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28.01.2009

„Ein perfektes Konzert ist, wenn kein T-Shirt trocken bleibt“

„Itchy Poopzkid“ hat sich nach oben gespielt. Durch Hunderte von Konzerten. Zum Beispiel in Pforzheim. In der hiesigen Jugendkultur sind Panzer, Sibbi und Saikov Punk-Helden – legendären Konzerten in der Goldstadt sei Dank. PZ-news-Mitarbeiter Ronny Thurow hat sich mit Sibbi, Gitarrist und Sänger in Personalunion, unterhalten. Über das neue Album, den Tour-Auftakt in Karlsruhe, Rockstar-Ruhm und ihre Heimatstadt Eislingen an der Fils.

PZ-news: Itchy Poopzkid hat in Pforzheim Heldenstatus. Am nächsten Mittwoch, 4. Februar, tretet ihr in Karlsruhe auf. Warum sollte man aus Pforzheim anreisen?
Sibbi: Weil es der Tour-Auftakt ist. Weil wir ein neues Album im Kasten haben. Weil wir lange spielen werden, und ein sehr buntes Programm mitbringen werden – aus alten Songs, die alle Pforzheimer noch kennen, und den neuen Songs. Ich glaube, gerade das Konzert in Karlsruhe wird riesig: Wir haben nämlich im vergangenen Jahr sehr wenig live gespielt, was uns echt fertig gemacht hat, weil wir es gewohnt sind, viele Konzerte zu spielen. Deshalb haben wir so viel überschüssige Energie, die sich in Karlsruhe entladen wird.

PZ-news: Was ist Euer Erfolgsgeheimnis für einen perfekten Auftritt
Sibbi: Erfolgsgeheimnis – hmm … eine Band, die Bock hat, und Leute, die Lust haben auf das Konzert. Der Erfolg des Konzerts zeigt sich immer erst am Ende, wenn keiner der Anwesenden mit trockenem T-Shirt nach Hause geht. Das muss wieder sein am Mittwoch.

PZ-news: Wenn man selbst ein bisschen Rockstar-Ruhm erreicht hat oben auf der Bühne – steht man dann noch selbst gerne unten vor der Bühne, wenn andere spielen?
Sibbi: Absolut. Sehr gerne sogar. Bloß hat man leider, wenn gerade viel zu tun ist, nicht immer die Möglichkeit, noch viele andere Konzerte zu besuchen. Aber wann immer Zeit ist, hören wir uns andere Band an. Es ist riesig, wenn wir bei Festivals mit den Bands spielen können, die wir klasse finden.

PZ-news: Zum Beispiel?
Sibbi: Wir haben mit „Silverchair“, meiner absoluten Lieblingsband, gespielt. Im vergangenen Jahr haben wir auch mit „The Killers“ gespielt. Wir sind immer auch Fans geblieben, das ist das größte, wenn man erst selber spielen kann und dann seine Helden anschauen kann. Für umsonst.

PZ-news: Ab Mittwoch geht's auf Tour: Was hört Ihr im Tourbus?
Sibbi: Die Musik, die wir hören, ist sehr vielfältig: also nicht nur Punkrock, sondern auch vieles andere. Ich bin selbst gespannt, was laufen wird. Wir werden aber vor allem „FIFA Soccer“ auf der Playstation spielen.

PZ-news: Kommen wir zu „Dead Serious“. Was ist besser, was ist anders an Eurem neuen Album?
Sibbi: Besser ist, dass wir unser Album noch vielfältiger gestaltet haben als die Vorgänger. Neu ist, dass wir mehr über den Tellerrand hinaus geschaut haben, dass wir Instrumente auf dem Album haben, die wir früher vielleicht nicht genommen hätten. Wir haben ein Klavier dabei bei drei Songs, wir spielen Akkordeon, ein Einkaufswagen wurde als Instrument benutzt. Wir haben uns fünf Monate lang eingeschlossen, nur Songs geschrieben – den ganzen Tag, die ganze Nacht. Wir haben am Ende fast 30 Songs gehabt, die besten 14 sind auf dem Album. Es ist also in sich eine Best-of-Album.

