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© dpa
06.09.2016

Ein Jahr nach der tödlichen Massenpanik - Pilger kommen zur Hadsch

Mekka. Es ist fast ein Jahr vergangen seit der wohl verheerendsten Massenpanik jemals. Die Zelte für Hunderttausende stehen wieder akkurat aufgereiht nahe der heiligen Stadt Mekka in Saudi-Arabien. Schon eine Woche vor Beginn des mindestens fünftägigen Hadsch am 10. September waren Berichten zufolge mehr als eine Million muslimische Gläubige angereist. Und es werden noch mehr kommen. Die Infrastruktur wurde abermals überarbeitet. Doch bei so vielen Menschen, die jedes Jahr nach Mekka pilgern, kann es keine Garantie für vollkommene Sicherheit geben.

Es war der Morgen des 24. September vergangenen Jahres, als Tausende Menschen in Richtung Dschamarat-Brücke strömten. Dort, so sieht es das Ritual vor, sollen die Gläubigen symbolisch den Teufel steinigen, indem sie Kiesel auf Säulen werfen. Etwa 2000 Pilger - andere unabhängige Zählungen gehen von bis zu 2400 aus - starben. Sie wurden totgetrampelt oder erstickten.

«Zumindest an dieser Stelle kann nichts mehr passieren», sagt ein Experte, der mit der Sicherheitsstruktur des saudischen Wallfahrtsortes vertraut ist. Es habe Baumaßnahmen am Unglücksort gegeben, um eine neuerliche Katastrophe zu verhindern. Das Konzept der Saudis, das aus einem System aus Einbahnstraßen für Fußgänger besteht, gilt generell als eines der fortschrittlichsten der Welt für Großveranstaltungen.

Weitere Veränderungen sollen eine erneute Tragödie verhindern: Die Zeitung «Saudi Gazette» berichtete davon, dass die Dschamarat-Brücke zu Stoßzeiten für Gruppen ganz gesperrt wird. So soll einer der neuralgischen Punkte der weltgrößten Pilgerfahrt entschärft werden.

Die meisten Opfer vor knapp einem Jahr kamen aus dem schiitisch geprägten Iran. Das ohnehin schon angespannte Verhältnis zum Erzrivalen Saudi-Arabien verschlechterte sich dadurch weiter. Anfang des Jahres brach Riad die diplomatischen Beziehungen dann komplett ab. Zuvor war die saudische Botschaft in Teheran von einem wütenden Mob gestürmt worden, der gegen die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien protestierte.

Das hat Auswirkungen für die iranischen Bürger, die dieses Jahr auch wegen Visaproblemen nicht am Hadsch teilnehmen können. Die Saudis haben zwar mehrmals betont, dass die Krise nichts mit den Pilgern zu tun habe, laut Teheran gab es diesbezüglich aber keine ausreichende Zusammenarbeit mit den Behörden des Golf-Nachbarn.

Der iranische Führer Ajatollah Ali Chamenei richtete deshalb harsche Worte in Richtung Riad. «Die Muslime weltweit sollten die blasphemische und (von Weltmächten) abhängige Natur der Saudis erkennen», sagte Chamenei am Montag in seiner jährlichen Botschaft vor dem Hadsch. Er bezeichnete das Königshaus als ungläubig.

Die Saudis dagegen sehen das naturgemäß anders: Iranische Unterhändler seien einfach aus dem Raum gegangen, nachdem bei Gesprächen Lösungen für die Teilnahme vorgeschlagen wurden. Schuld sei allein die Regierung in Teheran, teilte das für die Pilgerfahrt zuständige saudische Ministerium mit und betonte seine «kategorische Ablehnung, die Hadsch-Rituale zu politisieren». Doch genau das ist ein Jahr nach der Katastrophe geschehen.