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Tanzende Menschen in einer Disco in Stuttgart. Foto: dpa
Tanzende Menschen in einer Disco in Stuttgart
25.02.2012

Discobetreiber denken über Gogos nach

Stuttgart/Mannheim (dpa/lsw) - Die deutsche Dorfdisco hat es immer schwerer. Szenegastronomie oder 3D-Kinos machten kräftig Konkurrenz, sagt Stephan Büttner, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT).

Außerdem bekommen die Betreiber den demografischen Wandel zu spüren: Es gebe immer weniger junge Leute, sagt etwa Dirk Bamberger, der die Top10-Discotheken in Tübingen, Singen und Balingen leitet. «Seit dem Jahr 2000 waren die Besucherzahlen in den Top10-Clubs - und soweit ich weiß auch in anderen Discotheken im Bundesland - rückläufig.»

Diesen Trend bestätigen die aktuellsten Zahlen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Demnach gab es 2009 nur noch 2410 Discos, Tanz- und Vergnügungslokale in Deutschland - drei Jahre zuvor waren es 156 mehr, ein Rückgang von mehr als sechs Prozent.

Eine weitere Entwicklung: «Das Ausgehverhalten unserer Zielgruppe hat sich verändert - sie geht nicht mehr so häufig aus wie noch vor 15 Jahren», sagt Büttner. Die meisten Discotheken hätten sich angepasst und öffneten an weniger Tagen als früher. Zudem steigen die Ansprüche des Publikums, wie mehrere Veranstalter im Südwesten sagen. Das betreffe sowohl die Dekoration, als auch das Entertainment. Die Branche diskutiert daher etwa über den Einsatz von Gogo-Tänzern.

Diese gehören aus Sicht von BDT-Geschäftsführer Büttner zur «Standardausstattung» jeder Discothek. Michael Ferber, der eine Internet-Plattform für Gogo-Tänzer betreibt, bestätigt: «In den letzten zwei bis drei Jahren ist das Gogo-Tanzen immer mehr zum Trend geworden. Das erkennen wir unter anderem an den steigenden Zugriffszahlen auf unsere Community.» Gogo-Tanzen werde nicht mehr in die anrüchige Stripecke gesteckt, sondern als Animationstanzen angesehen. «Gute Discos haben heutzutage Gogos», resümiert Ferber.

Das Mannheimer Gogo-Girl «Kimstyle» sagt: «Der Trend geht zu edel, sowohl was die Ausstattung der Clubs als auch die Outfits von Gästen und Gogos betrifft.» Seit etwa zehn Jahren tanzt sie am Wochenende in diversen Discotheken. «In jeder Branche gibt es Qualität, so auch im Gogo-Gewerbe - schlechte Gogos bestätigen leider das Klischee von den nicht besonders hellen und billigen Tänzerinnen», so die 28-Jährige, die unter der Woche als Bürokraft arbeitet.

Discobetreiber Bamberger will die oft leicht bekleideten Vortänzer indes nicht zum Standardrepertoire machen: «Gogo-Tänzer setzen wir daher als Highlights nur an der Hälfte unserer Öffnungstage - also etwa viermal im Monat - ein. Dann wird aber immer auch eine richtige Show mit speziellen Kostümen geboten.» Ein ähnliches Bild zeigt sich in Stuttgart, wo der Perkins Park nur ab und zu Gogos engagiert. «Es ist nicht mehr wie früher, dass es die Gäste großartig interessiert, ob Tänzerinnen da sind», so Bjoern Boltz, Betriebsleiter Nightlife.

Dass im Mannheimer Koi Club selten Gogos die Partygänger zum Tanzen anspornen sollen, liegt vor allem daran, dass Inhaber Ashkan Mahmoud nicht von dem Konzept überzeugt ist. «Wir hatten in den letzten vier Jahren vielleicht fünf- oder sechsmal Gogos da und das auch nur an Sonderveranstaltungen.» Diese Art der Animation passe eher zu größeren Discos. «Dort ist das ein Muss.» Er setze darauf, die Gäste zu beobachten, ob sie sich wohlfühlen. Sehr hoch seien deren Ansprüche etwa an den Service und die Qualität der Getränke.

Schwarzmalerei scheint daher auch nicht angesagt. Einige Betreiber spüren wieder mehr Zulauf. Und BDT-Chef Büttner ist zuversichtlich, dass die Tanztempel auch in Zukunft nicht aus den Städten wegzudenken sind: «Discos sind nach wie vor das beliebteste Freizeitvergnügen für 16- bis 25-Jährige und das wird auch so bleiben.»

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