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Eine breite Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist dafür, dass der Reformationstag künftig bundesweit ein Feiertag
Eine breite Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist dafür, dass der Reformationstag künftig bundesweit ein Feiertag ist. Foto: Sebastian Gollnow
28.12.2016

Deutschland wünscht sich eine Feiertags-Reformation

Berlin (dpa) - Von Altkanzler Helmut Kohl ist die Einschätzung überliefert, dass zu viele freie Tage wohl wenig förderlich seien und sich eine erfolgreiche Industrienation «nicht als kollektiver Freizeitpark organisieren» lasse.Das sagte er vor fast einem Vierteljahrhundert. Eine 

Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur legt jetzt aber nahe, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland

zumindest gerne mehr Feiertage hätte. Und dass sie vor allem gerne mehr nationale Kollektivität, also Gemeinschaftlichkeit, dabei hätte.

Denn von Einheitlichkeit ist bei den Feiertagen in der föderalen Bundesrepublik wenig zu spüren. So hat ein Arbeitnehmer in Berlin zum Beispiel nur neun Feiertage im Jahr, während ein Münchner 13 hat. Und in Augsburg mit dem lokalen Friedensfest im August sind es sogar 14 Feiertage, also gut 50 Prozent mehr als etwa in Niedersachsen, Bremen, Hamburg oder Schleswig-Holstein.

Der Umfrage zufolge sprechen sich 61 Prozent der Erwachsenen dafür aus, dass es deutschlandweit in allen Bundesländern gleich viele gesetzliche Feiertage geben sollte - und zwar so viele wie im Land mit den meisten, was dann also 13 wie in Bayern wären.

Welche Feiertage das dann aber wären, ist eine komplizierte Angelegenheit. Könnten sich die Menschen einen bundesweiten Feiertag aus den regional bereits vorhandenen aussuchen, dann wählten 49 Prozent den Reformationstag am 31. Oktober. Er läge damit vor katholischen Feiertagen wie Allerheiligen am 1. November (48 Prozent) oder Fronleichnam 60 Tage nach Ostern (46 Prozent). Den Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar fänden bundesweit 44 Prozent gut.

Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage - nach einzelnen neuen bundesweiten Feiertagen - möglich. Den 9. November als Gedenktag an den Mauerfall fänden demnach zum Beispiel 40 Prozent gut. Politisch würde das aber wohl schwierig, weil der 9. November auch der Tag der Novemberpogrome 1938 war, als die Nazis Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich organisierten.

Explizit gefragt nach dem 31. Oktober, der im kommenden Jahr zum Reformationsjubiläum einmalig ein Feiertag in ganz Deutschland ist, sind fast drei Viertel (72 Prozent) dafür, dass dies auch nach 2017 so bleibt. 17 Prozent sind dagegen, 11 Prozent haben keine Meinung. Normalerweise ist der Reformationstag zur Erinnerung an den Thesenanschlag von Martin Luther 1517 in Wittenberg nur in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen ein Feiertag.

Dass es den Erwachsenen in der Bundesrepublik bei der Feiertagsdiskussion in erster Linie nicht nur ganz simpel und womöglich aus Faulheit um mehr freie Tage geht, deutet ein anderes Umfrage-Ergebnis an: So sind 53 Prozent dagegen, dass auch in Deutschland ein Feiertag, der auf einen Sonntag fällt, am Montag nachgeholt werden sollte. In Ländern wie Großbritannien, Belgien oder Spanien ist das so geregelt. Luxemburg erlaubt Unternehmen sogar, selbstständig einen alternativen freien Tag festzusetzen, sollte einer der zehn gesetzlichen Feiertage auf ein Wochenende fallen.

In Deutschland wären von einer solchen Regelung derzeit lediglich ein paar Feiertage betroffen, die in der ganzen Republik gelten und nicht an einen Wochentag gebunden sind: Es sind der 1. Mai, der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sowie die Weihnachtstage - und gleich zu Beginn des Jahres auch der 1. Januar.

2017 ist es übrigens genau so: Der Neujahrstag fällt auf einen Sonntag und bringt damit Arbeitnehmern wenig. Wenn man so will: kein guter Start ins neue Jahr.

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