW-Innenministerium teilt mit, dass Amri kein V-Mann des Landesverfassungsschutzes war.

25. Januar: Das Parlamentarische Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) im Bundestag setzt eine interne Ermittlergruppe ein. In NRW geht ein Sonderermittler an die Arbeit, rund einen Monat später stellt er keine wesentlichen Versäumnisse der Behörden fest.

27. Februar: Ein Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag zu einem möglichen Versagen der Sicherheitsbehörden beginnt seine Arbeit.

4. März: Die Autopsie Amris ergibt, dass er regelmäßig Kokain und Haschisch genommen hat - unklar ist, ob auch am Tag des Anschlags.