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Sibylle Thierer
Sibylle Thierer
Kugeltisch
Kugeltisch
15.12.2011

Der Hidden Champion aus dem Schwarzwald mit den Funny Dots

„Wir haben unseren Firmensitz im Schwarzwald – und nicht im Nordschwarzwald“, sagt Sibylle Thierer mit Nachdruck. Die geschäftsführende Gesellschafterin von Häfele, einem international führenden Unternehmen der Beschlagsbranche, hat ihr Arbeitsdomizil zwar in Nagold. Aber auf den nördlichen Teil des „Black Forest“ beschränken will sie ihre unternehmerische Standortbestimmung nicht.

Einerseits deshalb, weil es mit der Tochterfirma Anton Schneider GmbH & Co eine der Häfele-Produktionen im südlichen Kenzingen bei Freiburg gibt. Andererseits aber auch deshalb, weil „draußen in der Welt unseren Kunden der Begriff Schwarzwald einfach geläufiger ist“.

Ausländische Kunden, etwa in den USA, sprechen von der Firma mit den „funny dots“, also den lustigen Punkten. Gemeint ist das „Ä“ im Namen, das in vielen Ländern unbekannt ist.

Und was kommt aus dem Hause Häfele? Möbel- und Baubeschläge, Elektronische Schließtechnik und Montagetechnik. Das sind zum Beispiel: Griffe, Haken, Scharniere, Verbinder, Roll- und Ziehschrankführungen, außerdem Türdrücker-Garnituren, elektronische Schließsysteme, Fenstergriffe und Schiebetürbeschläge. Rund 100000 Produkte seien katalogisiert, sagt Sibylle Thierer. Im Logistikzentrum mit 130000 Lagerplätzen auf dem Nagolder Wolfsberg werden täglich rund 4500 Sendungen in alle Welt verschickt. Mehr als 160000 Fach-Kunden sind gelistet. Hinzu kommen etwa 1700 Lieferanten.

Häfele, 1923 gegründet, ist das, was man neudeutsch als Hidden Champion bezeichnet, also ein äußerst erfolgreiches Unternehmen, das in der Öffentlichkeit aber kaum bekannt ist – anders als jene Nordschwarzwald-Unternehmen mit Standorten im Umfeld von Häfele: Fischer-Technik, Maschinenbauer Homag, Möbelhersteller Rolf Benz oder auch Bosch, Mercedes Benz und Porsche. Einige Unternehmensdaten: 5700 Mitarbeiter weltweit, davon 1200 in Deutschland, 881 Millionen Euro Umsatz in 2010, 49 Vertriebsgesellschaften und Verkaufsbüros auf allen Kontinenten, vier Werke in Deutschland und ein Joint-Venture-Unternehmen in Budapest, 74 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet.

Warum hat sich der Erfolg von Häfele bislang im Verborgenen abgespielt? „Wir beliefern keine Endkunden“, erklärt Sibylle Thierer. Zu den Abnehmern des Unternehmens gehören größtenteils Schreinerei- und verwandte Handwerksbetriebe sowie zu gut einem Drittel die Industrie. Diese verbauten die Qualitätsware in ihren eigenen Produkten. Und da der Kunde die Scharniere oder Schubladenführungen teilweise nicht einmal sehen könne, nutze er zwar die hohe Funktionalität, wisse aber nicht, dass Häfele dahinter stehe.

Dieses Bekanntheits-Defizit will die Firmen-Chefin ausmerzen. Mit der Erlebnisausstellung „Functionality World“ präsentiert das Unternehmen den Einsatz seiner Produkte im Alltagsgebrauch. Dazu wurden in Nagold verschiedene Wohnlandschaf-ten geschaffen. Zum Beispiel diese: Der Lichteffekte-Raum ermöglicht es, die Wirkung von Möbeln, Teppichen und Einrichtungsgegenständen bei unterschiedlicher Beleuchtung zu erfahren. Das Single-Zimmer zeigt, wie man durch den Einsatz von technischen Raffinessen auf kleinstem Raum viele Wohnfunktionen unterbringen kann. Das Familienzimmer präsentiert die „intelligenten Beschläge“ von Häfele im Mobiliar. Nicht zuletzt zeigen verschiedene Küchenräume, was selbst auf kleinen Flächen an Arbeitshilfen geschaffen werden kann.

 

www.haefele.de