nach oben
Aufgeheizte Stimmung vor den Freitagsgebeten: Die Proteste nach der Schmähung Mohammeds bei Youtube dauern an. Auch an deutschen Botschaften in islamischen Ländern werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
Gewaltsame Proteste vor deutscher Botschaft im Sudan © dpa
14.09.2012

Deutsche Botschaft im Sudan attackiert

Addis Abeba/Khartum. Aus Protest gegen ein islamfeindliches Schmähvideo hat eine wütende Menschenmenge am Freitag die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum angegriffen. Sie versuchte nach Medienberichten, das Gebäude zu stürmen und legte Feuer.

Die Demonstranten rissen die deutsche Flagge herunter und ersetzten sie nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira durch eine schwarze Fahne. Die Polizei setzte Tränengas ein, konnte die Angreifer aber offenbar nur mit Mühe abwehren.

Die Mitarbeiter seien in Sicherheit, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Aus Protest gegen die Übergriffe sei der sudanesische Botschafter einbestellt worden. Man habe ihn «auf die Pflicht seiner Regierung zum Schutz diplomatischer Einrichtungen hingewiesen». Außenminister Guido Westerwelle kündigte eine Erklärung vor der Presse an.

Die sudanesische Regierung hatte den Internet-Film nach einem Bericht der Zeitung «Sudan Tribune» am Donnerstag scharf verurteilt. Islamistische Gruppen hatten daraufhin zu gewaltsamen Protesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen. Sie forderten zudem die Ausweisung des amerikanischen und deutschen Botschafters. Bereits am Mittwoch hatten Hunderte aufgebrachte Moslems vor der US-Botschaft in Khartum protestiert.

Die höchste Behörde der sudanesischen Islamisten, der «Complex of Islamic Jurisprudence» (CIJ) bezeichnete den Film als weitere «himmelschreiende Aggression seitens der Feinde des Islam gegen den Unantastbaren». Das CIJ bezog sich auch auf angebliche beleidigende Mohammed-Cartoons an Wänden von Berliner Moscheen.

Die deutsche Botschaft ist am Freitag normalerweise geschlossen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts hielt sich Botschafter Rolf Welberts zum Zeitpunkt der Angriffe nicht auf dem Gelände auf. Der Diplomat ist erst seit vergangener Woche in Khartum auf Posten. Für Sonntag haben islamistische Gruppen zu neuen Protesten vor der Botschaft aufgerufen.

Leserkommentare (0)