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Im Kofferraum dieses Unfallautos war Chloé gefangen.
Im Kofferraum dieses Unfallautos war Chloé gefangen. © dpa
26.11.2012

Entführte 15-jährige Chloé: "Ich war mutlos"

Paris (dpa) - Nach ihrer Entführung im Kofferraum eines Sexualstraftäters hat die junge Chloé erstmals öffentlich über ihre Erlebnisse gesprochen. Sie wolle wieder normal leben, sagt sie.

Die 15-jährige Chloé aus Südfrankreich hat erstmals öffentlich über ihre Gefangenschaft gesprochen. Sie habe unter «Todesangst» gelitten, sagte Chloé am Sonntagabend in der Sendung «66 Minutes» des französischen Fernsehsenders M6. Die 15-Jährige war am 9. November vor ihrem Elternhaus gekidnappt worden. Sie war im Kofferraum eines 32-jährigen Franzosen gefangen. Der vorbestrafte Sexualtäter fuhr mit seinem Opfer tagelang durch die Gegend. Am 16. November war das Mädchen bei Offenburg in Südbaden gefunden worden.

Ausweichend antwortete Chloé auf die Frage, ob ihr Entführer sie sexuell belästigt habe. «Er wollte mir nicht direkt Böses antun», sagte sie. «Das bedeutet nicht, dass mir nicht auch andere Dinge widerfahren sind, aber das ist alles, was ich sagen kann.» Die Staatsanwaltschaft in Nîmes ermittelt wegen Entführung, Geiselnahme und Vergewaltigung. Ursprünglich war das Interview mit Chloés Eltern in Barjac geplant, hieß es. Die Tochter kam hinzu und war bereit, Fragen zu beantworten. Ihre Schilderung: Sie habe ihren Motorroller neben der Garage geparkt, da sei ein Mann in den Hof gekommen. «Ich wollte davonlaufen und bin gefallen, da hat er mich zum Auto gebracht.»

Die meiste Zeit ihrer einwöchigen Gefangenschaft war Chloé im dunklen Kofferraum eingeschlossen. «Ich war mutlos. Ich habe mir gedacht, dass ich nie wieder nach Hause kommen werde. 24 Stunden lang war es ganz fürchterlich, ich war vernichtet», erzählte sie über die Stunden in völliger Dunkelheit. «Wenn man aus seiner Familie und seinem Leben entführt wird, dann kann man nichts anderes als Angst haben. Ja, ich hatte Angst. Ich hatte Angst zu sterben.»

Zwei Tage nach der Entführung hörte sie vom Aufruf ihrer Mutter im Radio. Sie habe von einer Welle der Mobilisierung in Barjac gesprochen. «Das hat mich echt aufgerichtet, ich habe mir gesagt: Jetzt kann ich nicht aufgeben.»

Hoffnung schöpfte Chloé auch, weil ihr Entführer sagte, sie werde vor Weihnachten wieder bei ihrer Familie sein. «Daran habe ich mich festgehalten.» Fliehen wollte sie nicht. «Ich habe daran gedacht, aber was hätte ich in der Nacht im Wald gemacht? Ich hätte mich verirrt, oder er hätte mich am nächsten Morgen gefunden, das wäre mein Ende gewesen.»

In dem TV-Beitrag war das Gesicht Chloés unkenntlich gemacht worden. Sie wolle nicht erkannt werden, weil sie ein normales Leben wiederfinden wolle, sagte sie zur Begründung. Während des Gesprächs wirkte sie gefasst und saß ruhig zwischen Mutter und Vater auf einem Sofa.

Auf den Fernsehbildern waren auch Massen von Blumensträußen überall im Haus zu sehen. Chloé hat Briefe voller Anteilnahme und Geschenke aus allen Teilen Frankreichs erhalten. Der Fall hatte in Deutschland und Frankreich großes Aufsehen erregt.

Der Entführer fuhr mit Chloé quer durch Frankreich, nach Italien und mindestens zweimal nach Deutschland. Nur mit Glück entdeckten deutsche Polizisten das Kind im Auto. In Oppenau bei Offenburg wurde der 32-Jährige gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft und soll in den nächsten Tagen nach Frankreich gebracht werden.