nach oben
02.05.2008

Die buckelige Verwandtschaft

Ein paar schöne Tage liegen hinter mir: Die „buckelige Verwandtschaft“ war da! Mir wurde in dieser- auch tatsächlich - sonnigen Zeit wieder einmal die Wichtigkeit von Familie bewusst. Dabei müssen vielleicht Menschen, um sich gegenseitig zu vertrauen, zu unterstützen und sich miteinander wohl und insgesamt stärker zu fühlen, nicht unbedingt miteinander blutsverwandt sein, denke ich.

Wahrscheinlich brauchen wir Menschen hauptsächlich familiäre Strukturen und ein Gefühl der Wesensverwandtschaft mit anderen, die sich unter Umständen in ähnlicher Lage wie wir selbst befinden, um uns wohler und getröstet zu fühlen bei dem, was uns das Leben so abverlangt.

„Diejenigen Naturen, die sich beim Zusammentreffen einander schnell ergreifen und wechselseitig bestimmen, nennen wir verwandt“, so heißt es ja auch in Goethes „Wahlverwandtschaften“.

Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass in der Zukunft, in der unser Staat nicht mehr so viel für uns „Individualisten“ leisten kann, die Familie eine immer größere Bedeutung bekommen wird, die wirkliche Familie oder neuartige „Wahlfamilien“.

Wo durch die gegenwärtigen Bedingungen, besonders aus beruflichen Gründen, echte Familien teilweise getrennt werden und weit auseinander leben müssen, sollten wir uns nicht scheuen, eine Art Ersatzfamilie zu gründen. Dies ergibt sich natürlich um so leichter, je passender wir dafür schon rein architektonisch gesehen wohnen. Vor einiger Zeit stellten im Fernsehen einmal junge „modern“ eingestellte Architekten ihre teilweise bereits in Norddeutschland umgesetzte Vision kommunikativen multikulturellen und generationsübergreifenden Wohnens vor, das zur Begegnung im tatsächlichen und übertragenen Sinn geradezu einlud. Wo ein Aufeinandertreffen möglich ist, kann auch Gemeinschaft und gegenseitige Hilfestellung leichter entstehen.

Ich glaube, dass wir Menschen - als Beziehungswesen geboren - ein natürliches Bedürfnis auf Familie oder familiäre Strukturen haben. Jedenfalls suchen wir doch meist nach Gruppierungen, denen wir uns relativ regelmäßig anschließen können. (Selbst die uns persönlich wichtige Fernsehserie gehört, wenn wir ehrlich sind, dazu, bei der wir mit den uns vertrauten Mitwirkenden mit fiebern, mit streiten, mit leiden.)

Und was wir in größerem Rahmen wie in Kirchenkreisen, beim Sport oder in der Musik miteinander an Gemeinschaft herstellen, könnten wir wahrscheinlich auch mit ein wenig gegenseitigem Vorschussvertrauen im kleineren Bereich hin bekommen.

Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn beginnen doch sicher bei uns zu Hause und in unserer Straße, oder was meint Ihr?