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Mit Blumen, Kerzen und Luftballons wird an die Opfer des Terroranschlags gedacht. Foto: Rui Vieira
Mit Blumen, Kerzen und Luftballons wird an die Opfer des Terroranschlags gedacht. Foto: Rui Vieira
26.05.2017

Ermittler in Manchester durchleuchten Terrornetzwerk

Manchester (dpa) - Mit einem Großaufgebot an Ermittlern versucht die Polizei in Großbritannien das islamistische Netzwerk des Selbstmordattentäters von Manchester aufzuklären.Sie geben dabei auch wieder Informationen an die US-Behörden weiter, nachdem US-Präsident Donald Trump der britischen Premierministerin Theresa May zugesagt hat, Informationslecks zu schließen. Die britische Innenministerin Amber Rudd ging am Freitag davon aus, dass die höchste Terrorwarnstufe noch «ein paar Tage» lang gelten werde.

Die Polizei nahm am Morgen einen weiteren Verdächtigen im Stadtteil Moss Side von Manchester fest, wie die Behörde auf Twitter mitteilte. Zudem durchsuchten die Beamten zwei weitere Häuser in Moss Side und bei St. Helens westlich von Manchester.

Bei dem Selbstmordanschlag am Montagabend auf Besucher eines Pop-Konzerts hatte Salman Abedi,

ein Brite libyscher Abstammung, 22 Menschen mit in den Tod gerissen. Außerdem wurden 116 Menschen zur Behandlung von Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Die Polizei geht davon aus, dass

Abedi kein Einzeltäter war, sondern dass ein ganzes Terrornetzwerk hinter der Tat steckt. Der 22-Jährige sei dem britischen Geheimdienst bekannt gewesen, aber nicht regelmäßig überprüft worden, hieß es.

Insgesamt zehn Menschen seien zwischen Dienstag und Freitag wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Davon befinden sich derzeit noch acht Männer im Alter zwischen 18 und 38 Jahren in Großbritannien in Untersuchungshaft - darunter der ältere Bruder des Attentäters, Ismail Abedi (24). Zwei weitere Verdächtige, ein 16-jähriger Jugendlicher und eine 34-jährige Frau, seien inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Nach einer Aussprache mit ihren US-Kollegen nahmen die britischen Beamten den Informationsaustausch wieder auf. Das sagte Mark Rowley, der oberste britische Terror-Ermittler, in der Nacht zum Freitag. Die Briten hätten «neue Zusagen» erhalten, dass den US-Behörden vertrauliches Material anvertraut werden könne.

Das Vertrauen zwischen den Partnern war getrübt, nachdem US-Behörden amerikanischen Medien britische Ermittlungsergebnisse zugespielt hatten, die aus Fahndungsgründen noch geheim gehalten werden sollten. Die britische Regierung vermutet, dass US-Geheimdienstquellen forensische Aufnahmen vom Tatort an die «New York Times» weitergegeben und damit die Ermittlungen in Gefahr gebracht haben. US-Medien hatten auch als erste den Namen des Attentäters publiziert.

In Libyen wurden nach Angaben libyscher Spezialkräfte der Vater und der jüngere Bruder des Attentäters festgenommen. Dieser Bruder war den Angaben zufolge mit den Einzelheiten des Anschlags vertraut.

Großbritannien hat nach dem Anschlag erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Dadurch erhält die Polizei nun Hilfe vom Militär. Neu sind auch bewaffnete Beamte in Zügen in Großbritannien.

Britische Sicherheitsbehörden haben nach Regierungsangaben in den vergangenen vier Jahren 18 geplante Terroranschläge vereitelt. Allein seit der Attacke im Londoner Regierungsbezirk Westminster im März seien fünf Attentate verhindert worden, zitierte die britische Nachrichtenagentur PA am Donnerstag Regierungskreise. Der Inlandsgeheimdienst MI5 führe um die 500 Ermittlungen gleichzeitig. Jederzeit gebe es bis zu 3000 Personen, die für den Geheimdienst von besonderem Interesse seien.

Dazu sagte Sicherheitsminister Ben Wallace der BBC am Freitag: «All diese Menschen ... müssen wir uns ansehen.» Die schwierigste Aufgabe sei aber, harte Beweise für Geheimdienstinformationen zu bekommen, bevor Verdächtige festgesetzt werden könnten. Wallace reagierte auf öffentliche Kritik, dass viele mutmaßliche Gefährder den Behörden zwar bekannt seien, die Beamten aber nicht einschritten.

Die britische Königin Elizabeth II. besuchte am Donnerstag Opfer des Terroranschlags in einem Kinderkrankenhaus in Manchester. Dort werden insgesamt zwölf Mädchen und Jungen behandelt, die bei der Attacke nach einem Popkonzert der Sängerin Ariana Grande am Montagabend Verletzungen erlitten hatten.

Terrorhort Libyen:

Sechs Jahre nach dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi könnte das Chaos in Libyen kaum größer sein. Mittlerweile streiten in dem nordafrikanischen Staat drei Regierungen um die Macht - darunter eine international anerkannte, deren Einfluss jedoch kaum über die Hauptstadt Tripolis hinausreicht. Zahlreiche rivalisierende Milizen machen sich Konkurrenz, wenn nötig mit Gewalt. Dieses Chaos bietet Extremisten ausreichend Freiräume, um sich auszubreiten. So kontrollierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zwischenzeitlich ein rund 300 Kilometer langes Gebiet am Mittelmeer.