nach oben
Hans-Ebert Koch
Hans-Ebert Koch
Philipp Reisert
Philipp Reisert
Richard Eberhardt
Richard Eberhardt
14.12.2011

Die Präsidenten-Wiege steht im Nordschwarzwald

VON GERD LACHE

 

Ob Handel, Tourismuswirtschaft oder Industrie – es scheint, als wäre die Region Nordschwarzwald der ideale Nährboden für Präsidenten bedeutender Verbände. Einige Beispiele: Horst Lenk, Inhaber eines Pforzheimer Textilhauses, ist Präsident des Handelsverbandes Baden-Württemberg (Stuttgart) sowie Vizepräsident der Dachorganisation HDE, Handelsverband Deutschland (Berlin). Immerhin ist der Handel in Baden-Württemberg mit 37500 Unternehmen der drittgrößte Wirtschaftszweig. Etwa 490000 Mitarbeiter werden beschäftigt, davon 18000 Auszubildende. Der Handel des Landes erwirtschaftet rund 90 Milliarden Euro pro Jahr.

Als Spitzenorganisation ist der HDE nach eigenen Angaben „das legitimierte Sprachrohr der Branche gegenüber der Politik auf Bundes- und EU-Ebene“ sowie gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen, den Medien und der Öffentlichkeit. Lenk hebt hervor: „In allen Bereichen der Wirtschaftspolitik, der Steuerpolitik, der Gesetzgebung und der Qualitätssicherung ist unser Verband für seine Mitglieder tätig. Die Themen Verbraucher- und Umweltschutz genießen dabei einen besonderen Stellenwert.“

Oder Dr. Hans-Eberhard Koch: Der Chef der Pforzheimer Witzenmann-Gruppe und Verdienstkreuz-Träger ist Präsident des LVI, des Landesverbandes der Baden-Württembergischen Industrie (Ostfildern). Der LVI gehört dem mächtigen BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie, Berlin) an. Die Firma Witzenmann mit ihren weltweit 3000 Beschäftigten ist Erfinder des beweglichen Metallschlauchs und gilt als Technolo-gieführer sowie Europas Nummer eins im Bereich beweglicher und druckdichter Rohrleitungen aller Art.

Das Hauptanliegen des LVI besteht darin, „die Attraktivität des Wirtschaftstandortes Baden-Württemberg ständig zu verbessern. Grundvoraussetzung hierfür sind politische, steuerliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen, die es der Industrie erlauben, erfolgreich und nachhaltig zu wirtschaften“, heißt es in der Selbstdarstellung. Und weiter: „Eine funktionierende Wirtschaft und Industrie stellt einen Grundpfeiler unseres Wohlstands dar. Der LVI steht für wirtschaftspolitische Konzepte, die diesen Pfeiler stützen, so zum Beispiel den Föderalismus, die soziale Marktwirtschaft und den freien Wettbewerb.“ Als Spitzenverband der Industrie will der LVI „die Wirtschaftspolitik des Landes aktiv mitgestalten“.

Außerdem Richard Eberhardt: Der Reise- sowie Busreise-Unternehmer aus Engelsbrand/Landkreis Enzkreis ist bei Politikern in Europa ein geschätzter Gesprächspartner. Eberhardt war Präsident des Busverbandes RDA (Köln), dem Mitglieder aus 40 Ländern angehören. Im April 2011 führte der Enzkreis-Unternehemer den RDA mit dem Verband gbk – Gütegemeinschaft Buskomfort (Böblingen) – zu einer schlagkräftigen Einheit zusammen.

Die neue Plattform heißt „Internationaler Bustourismus Verband“. Präsident ist Richard Eberhardt. Das Ziel des neuen Konstrukts: „Die Ressourcen bündeln, Synergien nutzen und die Lobbyarbeit für den Bus in Berlin und Brüssel effektiver gestalten“, erklärt Eberhardt. Indes bleiben die bisherigen Verbände RDA (Köln) und gbk (Böblingen) erhalten. Die ihnen übergeordnete Plattform „Internationaler Bustourismus Verband“ repräsentiert rund 3000 Mitglieder der Branche. RDA war bisher stark in der politischen Lobbyarbeit engagiert und unterhält ein Lobby-Büro in Brüssel. gbk ist spezialisiert auf die Klassifizierung von Bussen und Fahrerausbildung sowie die Nachwuchsförderung. Die deutsche Busbranche hat 2010 einen Umsatz von 10,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Für 5,6 Millionen Urlauber war der Bus das Hauptverkehrsmittel, 19,4 Millionen Touristen unternahmen eine Urlaubsreise mit begleitender Busnutzung.

Nicht zuletzt Dr. Philipp Reisert: Er ist geschäftsführender Gesellschafter von C. Hafner in Pforzheim, eine der führenden Gold- und Silberscheideanstalten in Europa, die im Dentalbereich ebenfalls aktiv ist. Reisert steht als Präsident an der Spitze des Bundesverbandes Schmuck + Uhren. Mehr noch: Die deutsche Uhren- und Schmuck-Branche hat in den vergangenen Jahren einige ihrer bedeutenden Verbände im Pforzheimer Industriehaus konzentriert. Die rund 200 Mitglieder des BV Schmuck+Uhren sind überwiegend kleine und mittelständische Betriebe. Aufgaben des Verbandes sind unter anderem: die Interessenvertretung in fachlichen sowie wirtschafts- und sozialpolitischen Angelegenheiten für die Hersteller von Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandten Erzeugnissen. Insbesondere geht es dabei um Tarifpolitik, Außenhandelsbestimmungen für die stark exportorientierte Branche, um Arbeits- und Sozialrecht sowie um Messen und Ausstellungen.

Zur Vereinigung der Bundesverbände im Industriehaus zählen: Bundesverband (BV) Schmuck und Uhren; BV der Edelstein- und Diamantindustrie; BV der Gablonzer Industrie; BV des Schmuck- und Uhrengroßhandels; BV der Importeure und Exporteure von Edelsteinen und Perlen; BV der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte; Zentralverband der Deutschen Gold- und Silberschmiede und Juweliere; Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik; Gesellschaft für Goldschmiedekunst. Auch das DDI, das Deutsche Diamant-Institut sowie das USE (Weiterbildungsinstitut für den Uhren- und Schmuckfacheinzelhandel) mit Geschäftsführerin Jeanette Fiedler residieren im Industriehaus.

 

www.hv-bw.de

www.lvi-online.de

www.rda.de

www.bv-schmuck-uhren.de