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Quelle: Ben Hunt via Twitter. Caption: Blackjackstrategie aus der Perspektive eines Mathematikers
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Quelle: Penny Stocks MOMO via Twitter. Caption: Facettenreiche Karriere 
Quelle: Penny Stocks MOMO via Twitter. Caption: Facettenreiche Karriere 
06.12.2018

Die facettenreiche Karriere von Edward Thorp

Es gibt weniger facettenreichere Personen in ihren Branchen als Edward Thorp. Der US-Amerikaner wurde im August 1932 geboren und gilt als Pionier der modernen Anwendung der Wahrscheinlichkeitstheorie. Als Mathematik-Professor, Autor, Hedgefonds-Manager und Blackjack-Spieler ist er in diversen Fachgebieten tätig. Daneben entwickelte er den ersten tragbaren Computer mit Claude Shannon. Ein Mann der vielen Gesichter ist mittlerweile 86 Jahre alt. Wir blicken auf seine größten Errungenschaften.

Einer der größten Mathematik-Professoren

Edward Thorp zeigte schon früh großes Interesse an der Mathematik, was ihn in diesem Feld überaus erfolgreich werden ließ. Mit 26 Jahren erreichte der junge Mann aus Chicago, Illinois, seinen Doktortitel an der University of California, ehe er in der Folgezeit den Umzug von West- an Ostküste wagte. Das prestigereiche Massachusetts Institute of Technology (MIT) dienste bis 1961 als erste Arbeitsstelle für Thorn, wo er im Übrigen auch den erwähnten tragbaren Computer mit seiner zu diesem Zeitpunkt bahnbrechenden Innovation erfand. Erstmals als Professor tätig wurde er schließlich 1961, musste dafür jedoch abermals durch den ganzen Kontinent reisen, um sich in New Mexico niederzulassen, wo er an der NM State University vier Jahre lang sein Wissen weitergab, ehe er seinen Arbeitgeber zugunsten der University of California, Irvine, änderte. Es handelte sich zugleich um eine Art Heimkehr für Edward Thorp, der bis 1982 an der Universität verbleiben sollte, zuerst als Mathematikprofessor, ehe auch noch die Stelle als Finanzprofessor hinzukam.

Insbesondere seine persönliche Geschichte, die von vielen Schwierigkeiten durchzogen war, prägte sein Wirken letztlich massiv. Da er im Kalifornien der 40er-Jahre aufwuchs, hatte er mit den direkten Folgen des 2. Weltkriegs zu kämpfen, durch den vor allem finanzielle Probleme bestanden. Da es in der Schule nur wenige akademische Möglichkeiten war und sich kaum jemand sonst für die Naturwissenschaften interessierte, brachte sich Thorp viele Dinge selbst bei, indem er Bücher studierte und Fachmagazine wie Science News-Letter las. So lernte er unzählige Dinge hinsichtlich der Physik, Astronomie, Mathematik, Chemie und sogar Biologie und behielt ein offenes Gemüt für Neuerungen, die ihn letztlich zu seinen Entwicklungen brachten. Eine dieser Entwicklungen machte ihn schließlich durch, wie er sagt, "reinen Zufall" zu einem Autor des Buches Beat the Dealer.

Blackjack-Spieler und Autor von Beat the Dealer

Beat the Dealer handelt von einem Spiel, dass es Edward Thorp angetan hat, nachdem er erstmals ein Casino besucht hatte: Blackjack. Er erfand das heute berühmte Kartenzählen und gilt nicht zuletzt deshalb als Vater des modernen Vorteilsspiels. Alles begann damit, dass Thorp das Resultat eines Rouletterad-Drehs vorhersagen wollte. Infolgedessen buchte er nach Erhalt seines Doktortitels eine Reise in die Hauptstadt des Glücksspiels, Las Vegas. Nach rund 40 Minuten erkannte er "wie man das Spiel schlagen" könne, was sich letztlich als korrekt herausstellte. Mit einer Bankroll von lediglich 10$ machte er sich an das Spiel und hatte am Ende 8,50$ über, nachdem er Runde für Runde an seiner festgelegten Strategie festhielt, während er von den Mitspielern ausgelacht wurde. Dabei war er gerade dabei, das Spiel für immer zu revolutionieren und spielte sämtliche Kartenkombinationen so, wie er sie statistisch vorbereitet hatte. Da er dennoch einen Teil seines Guthabens verlor, war der US-Amerikaner nicht besonders zufrieden.

