nach oben
Fußball-Experten unter sich: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Teammanager Oliver Bierhoff (rechts) tauschen sich mit PZ-news-Redakteur Thomas Kurtz über EM-Geheimnisse aus. Und Kurtz serviert sie noch brandheiß auf PZ-news.
Fußball-Experten unter sich: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Teammanager Oliver Bierhoff (rechts) tauschen sich mit PZ-news-Redakteur Thomas Kurtz über EM-Geheimnisse aus. Und Kurtz serviert sie noch brandheiß auf PZ-news. © Fotomontage: Dietz/dpa
18.06.2012

EM-Bankdrücker: Scholl, werd' wieder frecher

Fußball, das war für mich noch Schwarzweiß. Uwe Seeler und Gerd Müller. Ohne "Guten Abend allerseits" von Plaudertäschchen Heribert Faßbender konnte ein Länderspiel im Fernsehen gar nicht angepfiffen werden. Moderierende Frauen? Fehlanzeige. Fußballer, die ganze Sätze formulieren und mehrere davon sinnvoll aneinanderreihen können? Fehlanzeige. Das alles gibt es heute. Obendrein in Farbe.

Den Faßbender-Kommentaren trauere ich nicht wirklich nach. Aber so viel besser sind die Fußball-Moderatoren in den letzten Jahren auch nicht geworden. Spaß können dagegen manchmal die Kommentare vor und nach dem Spiel und in der Halbzeitpause machen. Das alte, grummelnde Ehepaar Gerhard Delling und Günter Netzer ist ja leider schon Geschichte. Aber Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel von der ARD könnten so ein neues Traumpaar werden.

Ganz ehrlich: Den Scholl habe ich früher als Spieler immer für ein ewiges Talent gehalten, mehr so für ein Weichei, der auf dem Platz nicht dahin geht, wo es weh tut. Schwamm drüber. Er ist einer der wenigen Fußballer, die etwas zu sagen haben. Und er macht das mit Witz und Intelligenz.

Dabei ist sein Gegenüber manchmal ein richtig frecher Kerl. Der Opdenhövel hängt gerne mal den Besserwisser heraus, weil er bestimmt 100 Seiten Statistik auswendig gelernt hat. Den Scholl scheint das nicht interessiert zu haben. Wie so viele Zuschauer auch.

Die wollen kein Tabellenblabla, die wollen unterhalten werden. Das kann Scholl. Wenn er über das Wundliegen von Mario Gomez herzieht. Genial. Und er kann dem "Schlag den Raab"-Moderator Opdenhövel durchaus Paroli bieten.

Als der über Englands enfant terrible Wayne Rooney und seine frisch eingepflanzten Haare herzieht und den zum Haarausfall neigenden Scholl fragt, ob er den auch seine Haare gekauft habe, meint Scholl nur lächelnd: "Ich habe mehr Haare auf dem Rücken." Das ist souverän. So ganz ohne Gestotter wie bei, äh, Lothar, äh, Matt-äh-hus.

Bleibt zu hoffen, dass Scholl bald wieder frecher wird. Ob die Resonanz auf sein Gomez-Zitat ihm ein bisschen Angst macht? Das wäre dann ja so wie sein Dauertalent-Angsthasenfußball damals auf dem Platz. Schade. Auf jetzt, Mehmet, lass die Sau raus. Langweiler-Kommentar gab es früher bei "Guten Abend allerseits" schon genug. Ich will den alten Scholl mit frecher Schnauze wiederhaben. Thomas Kurtz

Leserkommentare (0)