PZ-news: Was will uns das Cover Euer neuen CD sagen?
Sibbi: Das kannst Du Dir raussuchen. Auf das Cover mit dem lächelnden Mittelfinger sind wir zu der Zeit gekommen, als wir auch den Titel „Dead serious“ gut fanden. Wir finden, das ist ein schöner Gegensatz: Auf der einen Seite der lachende Mittelfinger, auf anderen Seite der Titel „toternst“. Aber den Mittelfinger darf jeder für sich selbst interpretieren.

PZ-news: Euer Stil hat sich weiterentwickelt in den vergangenen Jahren. Wie würdest Du die Musik von „Itchy Poopzkid“ anno 2009 beschreiben?
Sibbi: Das ist schwierig. „Weiterentwickelt“ - das trifft schon auf den Punkt. Wir sind nicht mehr nur Punk-Rock, es fließen viele neue Einflüsse ein. Andere Beats, anderer Sound. Es ist nicht mehr nur alles voll verzerrt und aufs Maul. Wir versuchen jetzt auch zu rocken mit coolen Beats und anderen Dingen, die man von uns früher nicht erwartet hätte.Unsere erste Single vom neuen Album zum Beispiel hebt sich schon ein wenig ab, von dem, was wir bisher so gemacht haben. Ohne dass wir jetzt wie eine andere Band klingen.

PZ-news: Themawechsel. Ihr kommt aus Eislingen an der Fils. Steht da schon ein Denkmal für Euch?
Sibbi: Nee, da werden wir komplett ignoriert. Eislingen ist nicht so die Musik-Stadt. Einmal waren wir bei MTV bei der Show „TRL“ live im Studio, und MTV hatte die Idee, beim Rathaus anzurufen und ein Interview zu machen mit dem Bürgermeister. Der Bürgermeister hat sich aber geweigert. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum wir immer auf Tour fahren wollen, weil wir nicht in Eislingen sein wollen. Dafür ist es schön, von Tour nach Eislingen zu kommen, denn da ist nichts. Da kann man sich gut entspannen.

PZ-news: Wenn Ihr unterwegs seid - erkennen Euch die Menschen auf der Straße?
Sibbi: Das kann schon mal passieren. Bei dem Fernseh-Zeug, das wir gemacht haben, ist es klar, dass man hier und da erkannt wird. Aber es nicht so, dass wir nicht mehr in Ruhe einkaufen können.

PZ-news: Gibt es trotzdem Momente, in denen man sich denkt: Hätt' ich doch mal lieber was Anständiges gelernt?
Sibbi: In unserer Band-Karriere ging es, Gott sei Dank, immer ein bisschen aufwärts. Man hat gemerkt, das man stets ein bisschen erfolgreicher wird, die nächste Stufe nimmt. Deshalb sind wir jetzt sehr froh, dass wird das hauptberuflich machen können und nichts Anderes mehr machen müssen. Aber manchmal denkt man schon: Hmm, was wird, wenn es mal nicht mehr so läuft? Wir haben nach der Schule alle zu hundert Prozent auf die Band gesetzt. Aber im Moment geht es uns super, wir können unseren Traumberuf ausüben. Wir sehen es nicht mal als Beruf, weil wir es so gerne machen.

PZ-news: Was darf man 2009 von „Itchy Poopzkid“ erwarten?
Sibbi: Eine Menge Live-Konzerte – gerade weil wir 2008 nicht so viel gespielt haben. Wir werden unsere Tour bis Anfang März spielen, im Sommer viele Festivals, und im Herbst geht es wieder auf Tour durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und wahrscheinlich auch nach England und Schweden. Außerdem gibt's ein weiteres Video und eine weitere Single. 2009 wird einiges passieren – und wir sind echt heiß drauf.