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Ein nun verurteilterv Amokläufer hat an drei verschiedenen Orten im Rheinland zwei Frauen getötet und fünf Menschen verletzt. Er tötete seine Opfer in zwei Anwaltskanzleien in Düsseldorf und Erkrath. Die Polizei fasste den Verdächtigen dann in einer Pizzeria (Foto) in Goch am Niederrhein.
Ein nun verurteilterv Amokläufer hat an drei verschiedenen Orten im Rheinland zwei Frauen getötet und fünf Menschen verletzt. Er tötete seine Opfer in zwei Anwaltskanzleien in Düsseldorf und Erkrath. Die Polizei fasste den Verdächtigen dann in einer Pizzeria (Foto) in Goch am Niederrhein. © dpa/Archiv
23.09.2014

Dreifacher Mord - Höchststrafe für Düsseldorfer Amokläufer

Nach dem blutigen Amoklauf von Düsseldorf muss ein 49-jähriger Koch wegen dreifachen Mordes lebenslang hinter Gitter. Das Düsseldorfer Landgericht stellte am Dienstag zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit wird seine Freilassung frühestens nach 18 Jahren erstmals geprüft. Der Mann hatte vor sieben Monaten zwei Anwälte erstochen und eine Kanzleimitarbeiterin erschossen. Einem im Rollstuhl sitzenden Anwalt schoss er in den Bauch. Zudem legte er Feuer in Anwaltskanzleien in Düsseldorf und im benachbarten Erkrath.

Als ein Motiv gab der Mann an, es sei von seinen Anwälten schlecht beraten worden. Für das Anordnen der Sicherungsverwahrung sah das Gericht nach deren Reform keine Handhabe: Der Mann komme ohnehin erst wieder aus der Strafhaft frei, wenn von ihm keine Gefahr mehr ausgehe, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Drees. In diesem Fall wären auch die Voraussetzungen für die Sicherungsverwahrung entfallen.

Die Verteidiger des Familienvaters zeigten sich zufrieden. Mit dem Vermeiden der Sicherungsverwahrung sei ihr Prozessziel erreicht, sagte Anwältin Gülsen Celebi. Ihr Mandant habe das Urteil gelassen entgegengenommen: «Er hat das erwartet, es hat ihn nicht überrascht.» Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann, dessen Kanzlei und Kollegen von dem Amokläufer heimgesucht wurden, wertete den Schuldspruch als «gerechtes Urteil».

Der 49-Jährige hatte die Taten gestanden. Er habe sich in einem Rechtsstreit um eine Ohrfeige am Arbeitsplatz von seinen Anwälten schlecht beraten und dadurch finanziell ruiniert gefühlt. Außerdem hätten die Streitigkeiten seine Ehe zerrüttet. Als ein zweiter Anwalt dann seine Chancen als aussichtslos bezeichnet und das Mandat niedergelegt habe, habe er sich nicht mehr anders zu helfen gewusst. Er sei dann am Tattag mit zwei Pistolen, zwei Messern und einem Kanister Benzin losgezogen. 

«Ich bin 1996 aus China gekommen und habe Sicherheit, Glück und Freiheit in Deutschland gesucht. Stattdessen bin ich zum Mörder geworden», hatte Yanqing T. vor Gericht gesagt. Der Koch hatte am 28. Februar einen Großeinsatz der Polizei im Rheinland ausgelöst, als die Kanzleien in Flammen standen. Rund 600 Beamte waren im Einsatz, darunter sämtliche Spezialeinsatzkommandos der nordrhein-westfälischen Polizei.

In einer Pizzeria in Goch wurde der Amokläufer schließlich gestoppt. Weil seine Pistole versagte, hatte er überwältigt werden können. Ein psychiatrischer Gutachter hatte Yanqing T. Gefährlichkeit bescheinigt und eine ungünstige Prognose. Der Mann sei aggressiv, gefühlskalt und sehe sich schnell benachteiligt.

Sein Arbeitsleben in Deutschland und der Schweiz sei von Schwierigkeiten geprägt gewesen. Ihm sei monatelang kein Lohn gezahlt worden, Arbeitgeber hätten mehrfach die Sozialabgaben für ihn nicht abgeführt. Er sei geschlagen und provoziert worden. Er habe Arbeitsrechtsprozesse geführt und gewonnen, aber dennoch kein oder kaum Geld erhalten. «Ich habe unzählige Rückschläge erlitten, aber ich habe mich immer bemüht.»