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Dirk Schart bewegt sich als Kommunikationsmanager für das Augmented-Reality-Unternehmen Re’flekt zwischen der realen und der virtuellen Welt. Foto: Gregor Jaruga
Dirk Schart bewegt sich als Kommunikationsmanager für das Augmented-Reality-Unternehmen Re’flekt zwischen der realen und der virtuellen Welt. Foto: Gregor Jaruga © Gregor Jaruga
14.12.2011

Dirk Schart erweitert von Berufs wegen die reale Welt

Dirk Schart ist seit Kurzem in der digitalen Welt zu Hause – und er bewegt sich von Berufs wegen mit Vorliebe in der erweiterten Realität. So wird der Begriff Augmented Reality, kurz AR, übersetzt. Dabei handelt es sich – vereinfacht gesagt – um virtuelle Objekte und Darstellungen, die mit technischer Unterstützung in Echtzeit in die reale Umgebung eingeblendet werden. Hilfsmittel für das Erzeugen dieser erweiterten Realität sind Smartphones, Tablets oder Brillen. Vorerst.

Seit August ist Dirk Schart Kommunikationsmanager des AR-Unternehmens Re’flekt GmbH in München. Knapp 30 Mitarbeiter sind dort mit Entwicklung und Forschung befasst. Zuvor war der ehemalige Sprecher der Wirtschaftsjunioren Nordschwarzwald aus Pforzheim für die Allianz tätig. Ein Fernstudium schloss er mit der Masterarbeit über Augmented Reality ab, fand während dieser Zeit den Kontakt zu Re’flekt und wurde als frischgebackener Studi-enabgänger in die bayerische Landeshauptstadt abgeworben. Kai C. Thomas, einer der Re’flekt-Geschäftsführer, hat ebenfalls starken Bezug zur Goldstadt: Er studierte an der Hochschule Pforzheim Industrial Design. Nach ersten Erfahrungen mit einer Kreativagentur begab sich Thomas in die erweiterte Realitätswelt.

Was ist AR? Ein Beispiel: Damit die Kunden der Firma WMF vor dem Kauf prüfen können, ob die neue Kaffeemaschine in die Küche passt, hat das Unternehmen eine App (abgeleitet von Applikation, eine Software) entwickelt. Der Kaufinteressent fixiert zu Hause den gewünschten Aufstellungsort mit der Gerätekamera seines Smartphones oder Tablets. Auf dem Bildschirm sieht er den – real nicht vorhandenen Kaffeeautomaten – inmitten des realen Küchenumfeldes stehen.

Anderes Beispiel: Damit das Servicepersonal von BMW die komplexen Motoren warten oder reparieren kann, werden die Techniker – vorerst nur in einer Testphase – mit einer AR-Brille ausgestattet. Sie stehen damit vor der geöffneten Motorhaube und sehen über diese Augengläser, welche Werkzeuge sie benutzen und welchen Handgriff sie anwenden müssen, um einen Werkstattcheck fachgerecht auszuführen.

„Das Potenzial von Augemted Reality und sein Nutzen sind heutzutage überhaupt noch nicht erkannt“, sagt Dirk Schart. Deutschland sei bei diesem Thema noch relativ unterentwickelt – zumal hier auch die notwendigen schnellen Internetverbindungen fehlen. Schart: „LTE-Geschwindigkeit sollte Standard sein.“

Großes Potenzial sieht der AR-Experte aus Pforzheim beispielsweise in der Immobilienbranche: Architekten und Immobilienunternehmen können ihre Interessenten beispielsweise durchs Objekt führen – wobei das Haus via AR mit den Möbeln der Kunden ausgestattet ist oder sich der zur Tageszeit übliche Sonnenstand darstellen lässt. Auch im Bildungs- und Kulturbereich böten sich ausreichend Möglichkeiten. An historischen Stätten könnten die Schülerinnen und Schüler via Augmented Reality die geschichtsträchtigen Szenen der Vergangenheit erleben. In Museen könnten Begebenheiten aus längst vergangenen Zeiten zu neuem Leben erwachen, um nur einiges zu nennen. Schart: „In den Unternehmen gibt es Milliarden von Daten, die es zu visualisieren gilt.“ Eine seiner Aufgaben sieht der Kommunikationschef von Re’flekt darin, „den Nutz- und Mehrwert von AR zu vermitteln“.

Zu den Projekten des Münchner Unternehmens gehört unter anderem ein digitales Werkzeug für den Verkauf von Immobilien. Die Aufgabe: Zur Vermarktung zweier Abschnitte des revolutionären Gebäudekomplexes von „NU Office“ – ein innovatives Bürohaus in Schwabing – sollte Augmented Reality eingesetzt werden. Die Lösung: Das Exposee wurde mit einer Vielzahl unterschiedlicher Features angereichert. So erwartet den Leser zu Beginn ein Vorwort von Eigentümer Hubert Haupt als überlagertes Video. Höhepunkt der für iPhone und iPad entwickelten Applikation ist ein 3D-Modell des kompletten Gebäudekomplexes auf der Panoramaseite der Broschüre. Dort können das Dach des Gebäudes abgenommen und verschiedene Raumkonfigura-tionen ausgewählt werden. Das Umfeld der Immobilie ist mit einer interaktiven 3D-Stadtkarte sichtbar. Interessenten erhalten so detaillierte Informationen über Nahverkehr und Entfernungen zu weiteren wichtigen Orten in der näheren Umgebung. Das AR-Gesamtpaket lässt den Anwender in das noch nicht fertiggestellte Gebäude eintauchen. „Das ist eine ideale Verkaufshilfe für Vertrieb und Marketing“, sagt Schart.

Der deutschsprachige Raum, neben dem Inland also Österreich und die Schweiz, gehört zum hauptsächlichen Kundeneinzugsgebiet des Münchner Unternehmens. Daneben kommen Aufträge aus dem restlichen europäischen Ausland. Auch Südamerika gehört zu den Auftraggebern von Re’flekt, erklärt Kommunikationsexperte Schart: „Dort wird das Potenzial erheblich höher eingeschätzt, als hierzulande.“

Mit der Kombination von Hören, Sehen und Tasten könne Information deutlich besser vermittelt werden als ausschließlich mit Text. „Komplexe Vorgänge sind einfacher zu erklären“, sagt Schart. Kindern könne beispielsweise mit interaktivem Lernen gezeigt werden, wie Strom fließt. Mitarbeiter könnten effektiv in neue Aufgaben eingelernt werden und Bauanleitungen seien spielerisch umzusetzen.

Die erweiterte Realität, ist sich der Wahlbayer und Kommunikationsexperte sicher, „wird unsere Welt und unser Leben radikal verändern“.

Mehr Informationen unter www.re-flekt.com