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So wie auf diesem Foto die Talhubenflößer aus dem Jahr 2008, transportierten Männer noch vor mehr als Einhundert Jahren tonnenweise Holz die Nagold hinab.
So wie auf diesem Foto die Talhubenflößer aus dem Jahr 2008, transportierten Männer noch vor mehr als Einhundert Jahren tonnenweise Holz die Nagold hinab. © Prokoph
25.08.2017

Die Herren der Nordschwarzwald-Flüsse

Schmuck und Uhren aus Pforzheim entzücken Gemüter weltweit. Doch es gibt ein Produkt aus dem Nordschwarzwald, das schon lange vorher fast überall auf dem Erdball zu finden und über Jahrhunderte heiß begehrt war: Holz. Der Rohstoff aus unserer Region sicherte den Niederlanden ihren Platz unter den Handelsgroßmächten. Mit auf der Odyssee der schwimmenden Inseln auf Nagold, Enz, Neckar und Rhein waren die Flößer. „Heimatstark“ ist auf den Spuren des ausgestorbenen Gewerbes.

In den engen Flusstälern des Nordschwarzwalds sind seit jeher freie Flächen rar, die Böden weniger ergiebig, dafür gibt es jede Menge Wald. Vor Jahrhunderten machten sich die Menschen an Enz und Nagold dies zunutze und lebten von der Holzwirtschaft. Der Zweig mit dem nachwachsenden Rohstoff mauserte sich über die Zeit dort sogar zur Hauptverdienstquelle. Vor allem die dort schlummernden Baumriesen, die vor etwas mehr als 300 Jahren Begehrlichkeiten in den damals boomenden Niederlanden weckten, sorgten für einen regelrechten Aufschwung.

Die Seefahrernation lechzte im ausgehenden 17. Jahrhundert nach den sogenannten Holländern. „Die Tannen waren begehrtes Material für Schiffsmasten, da sie nicht harzten und dadurch stabil waren“, so Ernst Burkhard aus Unterreichenbach. Dessen Vorfahren waren unter anderem im Flößergeschäft tätig. Sohn Martin ist heute Vorsitzender der Talhubenflößer, einer Gruppe aus Unterreichenbach, die sich der langen Flößertradition der Gemeinde verschrieben hat. „Die Holländertannen waren am Stumpf einen Meter breit und bis zu 40 Meter lang“, weiß Martin Burkhard. Ein weiterer Vorteil der tonnenschweren Ungetümer: „Da sie dicht standen und nur Licht von oben abbekommen haben, hatten sie keine Äste.“

Langhölzer aus unserer Region waren flussabwärts aber nicht nur im Schiffsbau begehrt. Amsterdam wurde teils auf Tannen aus dem Schwarzwald errichtet. Und lange Zeit war Holz auch für die Menschen hierzulande das Brennmaterial Nummer eins. Das Reichenbachtal – von Schömberg über Kapfenhardt bis Unterreichenbach – war bekannt für die Scheiterholzflößerei. Mitte des 16. Jahrhunderts verkaufte Württemberg aus den dortigen Wäldern große Mengen Brennholz an Baden-Durlach: der älteste Scheitholzvertrag in Süddeutschland.

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