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Eine App für die Sicherheit - Foto: dpa
Eine App für die Sicherheit
03.06.2014

Die App "KommGutHeim" soll den Heimweg sicherer machen

Wenn es dunkel wird, kommt die Angst. Viele Studentinnen fühlen sich unsicher, wenn sie abends alleine unterwegs sind. Doch ein kleines Handyprogramm schafft Abhilfe - und auch die Unis lassen sich etwas einfallen.

Auf dem Campus fühlt sich Katharina Wolff relativ sicher. «Natürlich gibt es dunkle Ecken, aber oft sind viele Leute unterwegs», sagt die 23-Jährige, die an der Universität Stuttgart Maschinenbau studiert und im Studentenwohnheim wohnt. Dennoch hat sie mit ihren Freundinnen vereinbart, dass sie sich eine SMS schreiben, wenn sie nachts Zuhause angekommen sind. Häufig bilden die jungen Frauen auch Fahrgemeinschaften, damit keine alleine unterwegs ist. Und manchmal greift Katharina auf dem Heimweg zum Handy und telefoniert, um sich sicherer zu fühlen.

Ähnlich hat das auch Katharina Hochmuth, Studentin an der Universität Regensburg gemacht, bis sie auf die Idee kam, eine entsprechende App zu entwickeln. Mit Hilfe ihrer Kommilitonen Mario Pfaller und Tim Hautkappe entstand schließlich «KommGutHeim», ein Programm, das seit kurzem auch für Android-basierte Telefone verfügbar ist. Mit der App, die bis Mitte Mai 6000 Mal heruntergeladen wurde, können Freunde oder Familie virtuell den Weg nach Hause mitverfolgen und sehen, wenn sich Route oder Geschwindigkeit ändern.

Auch die Hochschulen kümmern sich um die Sicherheit ihrer Studentinnen, und das nicht erst seit dem Tod einer 20-jährigen Austauschstudentin, die im vergangenen Herbst auf dem Heimweg von der Universität Mannheim ermordet wurde. Wie man sich wehrt, können junge Frauen an der Universität Stuttgart in Selbstverteidigungskursen lernen, die vom Hochschulsport angeboten werden.

Vor einigen Jahren wurden in einem Gebäude auch von innen abschließbare Türen in besonders gefährdeten Bereichen installiert. So können sich Frauen dort im Ernstfall einschließen, erklärt Beate Langer, die Leiterin des Gleichstellungsreferats. «Grundsätzlich hat jede Frau, die sich auf dem Campus unsicher fühlt, die Möglichkeit, sich an uns zu wenden», sagt sie. Dann könne geprüft werden, inwieweit von Universitätsseite durch bauliche oder andere Maßnahmen die Situation vor Ort verbessert werden könnte.

Wenn Faiza Tahir nach Hause ins Studentenwohnheim will, nutzt sie meistens den Bus. Der hält quasi vor der Tür. Ist die 23-Jährige in Tübingen zusammen mit Freundinnen unterwegs, machen die jungen Frauen auch mal einen Umweg, um einander sicher nach Hause zu bringen. «Ich fühle mich normalerweise nicht unsicher», sagt die Biologiestudentin. Dass das der Fall ist, ist der Universität Tübingen ein wichtiges Anliegen. «Die Uni ist weiblich - 60 Prozent der Studierenden sind Frauen», erklärt Rüdiger Wulf, Honorarprofessor am Institut für Kriminologie. Mit Kollegen hat er im Auftrag des Rektorats eine Studie zur Sicherheit an Hochschulen, insbesondere an der Uni Tübingen, erstellt. 66,5 Prozent der Frauen fühlen sich demzufolge auf dem Tübinger Unigelände sicher.

Um die objektive und subjektive Sicherheit noch weiter zu verbessern, empfiehlt die Studie unter anderem eine ausreichende Beleuchtung. «Es nutzt nichts, wenn die Bibliothek bis 24 Uhr geöffnet ist, wenn die Studentinnen in der schlecht beleuchteten Tiefgarage Angst haben», bemerkt Wulf. Momentan befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Umsetzung der Maßnahmen.

In Freiburg an der Albert-Ludwigs-Universität gibt es einen eigenen Sicherheitsdienst, der nachts und im Universitätszentrum zusätzlich tagsüber vor Ort ist. Für den Neubau der Universitätsbibliothek, der im Wintersemester 2014/15 fertig sein und täglich 24 Stunden geöffnet haben wird, sind spezielle Benachrichtigungsstellen im Gebäude geplant, über die man im Ernstfall Hilfe rufen kann. Zudem bietet die Uni im Rahmen des Hochschulsports einen Selbstverteidigungskurs an.

Über ein umfangreiches Präventionsangebot verfügt die Universität Konstanz. Dort hat die Arbeitsgruppe Sicherheit Frauenparkplätze in der Nähe der Eingänge eingerichtet. Auf der Homepage finden sich Tipps zur Prävention. Ein Schild im Foyer weist auf einen Treffpunkt hin, an dem sich zu jeder halben und vollen Stunde Studierende treffen können, um den Heimweg nicht allein antreten zu müssen. «Das wird gut angenommen», sagt Pressesprecherin Julia Wandt. Im vergangenen Semester hat die AG Sicherheit eine Plakataktion durchgeführt. «Der Uni ist es wichtig, für das Thema sexuelle Belästigung zu sensibilisieren», sagt Wandt.