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Fußball-Experten unter sich: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Teammanager Oliver Bierhoff (rechts) tauschen sich mit PZ-news-Redakteur Thomas Kurtz über EM-Geheimnisse aus. Und Kurtz serviert sie noch brandheiß auf PZ-news.
Fußball-Experten unter sich: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Teammanager Oliver Bierhoff (rechts) tauschen sich mit PZ-news-Redakteur Thomas Kurtz über EM-Geheimnisse aus. Und Kurtz serviert sie noch brandheiß auf PZ-news. © Fotomontage: Dietz/dpa
27.06.2012

EM-Bankdrücker: Wo ist der EM-Superstar?

Die UEFA-Experten haben es nicht leicht, bei der Euro 2012 den Superstar zu wählen. So richtig drängt sich noch kein Überfußballer auf. Wo ist der Megastar der EM?

Cristiano Ronaldo sah zuerst so aus, als würde er nicht einmal ein extra großes Scheunentor treffen, auch wenn er noch so sehr die "High Noon"-Beinstellung von Westernheld John Wayne kopierte und in der Halbzeitpause stets Frisur und Haargel wechselte. Nach gefühlten 100 Fehlversuchen traf er dann doch noch. Aber kann der portugiesische Messi, anders als der Argentinier, seiner Nationalelf wirklich weiterhelfen? Zumal es jetzt gegen den Nachbarn aus Spanien geht, und die kennen den Mann mit dem öligen Schopf seit Jahren aus der Liga.

Bei den Spaniern ist auch kein Überflieger im Team zu sehen. Den Strategen Xavi oder Andres Iniesta scheinen die großartigen Geistesblitze ausgegangen zu sein. Da rollt der Ball und irgendwann fällt das Tor, aber so richtig berauschend ist das Spiel der Spanier nicht mehr. Eigentlich finde ich das Kurzpassspiel eher langweilig, weil leidenschaftslos. Das mutet so klinisch perfekt und deshalb so fade an, dass ich immer an meine putzteufelige Ex-Nachbarin denken muss, deren bevorzugtes Kleidungsstück Haushaltsgummihandschuhe waren, mit denen sie an den unmöglichsten Ecken nach Staubresten vom Vortag gesucht hat.

Andrea Pirlo liegt mir persönlich sehr nahe. Der Italiener könnte, was das Rennen auf dem Rasen betrifft, neben mir am Schreibtisch sitzen. Ab und zu einmal zum Kaffeeautomat oder zum Kühlschrank trotten - der Pirlo hat die gleichen Laufwege wie ich. Das macht ihn sympathisch. Immerhin: Seine Pässe kommen fast zu 100 Prozent beim Mitspieler an.

Ganz anders ist es bei Mesut Özil: Der schwitzt schon in der ersten Minute nach dem Anpfiff. Fleißig ist er ganz gewiss, genial aber noch nicht. Irgendwie ist er gehemmt. Sein Vereinskumpel Sami Khedira dagegen hat sich prächtig entwickelt. Mit Mats Hummels ist Sami der beste deutsche Spieler. Trotz dem Drei-Tore-Mann Mario Gomez. Aber wer von denen ist der EM-Star, der alle übertrumpft?

Bislang sehe ich keinen Spieler, dem man diese Ehrung zuteilen könnte. Ich wüsste aber jemand, der das Prädikat EM-Star verdient hätte: Joachim Löw. Was der Nationaltrainer anfasst, wird zu Gold. Vorausgesetzt, wir schicken die Italiener am Donnerstag nach Hause. Meine Stimme hat er.