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21.04.2008

Die Arrangements: So sollte es sein, so wurde es auch

Eines stand für Jay Alexander von vorne herein fest. Nur Richard Whilds sollte „seine“ Heimatlieder musikalisch arrangieren. Jay Alexander: „Seit der Götterfunken-Produktion, für die Richard die Orchester- und Chorarrangements schrieb, ist mir klar: dieser Mann ist ein musikalisches Genie. Unglaublich, was für eine Sensibilität er für Instrumente und Stimmen hat und dafür, was sie weitertransportieren sollen. Fantastisch, welche Klangfarben, welche musikalischen Feinheiten er zaubert.“

{ImageR}So sollte es sein. So wurde es auch. Richard Whilds, Korrepetitor an der Bayerischen Staatsoper und der Tenor Jay Alexander. Richard war sofort von Jays Idee überzeugt, ausgewählte Volks- und Heimatlieder aufzunehmen, zu denen der Sänger allesamt einen ganz persönlichen Bezug hat. „Schon beim ersten Gespräch über diese CD, ihre Lieder und ihr Anliegen wusste Richard genau, was ich wollte und worauf es mir ankam. Ich war überglücklich, dass er meine Ideen in Musik umsetzen und die Lieder arrangieren würde“, so Jay.

Für beide war es wichtig, den jeweiligen Liedtext und die Komposition als Wegweiser zu sehen. Jay: „Fast alle Stücke sind Strophenlieder, in denen ein Vers musikalisch dem anderen glöeicht. Wir legten großen Wert darauf, in den Arrangements auf die jeweilige Situation und die Stimmung im Lied einzugehen. Will heißen: die Wahl der Instrumente, das Einsetzen ihrer verschiedenen Klangfarben richteten sich danach, ob im Lied eine traurige, düstere oder eine helle, freundliche Atmosphäre herrscht.“

Noch ein Stilelement: Laute, Zither und Akkordeon bilden einen wundervollen Kontrast zum feinen, oft transparenten Orchesterklang. „Richard ging auf meine Wünsche ein und setzte sie um. Ich liebe Hörnerklang. Er ist mir seit Kindheit vertraut, hüllt mich sofort in Geborgenheit ein. ‚Im schönsten Wiesengrunde’ wurde ein Hornstück. Extra für mich.“

Jedes Lied wird durch sein Orchesterarrangement zu einer musikalischen Geschichte. Zum Beispiel die „Königskinder“: zur 1. Strophe erklingt konventioneller Streichquartettklang. In der 2. Strophe symbolisieren Knabenstimmen und Streichinstrumente das Wasser; Holz, Geigensolo und Harfe stehen für die Hoffnung, die auf den drei Kerzen liegt. 3. Strophe: die Kinder übernehmen die Melodie in Moll, das Solocello signalisiert die falsche Nonne. Das Geigensolo als Sinnbild für die Kerzen bleibt stehen, bis die Nonne sie ausbläst. 4. Strophe: Streicher und Fagott stellen den Fischer dar. 5. Strophe: Der Schmerz des Verlustes wird durch den hohen Instrumentenklang deutlich gemacht. Er weist zugleich auf das Himmelreich. Nachspiel: das Orchester bringt den Hörer mit tiefen Streichern (Tremolo) zurück in die Realität.

„Schlafe, mein Prinzchen“ erhielt wunderbare Details wie den Spieluhrcharakter durch Harfe, Ziehharmonika und Celesta. Die Kinderstimmen summen in den Schlaf, Sologeige und Harfe „bewachen“ den Schlaf.

„Der Mond ist aufgegangen“ wurde zu einem sinfonischen Satz aufgebaut. Ein gewisser cinematischer Effekt wird erzeugt. Dabei wird nicht unbedingt eine Geschichte erzählt, vielmehr wird die Stimmung und die Atmosphäre einer Mondnacht im Nebel vermittelt. Der Gesang der Knaben spiegelt Kinderseelen wieder, das Cellosolo führt ein (einsames) Selbstgespräch.

Jay: „Richard hat großartige Ideen und eine Sensibilität für Inhalte und Stimmungen. Ich bin unendlich dankbar, dass er sich diesen Volksliedern angenommen hat. Seine Meinung und letztendlich seine Arrangements sind unglaublich wertvoll für mich. Danke, Richard!“