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Unbekannte haben in dem ehemaligen Konzentrationslager Dachau die historische Tür mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen.
KZ Dachau © dpa
03.11.2014

Erste Hinweise nach Schändung von KZ-Gedenkstätte Dachau

Nach dem Diebstahl der Eingangstür zum ehemaligen Konzentrationslager in Dachau mit der Inschrift «Arbeit macht frei» hat die Polizei erste Hinweise - eine konkrete Spur gibt es aber noch nicht. Die Polizei prüfe einen möglichen Neonazi-Hintergrund, es werde aber in alle Richtungen ermittelt, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Dachau, Thomas Rauscher.

Die Tat löste große Bestürzung aus. «Diese Schändung ist grässlich und schockierend», sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der «Bild»-Zeitung (Dienstag). «Wer so etwas macht, ist entweder krank oder bösartig. Wahrscheinlich beides.» Ähnlich äußerte sich der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski: «Das ist ein Angriff auf ein Symbol, ein Angriff auf das Erinnern.» Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte: «Die Schwere des Anschlags ist einmalig.»

Sicherheitskräfte hatten das Fehlen der Tür am Sonntagmorgen entdeckt. Die Täter seien mit hoher krimineller Energie vorgegangen. Die Tür war nach einer Rekonstruktion der Inschrift 1965 eigens mit Widerhaken gesichert worden.

Die schmiedeeiserne Tür mit der zynisch-propagandistischen Parole «Arbeit macht frei» gilt als zentrales Symbol für den Leidensweg der von den Nazis eingesperrten Menschen. Im KZ Dachau bei München und seinen Außenlagern hatten die Nationalsozialisten bis 1945 mehr als 200 000 Menschen inhaftiert, Zehntausende kamen ums Leben.

Bereits vor etwa fünf Jahren hatten polnische Diebe im Auftrag schwedischer Neonazis aus der Gedenkstätte Auschwitz ebenfalls den Schriftzug «Arbeit macht frei» gestohlen. Er konnte aber nach umfangreicher Fahndung innerhalb weniger Tage sichergestellt werden; die Täter wurden gefasst und verurteilt.