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Erschöpft: Bei Temperaturen bis zu 300 Grad Celsius zwischen Flammen und dichtem Rauch durch unbekannte Kellergänge gehen, zehrt an den Kräften und den Nerven, wie auf diesem Foto vom Wohnhausbrand an der Gymnasiumstraße zu sehen.
brand © Ketterl
11.04.2008

Einmal Hölle und - hoffentlich - zurück

Die Hand ist kaum vor dem Gesicht, genauer: dem Sehfeld der Gasmaske, zu sehen. Sie steckt ohnehin in einem dicken Handschuh. Etwas anderes wäre auch nicht ratsam, denn ringsum herrschen 200 bis 300 Grad Celsius. So etwa muss es in der Hölle zugehen. Heiß und dunkel, wobei das Schwarz vom dichten Rauch herrührt, nur hier und da aufgehellt vom flackernden Schein der Flammen. So haben Feuerwehrmänner in diesen Tagen die Großbrände in Pforzheim erlebt.

Innerhalb von sechs Tagen mussten sie dreimal in dicht verqualmte, brennende Kellerräume und ins Untergeschoss eindringen. Ohne Sicht, höllischen Temperaturen ausgesetzt, mit extrem schweren, schnell durchgeschwitztem Schutzanzug und Sauerstoffmaske - und dem Bewusstsein, dass hinter jeder Ecke, hinter jeder Tür das Inferno losbrechen kann. Die kleinste Unachtsamkeit kann trotz professioneller Ausrüstung den Tod bedeuten.

Umso belastender ist die Häufung dieser Löschaktionen in so kurzer Zeit. Guido Lobermann, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Pforzheim, spricht von physischen und psychischen Belastungen, die ein Feuerwehrmann zwar durch regelmäßiges Training etwas entkräften kann, die aber auch an die Grenzen der Belastbarkeit gehen können. Keiner steigt eben einfach mal nur so zum Spaß in die Hölle, denn die gesunde Rückkehr ist nie garantiert.

Einen Zentner und mehr an Schutzkleidung und Ausrüstung müssen die Feuerwehrmänner tragen, wenn sie solche Einsätze wie beim Brand in der Diskothek "Flash" auf der Wilferdinger Höhe oder in den Wohnhäusern an der Belfort- und an der Gymnasiumstraße bewältigen müssen. Und das alles muss nach jedem Brand aufwändig gesäubert und erneuert werden. Versagt das Atemschutzgerät oder reißt die Schutzkleidung ist die Katastrophe vorprogrammiert.

So herrschte in diesen Tagen Hochbetrieb hinter den Kulissen der Hauptfeuerwache. Pausenlos wurden Sauerstoffflaschen geleert, und die Spezial-Waschmaschine lief im Dauerbetrieb. Nur mit dem Trocknen der Dienstkleidung gab es Schwierigkeiten. Zu viel Feuerwehrmänner hatten in zu kurzer Zeit im giftigen Rauch gestanden.