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08.04.2008

Der Schlaf ist ein Dieb

Der Schlaf ist ein Dieb. Beim Schietwetter im April entwickeln so manche, die ich kenne, schlechte Laune, Wetterfühligkeit oder gar depressive Verstimmungen. Und einige können nicht recht schlafen. Bei dem Wetter jagt zwar bekanntlich der Bauer seinen Hund nicht raus, aber das Gewissen treibt mich natürlich mit dem mir Anvertrauten selbst bei Dauerregen hinaus.

Schlechtes Wetter gibt es ja eigentlich auch gar nicht, sagen die ewigen Ja-Sager. Es gibt höchstens „die falsche Kleidung.“ Na, gut, wenn wir dann trotz üblicher Vermummung dennoch durchnässt und mit hängenden Zungen endlich wieder im Trockenen sind, k.o. weil wir im Schweinsgalopp dem Regen davonlaufen wollten, trachten wir danach, ein wenig „abzuhängen“.

Für mich heißt das, bei einem heißen Tässchen Tee zu lesen oder zu schreiben. Aber wehe, wenn ich dabei in den Sekundenschlaf verfalle! Dann kann ich meinen nächtlichen Schlaf vergessen. An ein gemütliches Durchschlafen ist dann nicht mehr zu denken.

Wie oft habe ich mir deshalb im April schon die Nacht um die Ohren geschlagen!? Ich versuche natürlich diesen Frust mit „positiv thinking“ anzugehen. So bin ich zum Beispiel in diesen Momenten ja gar nicht allein. Wenn ich um 4 Uhr aus dem Fenster schaue, geht meist pünktlich wie auf Glockenschlag im Haus gegenüber das Licht an. Der nette ältere Herr dort drüben „liest schon mal ´ne Runde“. Die PZ, die gerade von dem „Early Bird“ der Zeitungszusteller in den Kasten geworfen wurde.

Und wenn ich an meine liebe Freundin denke, weiß ich, dass sie mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit gerade mal ein Stündchen bügelt. Und manches Mal habe ich das zweifelhafte Glück, dass ich zufällig mit meinem im Dunkeln durchs Haus schleichenden Mann zusammenpralle. Also der Leidensgenossen gibt es genug.

Dies ist genauso tröstlich wie die Sätze, die ich stets zu hören bekomme: „Macht nichts, das beste Mittel gegen Schlaflosigkeit ist Schlafentzug!“ oder „Ach lass man, der Schlaf ist sowieso bloß ein Dieb, der dir die Hälfte deines Lebens stiehlt!“ Na, wenn es wirklich die Hälfte wäre und ich sooo lange schliefe, müsste ich nach neuesten, kürzlich in diversen Medien verbreiteten wissenschaftlichen Erkenntnissen bereits ganz rappeldürrr sein - von Mai bis März jedenfalls.

Angeblich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, die nachts mindestens sieben bis acht Stunden schlafen, schlanker sind als andere, weil man/frau im Schlaf abnimmt! Er stiehlt also auch Pfunde! (Läuft das nun bald auf einen staatlich verordneten Mindestschlafzwang hinaus?)

Da ich bis auf den Monat April und jeweils bis auf die paar Tage vor Vollmond eigentlich immer mindestens zu rund sieben Stunden Schlaf komme, bin ich wohl wirklich ein wissenschaftliches Wunder. Ebenso wie Napoleon mit umgekehrten Vorzeichen. Er brauchte höchstens vier bis fünf Stunden Nachtschlaf und war nicht gerade eine moppelige Wuchtbrumme. Das Etikett „wissenschaftliches Wunder“ hat mir ohnehin mein Mann bereits verpasst, weil es wissenschaftlich nicht erwiesen ist, dass man/ frau, so wie ich, wegen des rund werdenden Mondes Schlafschwierigkeiten bekommen - und wenn, soll es nichts mit dem Mond zu tun haben.

Alles in allem will ich gar nicht klagen. Ich gehöre glücklicherweise nicht zu den hartnäckigen Fällen von Schlafgestörten unterschiedlichster Genese, die professioneller Hilfe bedürfen. Meine punktuelle Schlaflosigkeit ist ja nur vorübergehender Natur. Außerdem muss ich dabei nicht in Panik geraten, weil ich womöglich am frühen Morgen Hochleistung bringen muss, so wie zur Zeit unsere Abiturienten, denen ich ganz stark die Daumen drücke und denen ich wünsche, sie mögen frisch und ausgeschlafen an ihre Arbeiten herangehen können! Wie sieht es denn bei den PZ-Lesern aus: Seid ihr alle schön ausgeschlafen?