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WFG-Geschäftsführer Steffen Schoch
WFG-Geschäftsführer Steffen Schoch © Thomas Meyer
14.12.2011

„Eine Region mit schaffigen, stolzen und kreativen Menschen“

Gerd Lache im Interview mit dem neuen WFG-Geschäftsführer Steffen Schoch.

Herr Schoch, seit 1. August 2013 sind Sie Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH. Was sind die Schwerpunktaufgaben eines WFG-Geschäftsführers?

Steffen Schoch: Aufgabe des WFG-Geschäftsführers ist es, integrierend und vorausschauend zu wirken, die Region Nordschwarzwald zusammenzuführen, sie innerhalb wie außerhalb der Region als eine Einheit erlebbar zu machen, sie selbstbewusst zu vertreten und im harten internationalen Wettbewerb der Regionen für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Region zwischen Sternenfels und Alpirsbach, wie beschreiben Sie die hier lebenden Menschen, die hier agierenden Unternehmerinnen und Unternehmer sowie die hier ansässigen Firmen?

Steffen Schoch: Seine zahlreichen Traditionen, landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte sowie vor allem die schaffigen, stolzen und kreativen Menschen mit einer hohen Bindung zur Region machen den Nordschwarzwald zu einer starken Region. Unternehmerisch denkende Menschen, die mit viel Herzblut und Leidenschaft an ihren Strategien, Produkten und Technologien tüfteln, haben ihre Unternehmen oft bis an die Weltspitze gebracht. Dabei ist die regionale Verwurzelung von Familienunternehmen und deren Verbundenheit mit ihrem Standort etwas ausgesprochen Typisches für die Region Nordschwarzwald.

Was sind heutzutage die Herausforderungen für den Wirtschaftsförderer einer Region, welche Ziele müssen angesteuert werden, welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

Steffen Schoch: Der Wirtschaftsförderer einer Region muss mit einer
langfristig angelegten Strategie und mit hoher Kontinuität in seiner Arbeit Vertrauen schaffen und gleichzeitig ausgleichend wirken. Im Auftrag seiner Gesellschafter muss er vor allem für die Unternehmen da sein, deren Strategien kennen und sie mit Sensibilität, kommunikativer Kompetenz und einem großen Sachverstand für wirtschaftliche Zusammenhänge in regionale Entwicklungsprozesse einbinden. Konkret geht es darum, Maßnahmen zur Bindung, Gewinnung und Weiterentwicklung qualifizierter Fachkräfte zu entwickeln und die Region Nordschwarzwald als Marke regional und überregional selbstbewusst zu positionieren. „Fördermittel-Scouting" auf landes-, bundes- und europäischer Ebene und die Vermarktung der kommunalen Gewerbestandorte in der Region runden das anspruchsvolle Tätigkeitsprofil ab.

Die Region Nordschwarzwald hat eine außergewöhnlich heterogene Struktur. Nord, Mitte, Süd – in jedem Teilgebiet des Nordschwarzwaldes gibt es andere wirtschaftliche Schwerpunkte, angefangen von Feinmechanik über Maschinenbau und Medizintechnik sowie Kunststoffverarbeitung bis hin zu Tourismus. Ist eine einheitliche Vermarktung überhaupt möglich?

Steffen Schoch: Ich habe eine Region vorgefunden, die ihre Stärken gerade aus der Vielfältigkeit ihrer Teilräume nimmt. Die zu schaffende Regionalmarke Nordschwarzwald muss Differenzierungs- und Identitätsfaktor zugleich sein. Sie muss auf dem Stolz der Menschen und auf der Vielfältigkeit der Region aufbauen. Unternehmer und Bürger müssen sich mit ihrer Region identifizieren. Nichts ist glaubwürdiger als die Bürger einer Region selbst, die sich für ihre Region stark machen. Wenn dieser Schritt gelingt, dann wirken die inneren Zielgruppen als Multiplikatoren nach außen und kommunizieren das in den Köpfen verankerte Image der Region durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiter.

In Ihrer zwölfjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer der ebenfalls vielfältig orientierten Region Heilbronn-Franken haben Sie mit dem plakativen Begriff „Wein, Schwein, Weltmarktführer" für den Standort geworben. Haben Sie schon Vorstellungen für einen schlagkräftigen Nordschwarzwald-Slogan?

Steffen Schoch: Das war der Claim für das Projekt Stallwächterparty 2008 in Berlin, mit dem es uns selbstbewusst gelang, europaweit die Marke „Region der Weltmarktführer" – vor allem über die Unternehmer selbst – in den Köpfen der Menschen zu verankern. Dabei stand der Wein für die Landschaft und die Lebensfreude der Menschen, das Schwein für die Landwirtschaft und das gute Essen und die Weltmarktführer für die fleißigen Menschen in den weltweit erfolgreichen Unternehmen. Um Ähnliches für den Nordschwarzwald zu entwickeln, muss ich erst noch viel mehr in die Region reinhören, mit Menschen und Unternehmern sprechen, damit der Slogan dann auch authentisch und von den Menschen getragen ist.

In der Region wird immer wieder mit Stolz auf die zahlreichen Unternehmen verwiesen, die zwar international erfolgreich sind, deren Existenz, Produkte und Standorte aber kaum bekannt sind. Sind diese Hidden Champions ein möglicher Ansatz für die Vermarktung des Nordschwarzwaldes?

Steffen Schoch: Ja natürlich. Niemand ist ein besserer Botschafter als die Menschen, Unternehmer und Produkte einer Region selbst. Wir müssen aber weg kommen vom Hidden-Champion-Gedanken, der das tolle Unternehmen beschreibt, das unbekannt und unentdeckt im Nirgendwo zu Hause ist. Es reicht heute einfach nicht mehr aus, mit dem Begriff Hidden Champion aus seinem Versteck heraus zu kokettieren. Dazu ist der Wettbewerb zu stark. Draußen muss bekannt sein, wer wir sind, für was wir stehen und wo wir hin wollen. Die Wirtschaftsförderung lenkt diesen Prozess und genau darauf wird die Marke Nordschwarzwald aufbauen.

Wo wird die Region Nordschwarzwald unter Ihrer WFG-Führung in 10 Jahren stehen?

Steffen Schoch: Die WFG wird sich weiterentwickeln als verlässlicher Partner und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Institutionen. Durch gemeinsame Projekte wird das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter gestärkt sein. Mit einem gewachsenen Selbstbewusstsein reiht sich die Region Nordschwarzwald bestens vernetzt bei den erfolgreichen baden-württembergischen Regionen ein und präsentiert sich insbesondere für junge, qualifizierte Fachkräfte mit ihren Familien als eine attraktive und zukunftsfähige Heimat.