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Beim Frühstück mit der Pforzheimer Stadträtin Monika Descharmes bewies Online-Redakteur Thomas Kurtz, dass er nicht nur höflich Kaffee einschenken, sondern durchaus auch in der Küche seinen Mann stehen kann. Zumindest beim Zubereiten von Rühreiern.
monika descharmes foto text © Homann
29.03.2008

Eine Frau geht ihren Weg

Stadträte, das sind die Menschen, die bei Vereinsversammlungen persönlich vom Vorsitzenden begrüßt werden, die bei großen Veranstaltungen in der Ehrenloge sitzen, die beim Richtfest am besten Tisch tafeln und mal eben mit den Gemeinderatskollegen auskungeln, wie sie ihr eigenes Wohnumfeld aufpolieren können. Wer so über Kommunalpolitiker denkt, sollte einmal mit Monika Descharmes frühstücken und sich von der Pforzheimer FDP-Stadträtin über das politische Wirken im Rathaus aufklären lassen.

PZ-Redakteur Thomas Kurtz hat das getan. Nicht nur dass er ein opulentes Frühstück genießen durfte, er konnte auch einen sehr persönlich gefärbten Einblick in den Alltag und auf die politische Arbeit einer Stadträtin nehmen. Nach dem langen Gespräch am Esstisch, unterbrochen durch einen spontanen Koch-Versuch des Online-Redakteurs, zeigte Kurtz gehörigen Respekt und versprach, in Zukunft nicht mehr so vorschnell und gedankenlos über „die da oben im Rathaus“ herzuziehen.

Stadträte sind eben auch nur Menschen. Und nicht die schlechtesten. Aber schon irgendwie besonders. Sie treffen Entscheidungen über andere Menschen in ihrer Umgebung, übernehmen für sie Verantwortung. Sie arbeiten unentgeltlich für andere und wollen aktiv eine bessere Zukunft für alle gestalten. Und das alles für Ruhm und Ehre? „Man hört nur ganz selten ein Dankeschön“, sagt Monika Descharmes. Schon eher findet sie böse Briefe im Briefkasten, wenn sie einmal eine Entscheidung mitgetragen hat, von deren Richtigkeit sie voll überzeugt war, die aber nicht jeder Mitbürger so teilen will.

„Wenn man einmal auf einem Foto in der Zeitung ist, dann denken doch viele gleich, dass das schon alles ist, was eine Stadträtin tun muss. Aber die sehen eben nicht, wie viele Stunden an Arbeit dahinter stecken. Und das macht nicht immer nur Spaß, das kostet Zeit und Nerven“, gesteht Monika Descharmes. Sitzungen mit den Parteifreunden, mit der Fraktion, in Ausschüssen, im Gemeinderat – da sind schnell die meisten Tage der Woche im Kalender belegt. Letztlich würde davon als sichtbares Zeichen nur ein Pressefoto übrig bleiben, „wenn man mal auf der Messe Karussell fährt“.

„Ich habe mich noch nie in meinem Leben vor Arbeit gefürchtet“, sagt die Stadträtin, die als Sekretärin arbeitet und ihre zwei Kinder – eine Tochter und ein Shohn – teilweise alleine aufgezogen hat. Mit diesem Pensum und diesen unterschiedlichen Aufgaben wäre mancher Mann wohl überfordert gewesen, aber sie hat es geschafft. Und nicht nur das: Monika Descharmes hat sich in einer Männerdomäne behauptet. Auch wenn Deutschland inzwischen von einer Bundeskanzlerin regiert wird, muten Frauen in der Politik immer noch nicht selbstverständlich an. Wer den hohen Männeranteil in den politischen Gremien sieht, der merkt ganz schnell, dass da noch viele dicke Bretter gebohrt werden müssen.

Monika Descharmes kommt aus einer politisch interessierten Familie, aber der Weg ins Rathaus war deshalb noch lange nicht vorgezeichnet. Ob es daran lag, dass sie sich gerne einmischt, wenn sie meint, dass etwas schief oder in die falsche Richtung läuft? Bevor sie von der FDP auf eine mögliche Kandidatur für den Gemeinderat angesprochen wurde, fiel sie als fleißige Leserbrief-Schreiberin auf. „Ich schreibe für mein Leben gerne“, sagt Monika Descharmes.

1999 stand sie erstmals auf einer Wahlliste für einen Sitz im Pforzheimer Ratssaal. Damals noch vergeblich. Ebenso wie 2001, als sie von Plakaten für die Landtagswahl herunterlächelte. 2004 war es dann soweit. Monika Descharmes zog als Stadträtin ins Kommunalparlament ein – und damit konnte sie das Wort „Freizeit“ aus ihrem Sprachgebrauch streichen. Bereut hat sie es nicht, aber manchmal wünscht sie sich schon den ein oder anderen Termin weniger.

Und dann kommt auch noch das Team vom PZ-Frühstücksfernsehen. Während Kurtz neugierige Fragen stellt, dirigiert sein Kollege Moritz Homann: „Könnten Sie den Kopf ein wenig ins Licht rücken?“ Oder: „Also das Ganze jetzt noch mal.“ Nur einmal vergisst ein völlig überraschter Homann jegliche Regieanweisungen, als Kurtz sich anbietet, höchstpersönlich Rührei für den Frühstückstreff zu machen. Auch Monika Descharmes staunt nicht schlecht über so viel Engagement und Eifer eines Journalisten – und darüber, dass die Rühreier eines Schreibtischtäters sogar durchaus genießbar sind.

So werden Vorurteile beseitigt. Frühstücken verbindet. Nur beim Aufräumen und Abwaschen war vom Team des PZ-Frühstückfernsehens nichts mehr zu sehen. „Dringende Termine!“ Aber das ist letztlich nur noch eine weitere Gemeinsamkeit, die Stadträte und Redakteure haben.