Thorp erzählte: „Ich kehrte nach Hause zurück, um einen Weg zu finden, um zu gewinnen". Natürlich tat er genau das. Er arbeitete mithilfe eines Rechencomputers genau die Strategie heraus, die es benötigte, um auf jede Situation vorbereitet zu sein. Dies funktionierte so, dass er per Computer all jene Karten aufzeichnete, die bereits aus dem Spiel sind. Das Gerät berechnete in der Folge die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges, sodass er bei einem vermeintlichen Vorteil höher wetten konnte und seine Einsätze bei einer nachteiligen Lage reduzierte. Das System war in der Praxis überaus erfolgreich, wobei er es bald nicht mehr selbst umsetzen konnte. Zu skeptisch waren die Casinobesitzer gegenüber seinen Siegesmethoden geworden und schlossen den Spieler vom Blackjack-Tisch aus. Da es Thorp noch nie an Kreativität mangelte, versuchte er sich anschließend an einer Kostümierung, um wieder an die Tische in den amerikanischen Casinos zu gelangen. In der Folgezeit nach Erscheinen des Buches reisten immer mehr Menschen nach Las Vegas, um dem erklärten System von Thorp zu folgen. Selbst als die Casinos ihre eigenen Regularien abänderten, um dem erfolgreichen Gewinnkonzept Rechnung zu tragen, war dies nicht von Erfolg gekrönt.

Thorp als Hedgefonds-Manager

Als alle anderen auf den Zug aufsprangen, orientierte sich Edward Thorp um. Was ist schon das einfache Blackjack-Spiel gegen das Spiel mit den großen Summen an der Börse? Er war der Meinung, dass "Glücksspiel vereinfachte Investitionen sind" und agierte schließlich mit großen Geldbeträgen an der Börse, wo er die Vermarktung von Ineffizienzen in Profit umwandelte, der nichts mit den vergleichsweise kleinen Gewinnen im Casino zu tun hatte. Als verbindendes Element stellte er infolgedessen vor allem die Investitionssummen heraus, die für ihn in beiden Fällen möglichst hoch sein sollte. Wenn man ein System als Blackjack-Spieler oder Hedgefonds-Manager besitzt, kann dies fraglos gut funktionieren. Der erste Hedgefonds von Thorp war Princeton/Newport Partners. Aktuell nimmt er die Rolle als Präsident im kalifornischen Edward O. Thorp & Associates ein. Seine persönlichen Investments erreichten recht schnell schwindelerregende Höhen, wenn man seinen eigenen Angaben Glauben schenken möchte. Über einen Zeitraum von 28,5 Jahren soll Thorp bis in den Mai 1998 einen jährlichen Profit von 20 % erreicht haben.

Dabei handelt es sich für keinen Hedgefonds-Manager um schlechte Zahlen, vielmehr wären einige selbst sehr froh, einen solchen Wert zu erreichen. Grundsätzlich gelang es ihm auch an der Börse durch seinen professionellen Hintergrund, diverse Strategien in seine tägliche Arbeit einzubringen. Zu diesen Strategien gehörten in der Hedgefonds-Industrie unter anderem Option Arbitrage, Warrant Modeling, Convertible Arbitrage, Index Arbitrage sowie Statistische Arbitrage. Ehe seine Kollegen an der Wall Street auf diese Techniken zugriffen, waren Edward Thorp bereits große Geldsummen sicher, die ihn schließlich zum Milliardär machten. Seine Verdienste in allen verschiedenartigen Branchen hat er allesamt seinem eigenen Fleiß zu verdanken, ohne den er mit Sicherheit nicht als eine der entscheidenden Personen in Glücksspiel- und Börsenwelt gelten würde. Mit seinen 86 Jahren bleiben ihm vielleicht nicht mehr allzu viele Jahre zu Innovationen, doch das Leben Thorps ist definitiv die Überlieferung wert.