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Die Flucht von Joaquin Guzman Loera alias El Chapo aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Puente Grande war filmreif. Seit elf Jahren fehlt von Mexikos mächtigstem Drogenbaron jede Spur.
Die Flucht von Joaquin Guzman Loera alias El Chapo aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Puente Grande war filmreif. Seit elf Jahren fehlt von Mexikos mächtigstem Drogenbaron jede Spur. © dpa
25.01.2012

"El Chapo": Wie Mexikos mächtigster Drogenboss die Polizei narrt

Mexiko-Stadt. Seine Flucht war filmreif. Am 19. Januar 2001 versteckte sich Joaquín Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis von Puente Grande in einem Karren für die schmutzige Wäsche. Unter einer Matratze in einem Lieferwagen gelangte er in die Freiheit. Seither fehlt von Mexikos mächtigstem Drogenbaron jede Spur. Es heißt, er verberge sich irgendwo in den Bergen im sogenannten Goldenen Dreieck, das von den Bundesstaaten Durango, Chihuahua und Sinaloa im Nordwesten des Landes gebildet wird.

Von dort verwaltet er sein riesiges Vermögen, das die US-Zeitschrift «Forbes» im Jahr 2009 auf eine Milliarde Dollar schätzte. Es heißt, als Kind habe Guzmán sich noch als Apfelsinen- Verkäufer durchschlagen müssen. Aber so genau weiß das niemand. Überhaupt ist wenig bekannt über den Mann, der den Beinamen «El Chapo» trägt. Als «chapo» oder «chaparro» werden im Nordwesten Mexikos Menschen kleiner Statur bezeichnet.

Als Guzmán nach seiner Festnahme 1993 in Guatemala an Mexiko ausgeliefert wurde, fragte ihn ein Reporter: «'Chapo', stimmt es, dass Du der König des Kokains bist?» Er verneinte. «Was machst Du denn?», lautete die nächste Frage. «Ich bin Bauer», versicherte Guzmán. «Und was baust Du an?», wollte der Journalist wissen. «Na, Bohnen!», antwortete er.

Auch Guzmáns Alter ist unklar. Laut Interpol wurde er am 4. April 1957 geboren, er wäre somit jetzt 54 Jahre alt. Die US-Behörden geben als Geburtsdatum den 25. Dezember 1954 an, demzufolge wäre er 57. Fest steht immerhin, dass Guzmán aus dem Bundesstaat Sinaloa stammt und um 1989 die Führung des gleichnamigen Drogenkartells übernahm. Es ist auch als «La Federación» (Die Föderation) oder als das Pazifik-Kartell bekannt.

Die US-Behörden bezeichnen ihn als den mächtigsten Drogenboss der Welt und als Herren über ein «kriminelles Imperium», das mit dem Verkauf von Kokain, Heroin, Marihuana und Amphetaminen zu einer Art internationalem Konzern des organisierten Verbrechens geworden sei. Fünf Millionen Dollar bieten die USA als Belohnung für seine Festnahme, weitere 2,3 Millionen Dollar ist Mexiko bereit zu zahlen.

Doch bislang ist es Guzmán gelungen, mit Mord und Bestechung seinen Verfolgern zu entkommen. Seine Flucht 2001 ließ er sich angeblich 2,5 Millionen Dollar kosten. Der Direktor und nicht weniger als 33 Wärter des Gefängnisses wurden damals festgenommen. Seine Geschäfte hatte Guzmán selbst in der Haft praktisch unbehelligt weiterführen können.

In den «Narco-Corridos», den umstrittenen Volksliedern über Mexikos Drogenwelt, wird «El Chapo» als Held besungen. «Er ist nicht sehr groß, aber groß ist seine Macht, weder Kugeln noch Gitter haben ihn aufhalten können», heißt es in einem der populärsten Stücke.

Das klingt angesichts der schier unglaublichen Brutalität der Drogenmafia verharmlosend. Als etwa vor einem Jahr in Mexikos berühmtestem Badeort Acapulco mehrere enthauptete und zerstückelte Leichen auftauchten, war der Polizei schnell klar, wer dahintersteckte. «Hochachtungsvoll 'Chapo' Guzmán», stand auf Zetteln neben den leblosen Körpern. Die Botschaft wurde als Warnung an konkurrierende Kartelle gewertet, sich aus der Gegend herauszuhalten.

Viele der mehr als 47.000 Menschenleben, die der Drogenkrieg in Mexiko in den vergangenen fünf Jahren gekostet hat, sollen auf das Konto von Guzmáns Sinaloa-Kartell gehen. «El Chapo» selbst hat auch schon einige seiner Angehörigen verloren, darunter einen seiner Söhne. Erst kürzlich ist er angeblich erneut Vater geworden. Eine 22 Jahre alte frühere mexikanische Schönheitskönigin, die Guzmán am Tag ihres 18. Geburtstages geheiratet haben soll, habe im August 2011 in Kalifornien zwei Mädchen zur Welt gebracht, berichtete die «Los Angeles Times».