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09.03.2018

Die Große Königsbach-Koalition

167 Tage Ringen um eine neue Regierung seit der Bundestagswahl: Das ist nicht nur ein Rekord, sondern das ist auch der Nährboden für allerlei Spott, Kritik und Skepsis von Seiten der Öffentlichkeit. Da traf es sich gut, dass die SPD im Enzkreis drei Tage nach dem Mitgliederentscheid zur Delegiertenkonferenz gebeten hatte. Und auch die CDU Enzkreis/Pforzheim hat ihren Kreisparteitag (Bericht folgt) so gelegt, dass das wahrscheinliche neue Regierungsteam noch taufrisch diskutiert werden konnte. Gesprächsbedarf besteht: Den Sorgen mancher Genossen, die neuerliche GroKo könne SPD-Wahlergebnisse weiter schrumpfen lassen, steht der Ärger nicht weniger CDU-Mitglieder gegenüber, im Koalitionsvertrag stecke zu viel SPD.

Also redeten die Genossen, die durch die Mitgliederbefragung ohnehin noch mächtig in Schwung sind, und es redete die CDU. Und als wollten sie gleich jegliche Skepsis zerstreuen, sie könnten nicht wirklich an einem Strang ziehen, redeten beide Parteien in Königsbach. Beide fanden außerdem Veranstaltungsräume in der Steiner Straße. Da lebt sie im Enzkreis doch schon, die Große Koalition. CDU-Kreisvorsitzender Gunther Krichbaum mag noch so sehr beteuern, die Duplizität der Veranstaltungsorte sei nur ein großer Zufall. Der Geist des Ortes wird besonders gerne beschworen, wenn der Deutsche Fußballbund ein Nationalteam für eine WM zusammenschweißen will. Der Geist von Malente war das schon mal. Der Geist von Campo Bahia war es beim letzten WM-Titel. Warum sollten also Parteimitglieder aus dem Enzkreis, die mit mal mehr, mal weniger Überzeugung die GroKo mittragen sollen, nicht auf den Geist von Königsbach setzen. Die SPD traute sich dabei was. Das Gasthaus „Kanne“, in dem sie sich traf, teilt sich ein Dach mit der „Highnoon Bar“. Hätte es bei der Versammlung gekracht, hätte jeder sofort die Verbindung zu Hollywoods Western-Duell aller Western-Duelle gezogen.